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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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54 Die erzählende Dichtung

ei

die lateinische Prosa

ist in drei Handschriften überliefert: A Straßburg, Stadtbibl., Perg., Ende 14. Jh.s, 1870 ver-brannt. a München, Cod. lat. Mon. 850, Pap., von Hartmann Schedel 1471 zu Nördlingengeschrieben. b München, Cod. germ. Mon. 572, 2. Hälfte 15. Jh., stammt aus Augsburg.A und b stehen einander näher und geben eine bessere Überlieferung als a.

Der geistliche Verfasser von C nennt sich nicht. Als Abfassungszeitkann nur im allgemeinen die zweite Hälfte des 13. Jh.s angesetzt werden.

C geht ebenfalls auf A zurück, wie einige Übereinstimmungen mit denBruchstücken von A erweisen. Es finden sich in der Übersetzung außerdemlateinische Worte und Wendungen, die deutsches Gepräge tragen und diedeutsche Vorlage durchblicken lassen. Der Inhalt von A ist frei wieder-gegeben, bei manchen Einschaltungen doch auf kürzeren Raum zusammen-gezogen. Besonders Kampfschilderungen und höfisch-ritterliche Szenen sindverkleinert oder ausgelassen.

Auch C trägt, wie E, ein floriertes Prunkgewand, es istein rhetorischesPrachtstück", schwülstig und in geschraubter Sprache, geziert mit Tropenund Figuren. a Aber das sind hier nur stilisierende Kunstmittel, während Edie ganze mittelalterl. Szenerie in die Antike umsetzt. Zum Schmuck sindVerse eingestreut, Hexameter, aus klassischen Schriftstellern entlehnt, andere,gereimte, vom Verfasser selbst aus eigener Erfindung hinzugedichtet. Oftwird der Reim als Zierde verwendet, zumal am Schluß von Absätzen (sog.Reimprosa). Auch aufgehäufte Gelehrsamkeit trägt zur Ausstattung des Stilesbei; lange, ohne weiteres aus Isidors Etymologien B. XVIII u. XIX aus-geschriebene Zitatenreihen dienen zur Schilderung der Schiffsausrüstung undder Bewaffnung der ausziehenden Kreuzfahrer (209, 31210,4.211,10212,22). Durch besondere Kunst sind zwei Gebete aus der Umgebung heraus-gehoben: in antike Versmaße, die zum Schluß in gereimte Prosa übergehen,ist die flehentliche Bitte der Kaiserin zu Jesus Christus, dem Helfer in derNot, gekleidet (200, 35201, 5), in Reimprosa das Preis- und Bittgebet desin Todesgefahr schwebenden Herzogs (222, 1432). Der religiöse Gehaltüberhaupt hat Verstärkung erfahren durch eingestreute Gebete, biblischeVergleiche, besonders aber durch den frommen Ausgang, wo die Mirakelder heiligen Adelheid aufgezählt werden. 3

Erwähnt wird die lateinische Prosafassung C mit kurzer Inhaltsangabevon Andreas, Priester zu S. Magnus bei Regensburg, in seinem 1425 ge-schriebenen Chronicon de ducibus Bavariae. In kurzen, treffenden Wortenist daselbst der Stil von C beschrieben: historia latine conscripta, splendorerhetoricae eloquentiae quam plurimum diffusa.*

1 Abgedr. von Haupt S. 193252, dazuS. 26590; Bartsch S. XXXVI L1V u. Anm.S. 126-86; Fuckel S. 3584; SonnebornS. 2633.

s Haupt S.288; Sonneborn S. 27 ff.

8 Eine Gesch. d. hl. Adelheid hat der Abt

Odilo von Clugny verfaßt; Epitaphium Adal-heidis, hgb. in denMon.Qerm. SS.l V, 63345,übersetzt: Geschichtschr. d. dt.Vorz., X. Jh.,Bd.8,2. Aufl. von W. Wattenbach, Bd.35,1891.* HauptS. 266 f.