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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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63
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§ 12. Graf Rudolf 63

Der Dichter verfolgt ausgesprochen erzieherische Tendenzen. Er willdie neuen höfischen Lebensformen lehren. Der christliche König fragt denaus dem Abendlande zugereisten Helden nach den Sitten am Hofe desKaisers, dem er sich selbstbewußt glaubt gleichstellen zu können, und mußzu seiner Beschämung seine Rückständigkeit erfahren (D b y). Er übergibtRudolf einen vornehmen Knaben, daß er ihn zu einem höfischen Mannemachen und zuckt von slme lande leren solle, dabei wird dann ein ritter-licher Erziehungsplan entwickelt (y b ): ungeschlachtes Benehmen soll demRitter leid sein, rechtes Maß soll er halten im Geben und Versagen (milde),Zuverlässigkeit und Leutseligkeit (trüwe vnde ötmäticheit) bringt Machtund Glück, Waffenkunst und Tapferkeit führt zu Ehren, er soll verständigsein in allen Dingen und soll gern gute Lehre von Männern hören, er soll dieGesellschaft der Frauen suchen und wohlgezogen sich vor ihnen benehmen. 1

Der inneren Kultur entspricht die äußere. Sorgfalt wird verwendet aufeine schöne Ausgestaltung der Umgebung und der Gegenstände. Es wirdGlanz entfaltet, um ere zu ernten. Ein Frauengemach wird beschrieben,belegt mit kostbaren Teppichen, darin ein prachtvolles Ruhebett, geziertmit leuchtenden Edelsteinen (a b ); eine Festveranstaltung (y), ein Festmahl(A), ein wertvolles Reitzeug (A. h ); das Blumenbett im Walde 2 (K17K b 2).

Der sprachliche Ausdruck 3 ist noch der der älteren Epik und ist nochnicht zur freien Entfaltung der Blütezeit gelangt, stark formelhaft im Auf-treten der Epitheta und Paarglieder. Im Satzbau herrscht Parataxe, jedochnicht unbedingt, und es sind Ansätze zu verwickelterem Periodenbau ge-macht. Die Ausdrucksweise ist einfach, besondere Schmuckmittel sind nichtangewendet, doch heben Bilder und Vergleiche die poetische Wirkung.Eine besondere Eigenart des Dichters ist es, persönlichen Anteil an denerzählten Vorgängen zu äußern oder ein moralisierendes Urteil abzugeben.Übereinstimmungen 4 in einzelnen Versen finden sich mit dem Rolands-lied, Straßburger Alexander, (Kaiserchronik), Eilharts Tristrant. Namen dreierRitter kehren in Bertholds von Holle Crane wieder; vielleicht stammen sieaus einer gemeinsamen französischen Quelle.

Das Gedicht nimmt auch eine Stellung in der mhd. Metrik ein: 5 es

1 Für die Geschichte des höfischen Bildungs-wesens ist diese Stelle lehrreich, denn mansieht, daß jene Sitte eine neue Errungenschaftwar, die nur an auserlesenen Höfen, beson-ders in ihrem Ursprungsland Frankreich, Flan-dern, vollkommen gepflegt wurde.

2 Vgl. Walther v. d. Vogelw. 39, 11 ff.

3 W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 244 ff.; Scherer,QF. 12, 133; Bethmann S. 113-51. Fremd-wörter: s. die bei Eilh. angeführten Diss.

4 W. Grimm S. 45 f.; Lichtenstein, Eilh.S.CXXXIIIff. CLXVIIf.; STROBL,Anz.5,236f.;Bethmann S. 159 ff. Graf Rud. u. Veldeke:Behaghel, Eneide S. CXCVlIf.; Schröder,DLz. 1882, 571; Lichtenstein, Anz. 9, 28;Helm aaO.; van Dam S.71. Gr. Rud. u. Bert-

hold v.Holle: W.Grimm S.4751; Haupt,MF. 137,9; Bartsch, Berth.v. Holle S. XXXIlff.;Singer S. 389; Bethmann S. 169 f. DasBild, das dasRol.lied von Karl d. Gr. zeichnet,scheint dem Dichter des Gr. Rudolf vor-geschwebt zu haben bei der Schilderung desKaisers von Röme, vgl. Rol. 630708. 2241 ff.2285 ff., bes. auch die Erkundigung Marsiliesnach KarlsMachtu.GenelunsAntwort 231352.6 W.Grimm S.1214, zGdR. Reg. S.334;Amelung, ZfdPh. 3, 269 ff.; Steinmeyer,ZfdA. 21, 313 ff.; Heusler, Zur Gesch. derad. Verskunst S. 71; Schröder, Zwei ad.Rittermasren 1 S.X; Bethmann S. 2 ff. 5070;Saran S.265; Wesle, Frühmhd. Reimstudienpass.; de Boor, Frühmhd. Stud. pass.