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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

witz' Vaterunser [1252] 133454). Ulrich v. Eschenbach redet in seinemAlexander von den merkwürdigen Hundskopfleuten und verweist dabei aufHerzog Ernsts Buch, unter dessen Wundergeschöpfen sich allerdings geradedie sonst in der mittelalterl. Ethnographie wohlbekannten Kynokephalennicht befinden (Alexander ed. Toischer 25091 ff.). 1 Mehrfach kurz zitiert wirdErnst im 15. Jh.: von'Meister Altswert im Schleiertüchlein, von Hermannv. Sachsenheim in der Möhrin (zweimal), von Püterich v. Reicherzhausen imEhrenbrief, von Ulrich Füetrer im Lanzelet. 2

Die Wirkung der Ernstdichtung reichte über Deutschland hinaus. Der be-rühmte altfranzösische Roman Huon de Bordeaux erhielt in der zweitenHälfte des 13. Jh.s eine Erweiterung in der Chanson d'Esclarmonde unterstarkem Einfluß der deutschen Ernstsage. 3

§ 12. Graf Rudolf

Ausg.: W. Grimm, Göttingen 1828 (nur Bruchst. AK), 2. Ausg. 1844 (alle Bruchst.);C.V. Kraus, Übungsb. 1 S. 5471. 24244 (Abdruck mit krit. Apparat), Literatur bis 1912ebda. Scherer, QF. 12, 12837; Johannes Bethmann, Untersuchungen üb. d. mhd.Dichtung vom Gr. R., Pal. 30 (1904), dazu Helm, Lbl. 1908, 148 f., Priebsch, Mod. Lang.Rev. IV, 12330, Revue germ. 1, 353 f.; Dollmayr, Arch. 116, 13537; Cbl. 1906, 143f.,Frantzen, Mus. 12, 333ff.; Leo Kramp, Stud. z. mhd. Dichtung vom Gr. R., Bonn 1916,dazu Cbl. 68, 655, Lit. Echo 19, 1087f., Götze, Lbl. 1920, 86 f.; Leitzmann, Beitr. 41,374-78 (Textkrit.); Schneider, Merkers Reallex.2. 135.

Hs.: Fragmente einer Perg.hs., zus. ca. 1400 V.: Göttinger Un.bibl., 10 Bl. (AK) u. Braun-schweig, Minist.bibl., 4 Bl.(a<5); von zwei Schreibern um 1200 in thüring. Dialekt geschrieben. 4

Der Verfasser, dessen Name in den Bruchstücken nicht genannt ist, warThüringer, 5 wohl nicht geistlichen Standes, 6 und dichtete um 117073.

mann S. 3033.48 f.); es sind zweierlei Fällezu unterscheiden; die thüring. (u. ostfrk.) In-finitive ohne n sind literar. unanstößige For-men und gelten als reine Reime, während dieandern Reime von Flex. -en : e Assonanzensind (überschüssige n). Ein Reim z. B. löne(Inf.): schöne (adv.) ist literar.korrekt u.rein,während z. B. stunden (D.P1.): munde, wären:zewäre, mite: geriten Assonanzen sind. Auchdie Schreiber unserer Fragm. machen e. Unter-schied, indem sie die Infinitive im Reime auf:e ohne n {löne: schöne) schreiben (währendsie sonst die Infinitive mit -en belassen), beiandern en-Suffixen aber das n nie tilgen, hieralso Assonanzen bestehen lassen. Dieses Ver-hältnis bestand jedenfalls schon in der Ori-ginalhs., denn es ist sehr unwahrscheinl., daßein Schreiber, wenn jene Vorlage auch in je-nen Inf. die Endung -en gehabt hätte, um reineReime herzustellen gerade nur in den Inf. dasn getilgt haben sollte, nicht auch einmal inandern «n-Endungen. Der Reim sprach:mach = mag und die ch der Hs. für ausl. gsind nicht beweiskräftig für hess. Herkunft(zu Herborts v. Fritzlar entsprechenden Reim-gebrauch s. Walth. Brachmann, Hall. Diss.1907, S. 3234).6 W.Grimm S.46f.; Bethmann S. 156.

1 Vgl. Steinmeyer, Anz. 15, 22022.3 Siehe ferner bei Bartsch S. CXLIII.

3 J. Grimm, Kl. Sehr. 4,39 ff.; Haupt S.298 f.;Bartsch S. CXLIII f.; Voretzsch, EpischeStudien I; Otto Engelhardt, Huon de Bor-deaux u. Herz. Ernst, Tübing. Diss. 1903, dazuLeo Jordan, Archiv 112 (1904), 45760 u.32843; Sonneborn S. 13; anders Singer,Ueb. Wolframs Stil S. 124. Ueber Zu-sammenhang der Ernstsage mit derBoevesages. Deutschbein, Stud. z. Sagengesch. Eng-lands I, 197 ff. 254.

4 Die von W. Grimm angesetzte Reihenfolgeder Blätter ist von Singer, ZfdA.30,37989u. von Holz, Beitr. 18, 56269 (hier auchdie mutmaßl. Beschaffenheit der Hs.) berich-tigt worden.

6 Sprache: W. Grimm, 2. Ausg. S.412 (nd.Formen), vgl. auch Kl. Sehr. 3, 215. 249; Lach-mann bei W.Grimm S.14:ein obd.Dichter",desgl. Haupt, MF. 137, 9; Bartsch, Bertholdv.Holle S. XXXIV ff. (thüring., s. auch Schrö-der, Münch. SB. 1924, 3. Abh. S.5f., dochs. auch Schröder bei Roethe, ReimvorredenS.37 Anm.4); ZfdA. 63,176; Bethmann S.637.102 hält d. Dichter für e. Niederhessen (da-gegen HELMaaO.); s. auch Kraus, Dt.Ged. d.12. Jh.s S. 148. Für thüring. Heimat des Ged.spricht die Behandlung der n im Reime (Beth-