§ 13. Der Trierer Floyris 65
Ausdruck (190—97. 266. 359—66). Das Empfindsame, das in dem Stoffliegt, kommt nicht recht zur Geltung. Gewiß verträgt diese Kinderminnekein hohes Pathos, aber die jugendliche Phantasie der beiden Liebesseligenhätte doch zuweilen stärkere Gefühlsworte auslösen sollen.
Die Verse sind ziemlich gleichmäßig gebaut, Assonanzen gehören zumReimsystem und haben nichts Auffallendes. 1
Der ndrh. Floyris scheint dem Minnesänger Ulrich v. Gutenburg (um 1190)bekannt gewesen zu sein, denn auf jenen wohl nimmt er Bezug in seinemgroßen Minneleich, in dem er den Floris sich zum Vorbild nimmt. 2 In derBlütezeit der mhd. Kunst stellte Konrad Flecke (um 1230) die Sage in höfi-schem Gewände dar, ohne Kenntnis des ndrh. Gedichtes. 3
Noch viel höher als der Ruhm Flores und Blancheflurs war der von Tristanund Isolde, noch viel stärker und nachhaltiger die Anziehungskraft, die dieseunheilvolle Liebestragik auf die Gemüter ausübte, für das MA. als Lebens-bild der ritterlichen Gesellschaft oder auch als ein Seelengemälde süß-schmerzlicher Sehnsucht, für die Neuzeit als Symbol ewigen Urvergessensim All-Einen.
Die Minne, die das ganze Sein erfüllende Leidenschaft, ist bei den Kin-dern Flore und Blancheflur im Grunde doch ein harmloses Märchenspiel,für Tristans und Isoldes aufgeblühte Sinnlichkeit aber ist sie eine Leid undTod bringende Seelenkrankheit. Ein herrlich junges Menschenpaar wird inner-lich zerstört durch einen unseligen Trieb, gegen den kein Widerstand ist.
§ 14. Eilhart von Oberg: Tristrant und Isalde
Ausg.: Franz Lichtenstein, QF. 19 (1877), dazu Bartsch, Germ. 23,345—59.25,365—76.27, 359-67. 28, 128, Lichtenstein, ZfdA. 26, 1—18 u. Anz. 8, 374, dazu Cbl. 1878, 26,R. v. Muth, ZföG. 30,364 ff., Strobl, Anz. 5,227—38, Pfaff, Lbl. 1881, 34; Kurt Wagner,Eilh. v. Oberg Tristrant, I, Die alten Bruchstücke, Rhein. Beitr. 5, 1924, dazu L. Wolff,DLZ. 1924, 2531—37. — Lit. s. in der Einleit. zu Lichtensteins Ausg.; Piper, Höf. Ep. 1,13 ff.; Wilh. Röttiger, Der heutige Stand d. Tristanforsch., Progr. Hamb. 1897, dazu Suchier,DLZ. 1897, 1617 f., Golther, Lbl. 1898, 17—20, Muret, Rom. 27, 608 ff.; Jan van Dam, ZurVorgeschichte d. höf. Epos S. XI f. — J. Grimm, Besprechung von Büschings u. v. d. HagensBuch d. Liebe, Kl. Sehr. 6, 84ff.; v. D. Hagen, Minnesinger 4, 559—624; E. S. (ErichSchmidt), Die Anfänge des höf. Romans in Deutschi., Beil. z. Augsburger Allgem. Zeitg.18. April 1878; Heinzel, Gottfr.s v. Straßb. Tr. u. seine Quelle, ZfdA. 14, 272—447; Wilmanns,Der Straßb. Alexander u. Eilharts Tristrant, ZfdA. 27, 294—98; Steinmeyer, Allgem. dt. Bio-graphie 24, 91 ff.; Erich Gierach, Zur Sprache v. Eilh.s Tristrant, Prager dt. Stud. 4 (1908),dazu Martin, DLZ. 1909, 224, Schönbach, Allgem. LitBl. 18, 47—49, Wallner, ZföG. 60(1909), 762—64, Vogt, GgA. 1912,241—51; Kurt Wagner, Die Eilhartfrage, ZfdMund. 1921,124—43; Jan van Dam, Zur Vorgeschichte des höf. Epos, Lamprecht, Eilh., Veldeke, Bonn1923 (s. unt. Veldeke). — E. Muret, Eilhart d'Oberg et sa source francaise, Rom. 16,288—363, dazu Golther, Lbl. 1889, 140—43, RöDiGER, ZfromPhil. 12, 280 ff. (VorlageEilh.s s. auch Golther, Lbl. 1925, 86). — Xanthippus (Sandvoss), Spreu, Dritte Hampfel,1881, ZurTextkrit.Eilh.s v. Oberg; Konr. Hofmann, Zu Eilh.8268, Anz.7, 336; Ehrismann,
1 Schröder, Gott. Nachr. 1918, 427.
2 MF. 74,21—75,5, dazu die Anm. in VogtsAusgabe von MF.
3 Die ndrhein. Bruchstücke fallen in die
Deutsche Literaturgeschichte HI 5
zweite Hälfte von Fleckes Flore, die erstenZeilen entsprechen den V. 4046 bzw. 4085bei Flecke.