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Die erzählende Dichtung
witz' Vaterunser [1252] 1334—54). Ulrich v. Eschenbach redet in seinemAlexander von den merkwürdigen Hundskopfleuten und verweist dabei aufHerzog Ernsts Buch, unter dessen Wundergeschöpfen sich allerdings geradedie — sonst in der mittelalterl. Ethnographie wohlbekannten — Kynokephalennicht befinden (Alexander ed. Toischer 25091 ff.). 1 Mehrfach kurz zitiert wirdErnst im 15. Jh.: von'Meister Altswert im Schleiertüchlein, von Hermannv. Sachsenheim in der Möhrin (zweimal), von Püterich v. Reicherzhausen imEhrenbrief, von Ulrich Füetrer im Lanzelet. 2
Die Wirkung der Ernstdichtung reichte über Deutschland hinaus. Der be-rühmte altfranzösische Roman Huon de Bordeaux erhielt in der zweitenHälfte des 13. Jh.s eine Erweiterung in der Chanson d'Esclarmonde unterstarkem Einfluß der deutschen Ernstsage. 3
§ 12. Graf Rudolf
Ausg.: W. Grimm, Göttingen 1828 (nur Bruchst. A—K), 2. Ausg. 1844 (alle Bruchst.);C.V. Kraus, Übungsb. 1 S. 54—71. 242—44 (Abdruck mit krit. Apparat), Literatur bis 1912ebda. — Scherer, QF. 12, 128—37; Johannes Bethmann, Untersuchungen üb. d. mhd.Dichtung vom Gr. R., Pal. 30 (1904), dazu Helm, Lbl. 1908, 148 f., Priebsch, Mod. Lang.Rev. IV, 123—30, Revue germ. 1, 353 f.; Dollmayr, Arch. 116, 135—37; Cbl. 1906, 143f.,Frantzen, Mus. 12, 333ff.; Leo Kramp, Stud. z. mhd. Dichtung vom Gr. R., Bonn 1916,dazu Cbl. 68, 655, Lit. Echo 19, 1087f., Götze, Lbl. 1920, 86 f.; Leitzmann, Beitr. 41,374-78 (Textkrit.); Schneider, Merkers Reallex.2. 135.
Hs.: Fragmente einer Perg.hs., zus. ca. 1400 V.: Göttinger Un.bibl., 10 Bl. (A—K) u. Braun-schweig, Minist.bibl., 4 Bl.(a—<5); von zwei Schreibern um 1200 in thüring. Dialekt geschrieben. 4
Der Verfasser, dessen Name in den Bruchstücken nicht genannt ist, warThüringer, 5 wohl nicht geistlichen Standes, 6 und dichtete um 1170—73.
mann S. 30—33.48 f.); es sind zweierlei Fällezu unterscheiden; die thüring. (u. ostfrk.) In-finitive ohne n sind literar. unanstößige For-men und gelten als reine Reime, während dieandern Reime von Flex. -en : e Assonanzensind (überschüssige n). Ein Reim z. B. löne(Inf.): schöne (adv.) ist literar.korrekt u.rein,während z. B. stunden (D.P1.): munde, wären:zewäre, mite: geriten Assonanzen sind. Auchdie Schreiber unserer Fragm. machen e. Unter-schied, indem sie die Infinitive im Reime auf:e ohne n {löne: schöne) schreiben (währendsie sonst die Infinitive mit -en belassen), beiandern en-Suffixen aber das n nie tilgen, hieralso Assonanzen bestehen lassen. Dieses Ver-hältnis bestand jedenfalls schon in der Ori-ginalhs., denn es ist sehr unwahrscheinl., daßein Schreiber, wenn jene Vorlage auch in je-nen Inf. die Endung -en gehabt hätte, um reineReime herzustellen gerade nur in den Inf. dasn getilgt haben sollte, nicht auch einmal inandern «n-Endungen. — Der Reim sprach:mach = mag und die ch der Hs. für ausl. gsind nicht beweiskräftig für hess. Herkunft(zu Herborts v. Fritzlar entsprechenden Reim-gebrauch s. Walth. Brachmann, Hall. Diss.1907, S. 32—34).6 W.Grimm S.46f.; Bethmann S. 156.
1 Vgl. Steinmeyer, Anz. 15, 220—22.3 Siehe ferner bei Bartsch S. CXLIII.
3 J. Grimm, Kl. Sehr. 4,39 ff.; Haupt S.298 f.;Bartsch S. CXLIII f.; Voretzsch, EpischeStudien I; Otto Engelhardt, Huon de Bor-deaux u. Herz. Ernst, Tübing. Diss. 1903, dazuLeo Jordan, Archiv 112 (1904), 457—60 u.328—43; Sonneborn S. 1—3; anders Singer,Ueb. Wolframs Stil S. 124. — Ueber Zu-sammenhang der Ernstsage mit derBoevesages. Deutschbein, Stud. z. Sagengesch. Eng-lands I, 197 ff. 254.
4 Die von W. Grimm angesetzte Reihenfolgeder Blätter ist von Singer, ZfdA.30,379—89u. von Holz, Beitr. 18, 562—69 (hier auchdie mutmaßl. Beschaffenheit der Hs.) berich-tigt worden.
6 Sprache: W. Grimm, 2. Ausg. S.4—12 (nd.Formen), vgl. auch Kl. Sehr. 3, 215. 249; Lach-mann bei W.Grimm S.14: „ein obd.Dichter",desgl. Haupt, MF. 137, 9; Bartsch, Bertholdv.Holle S. XXXIV ff. (thüring., s. auch Schrö-der, Münch. SB. 1924, 3. Abh. S.5f., dochs. auch Schröder bei Roethe, ReimvorredenS.37 Anm.4); ZfdA. 63,176; Bethmann S.6—37.102 hält d. Dichter für e. Niederhessen (da-gegen HELMaaO.); s. auch Kraus, Dt.Ged. d.12. Jh.s S. 148. Für thüring. Heimat des Ged.spricht die Behandlung der n im Reime (Beth-