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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 11. Herzog Ernst 53

Eine engere Gruppe bilden die beiden lateinischen Bearbeitungen derErnstsage, C und E, beide von Klerikern verfaßt und aus gleichem Geisteerzeugt.

Eidas lateinische Gedicht Ernestus des Odo von MagdeburgHs., einst in Tours, jetzt verschollen, abgedr. bei Martene, Thes. nov. anecd. III,30766.

Odo war Priester in Magdeburg, er widmete sein Gedicht dem ErzbischofAlbrecht von Magdeburg (zwei Widmungen, eine nahe dem Anfang, S. 309,eine zweite am Schluß, S. 376), der 120633 regierte. Im Jahr 1206 wurdees abgefaßt. 2 Es enthält 3600 manchmal gereimte Hexameter und ist inacht Bücher eingeteilt. Die Anfangsbuchstaben der acht Bücher ergeben dasAkrostichon Albertus.

Auch E ist aus A gearbeitet. Einzelne Stellen sind ziemlich genau wieder-gegeben; in solchen Fällen ist die Überlieferung treuer bewahrt als in Cund D.

Odos Ernestus ist ein Denkmal der klassizierenden Dichtung des MA.s.Die deutsche Sage ist in ein antikes Gewand gehüllt. Ernststeckt ganz inklassischer Maske, er gemahnt uns stets an den pius Aeneas, wie sein RivaleHeinrich an Turnus", 3 des Kaisers erhabener Gang wird dem Jupiters ver-glichen und Adelheid ist schön wie Diana, die Schiffahrt der Kreuzfahrererinnert an den Argonautenzug, Ernsts Aufenthalt bei den Arimaspen ähneltdem des Odysseus bei den Phäaken; antike Götter, Jupiter und Mars, Junound Diana, Aphrodite und Pallas, Heroen, Dryaden und Oreaden verstärkendas antike Bild.

Aber darin eben besteht die Eigenart dieser mittelalterlichen Renais-sance, daß sie nur aufgetragener Zierat ist. Die Antike ist nur Stilisierungs-mittel, Wissens,- nicht Wesenselement. Der sich klassisch gebärdende Ernestusist doch im Grunde der christliche Ritter, und es verleugnet sich nicht derreligiöse Standpunkt des geistlichen Dichters. Die Form ist antik, die Welt-anschauung mittelalterlich.

Bei der Antikisierung des Stoffes hat sich Odo an klassische Vorbildergehalten, an Virgil, Ovid, Lucan, am meisten aber hat er die mittelalterl.Alexandreis des Gualterus de Castillione benutzt. 4 Er bessaß eingehendeKenntnis dieser Schriftsteller und entlehnte ihnen nicht nur einzelne Zitate,sondern er hat sich so in ihren Geist eingelebt, daß ihm zur Stilisierungseines Stoffes Szenen aus ihren Werken vorschwebten.

berg oder Bamberg gewesen [Bartsch S.LVII;Ahlgrimm S. 3133], findet an den Reimenkeine Stütze). Ueb. den Gothaer H. Ernst u.Ulrichs v. Eschenbach Alexandreis s. Stein-meyer, Anz. 15, 220 f.; bes.ZwiERZiNA,ZfdA.44, 289 f. u. Reg. S.348. 45, 343, u. Almanachd. Ak. d. Wissensch. in Wien 1922, SA. S.7;Bernt, Heinr. v. Freiberg S.80.

1 v. D. Hagen S.VIII XVI ; J. Grimm, Neuerlit. Anz. 1807, 560 u. Kl. Sehr. 7, 583; HauptS. 265ff.; Bartsch S. LXVLXXII u. Anm.S. 12686; Jänicke S. 153; Fuckel aaO.

2 Zarncke, ßeitr. 2, 57680.

s FUCKELS.9L

4 Toischer, ZfdA. 24, 96.