68 Die erzählende Dichtung
B, Berlin, vom J. 1461, schwäb., enthält Gotfrids Tristan bis zu dessen Schluß und fährtdann weiter mit Eilharts Ged. von 6103 an.
III. Die Prosaauflösung P, der Prosaroman, in Drucken des 15. u. 17. Jh.s (ältester Druck1484). P ist wichtig für die Textkritik, sie geht auf eine alte Eilharths. zurück. 1
IV. Die tschechische Übersetzung (der tschech. Tristram) ö, von zwei Verfassern, am Anfangwortgetreu, Mitte des 13. Jh.s (Öi), dann freier, ca. 100 Jahre später (Ö2). Die deutsche Vor-lage von ö war eine alte Bearbeitung von Eilharts Urtext, wohl noch im 12. Jh., etwa inder Art von R oder M, darum ist auch ö für die Textgeschichte ergiebig. 2 Sie hatte Reim-änderungen mit H gemein.
Die Tristandichtung 3 ist in ihrer Gesamtheit als literarisches Kunst-werk, wie überhaupt die höfische Epik, ein Erzeugnis französischen Geistes.Das Urgedicht, wahrscheinlich anglonormannisch, das zwischen 1140 und1150 entstanden sein wird, da es die Artussage in der Gestalt der ChronikGalfrids v. Monmouth (1136) voraussetzt, ist uns gänzlich verloren. Aberes läßt sich aus den vier ältesten Fassungen ein aus jenem Urtristan ge-flossenes weiteres Entwicklungsstadium erschließen: die ebenfalls verloreneEstoire (so genannt nach einem Zitat in dem Gedichte des Berol V. 1798),nach der Mitte des 12. Jh.s. Aus der Zusammenstellung jener vier Fassungenergibt sich der Inhalt der Estoire mit einiger Sicherheit. 4 Die vier Fassungensind 1. Eilharts Tristrant, der die Estoire am vollständigsten und genauestenwiedergibt; 2. Das afrz. Spielmannsgedicht des Berol, um 1180, dessen
I. Teil, Liebesabenteuer Tristans enthaltend, aus der Estoire stammt, währendder II. Teil, von der Trennung der Liebenden, andern Ursprung hat; Berolund Eilhart vertreten die Spielmannsversion; 3. Der anglonorm. höfischeRoman des Thomas, zwischen 1155 und 1170, 6 nur in Bruchstücken aus dem
II. Teil erhalten, den Gotfrid v. Straßburg übertrug (s. unten); 4. Einige aus
der Estoire geflossene Kapitel des afrz. Prosaromans, um 1230. 6 Alle diese
Ableger gehen unabhängig voneinander auf die Estoire zurück. Mittelbar
stammt von ihr auch die folgende, umfangreiche Tristanliteratur ab, denn
der Roman des Thomas ist die Vorlage für Gotfrids Tristan und Isolde
(um 1210), für das ndfrk. Gedicht des 13. Jh.s (s. unten), für die nord. Sage
(Tristramsaga, eine ziemlich genaue norwegische Prosaübersetzung eines
Mönches Robert für König Hakon, von 1226), 7 und für die afrz. kürzere Vers-
Tr. u. Is., Münch. 1887; Ders., Zff rzSpr. u. Lit. 22(1900), 1—25; Ders., Tristanb. S. 37—210;Ranke, Tr. u. Is.
4 Bedier II, 194—306; Golther, Tristanb.S. 40—58. — Abfassungszeit: Bedier II, 314;Schoepperle S. 182 f.; Golther, Tristanb.S. 71; Ranke, Trist, u. Is. S. 8 ff. 271.
5 Zwischen 1185 u. 1200 am engl. Hof derKönigin Alienor gedichtet: Golther, Lbl.1924, 313 f.; vgl. Ranke S. 127.
6 Ueb. die umfängliche Kompilation desfranz. Prosaromans von Tr. s. Gröbers Grdr.S. 1006f.; Ranke S.233 ff. 274; s. auch untenWolfram.
7 Kölbing, Die nord. u. engl. Vers.; GlöDE,Germ. 33, 17—27, dagegen Kölb., ebda 34,187—94; Söderhjelm, Atheneum 1904 Nr. 2.3
1 Van Dam, Vorgesch S. 21 u. ö.
2 Joh. Knieschek, Wien. SB. 101 (1882),319—438, dazu Schröder, DLZ. 1884, 154,Lambel, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. DeutscheninBöhmen, LitBeil.21,49—53, Lichtenstein,Anz. 10, 1—13, Pfaff, Lbl. 1884, 3-8;Knieschek, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Dt. inBöhmen 22,226—49; Ders., Uebersetzung destschech. Tr., ZfdA.28,261—358; SchoepperleS.500—14; van Dam, bes. S. 40ff. (Knieschekhat C zu hohe Bedeutung beigemessen; fürdie Bestimmung des Zeitverhältnisses vom Tr.zur Eneide kommt das Fehlen des größtenTeils vom Lavinia-Isalde-Monolog nicht inBetracht).
3 Die einzelnen Fassungen: Bedier I, I—IX.II, 1 — 64. 65—94; Golther, Die Sage von