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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 14. Eilhart von Oberg: Tristrant und Isalde 67

höfischen mittelfränkischen Epik angeschlossen, die durch das Annolied,den Rother, Herzog Ernst, Trierer Floyris und besonders durch den Straß-burger Alexander vertreten ist. Er steht unter der literarischen Tradition derRheinlande. 1

Über die Abfassungszeit von Eilharts Tristrant ist die Forschung nochnicht abgeschlossen, die genauere Bestimmung des Termins hängt von demzeitlichen Verhältnis zu Veldekes Eneide ab. Jedenfalls liegen die Entstehungs-jahre beider Gedichte einander nicht fern, so daß der Tristrant etwa in dasJahrzehnt um 1180 fällt 2

Die Hss. und Bearbeitungen. 3 Das ursprüngliche Werk Eilharts ist in keiner derauf uns gekommenen Hss. erhalten.

I. Die drei ältesten Hss., Bruchstücke, sind schon Überarbeitungen: R in Donaueschingen(Rd), München (Rm). u. Regensburg (Rr), bair., weniger überarbeitet; M, Magdeburg, md.,stärker überarbeitet; S, Berlin (aus Stargard), 4 mfrk., mit ursprünglicherem Text als R. Alledrei gehören an das Endendes 12. Jh.s (oder S an den Anfang des 13. Jh.s).

II. Die jüngere, erweiternde Umarbeitung X, Qlättung der Assonanzen, mit Einschaltungen,vom ersten Drittel des 13. Jh.s, enthalten in den IIss.: H.Heidelberg, 15. Jh., mit Bildern,schwäb., ist mehr nd. gefärbt als das Original X, bringt außerdem thüring. Formen herein;D, Dresden, geschr. 1433 (vgl. Schnorrs Katal. II, 44244. 481 f.), ist wahrsch. auf nd.Boden entstanden. X (= HD) hat noch Assonanzen stehen lassen, die einzelnen Hss. H undD suchten diese zu beseitigen, wobei D mehr alte Assonanzen beibehielt als H. D kürzt,H erweitert ein weniges.

1 Sprache: W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 219; Be-HAGHEL, Schriftsprache u. Mundart; Roethe,Reimvorreden S.33. 37.64. 87; Gierach, bes.S. 130 ff. 207. 221 f. 225 ff. 255 ff.; Vogt aaO.;Leitzmann aaO.; H. Kopperschmidt, DieSprache der Hildesheimer Urkunden in d.1.Hälfte d. 14.Jh.s u. ihr Verhältnis z.SpracheBertholds v. Holle u. Eilharts v.Ob., MarburgerDiss. 1914. Die Einreihung von EilhartsTristr. in die sprachliche u. stilistische Kunstder rheinischen Literatur ist durch van Damu. Kurt Wagner erwiesen, die ihre Ergebnisseauf die neue rheinische Mundartforschungvon Wrede u. Frings stützen konnten; vgl.auch DE Boor, Frühmhd. Stud. pass., bes.S. 81 f. Eilhart hat vielleicht an einem mittel-rhein. Fürstenhof gedichtet: Kurt Wagneru. van Dam.

2 Vgl. Lichtensteins Ausg S. CXXXVII ff.CXCI1I. CCII, ZfdA. 26, 1318, Anz.9, 27 f.;Schröder, DLZ. 1884, 155; Kinzel, ZfdPh.14, 111; Behaghel S.CLXXXVI1I ff. u. Lbl.1881, 114; Wilmanns, ZfdGymnasialw. 36,708 u. ZfdA. 27, 294-98; Pfaff, Lbl. 1884S.6; Burdach, Reinmar, Reg. S.231; Schrö-der, ZfdA. 42, 196. 51, 109; H. Felix, Progr.Stendal 1895; Lesser, Beitr. 24, 36183;Bethmann, Gr. Rud., S. 163; Helm, Lbl.1908,149; Gierach S. 24159; Vogt, Gott,gel. Anz. aaO. 25 f.; Schoepperle S. 179- 82. Früher hat man wegen der älterenTechnik ohne Bedenken Eilh. den zeitlichenVorgang vor Veldeke zuerkannt, aber Be-haghel hat nachgewiesen, daß der Mono-

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log der Isolde im Trist, eine Reihe von Stel-len mit dem der Lavinia in der Eneide, zumTeil wörtlich, gemein hat und daß hier Vel-deke aus dem franz. Gedicht geschöpft hat,wonach diese Stellen als ursprünglich er-wiesen sind und also Eilhart erst aus Veldekeentlehnt hätte. Neuerdings setzt van Dam,auf Grund anderer Erklärung dieser Ueber-stimmungen, den Tr. wieder vor die Eneideund hält die in beiden übereinstimmendenVerse für Entlehnungen Veldekes aus EilhartsTr. Aber die sorgfältige Zusammenstellungder Paralellverse von En. u. Tr. van DamS. 85 ff. stößt doch die Reihe Behaghels :frz. EneasVeldeke Tristrant nicht um.So sind auch die V. 1040035 der En. nichterst eine Zusammenstoppelung aus dem frz.Eneas u. Eilh.s Tristr., sondern Eilh. hat klär-lich die in Veldekes En. für denTr. nicht pas-senden Verse, die von Eneas' Abfahrt handeln(10402-05. 412 f. 42835), weggelassen.Siehe KurtWagner S.19*ff.; Ludw.Wolff,DLZ. aaO.

5 Lit. bei Gierach S. 29; SchoepperleS. 476518; K. Wagner, ZfdMund. S. 12527 u. bes. Tristr. I S. 23* ff. Ueb. e. ver-lorene Hs. s. Bartsch, Germ. 24, 19.

4 Alle Bruchstücke sind abgedr. bei K.Wag-NER.Tristr. I. StargarderBruchst.: DEGERING,Beitr. 41, 51353, dazu Leitzmann, Beitr. 42,16773; K. E. Müller, Münch. Mus.4,122ff.;van Dam, Die sprachl. Gestalt der StargarderEilhart-Lampr.hs., Neophilol. 1922, 2030;Plenio, Beitr. 42, 28587.