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Die erzählende Dichtung
einer Anzahl mundartlicher Reime 1 hervor, die fränkisch, aber nicht mittel-fränkisch und jedenfalls auch nicht ostfränkisch sind, also wohl dem west-lichen oder nördlichen rheinfränkischen Gebiet zuzuschreiben sein werden. Zu-sammenhängend mit diesen rheinfränkischen Spuren gehen auch jene fränki-schen Merkmale im Innern des Textes von a auf das Original B zurück undkönnen, sämtliche oder zum großen Teil, aus dem Urgedicht stammen. 2
Dader Gothaer Herzog Ernst
Diese zweite deutsche Umarbeitung ist vollständig erhalten in einer Papierhs. des15. Jh.s zu Gotha. 4 Ein Streifen einer Pergamenths., 14. Jh., 42 V., wurde in Würzburggefunden. 5
Wie die erste mhd. Umarbeitung des ursprünglichen Gedichtes, B, so istauch D ein Erzeugnis herrschenden Zeitgeschmackes. Hatte B die regel-mäßigeren Formen der neueren ritterlichen Kunst angenommen, so hat sichder Verfasser von D überhaupt das Ziel gesetzt, den volkstümlichen Stoffvöllig in die höfische Anschauungs- und Ausdrucksweise zu übertragen undden Gehalt zu modernisieren. Äußerlich gibt sich diese Erneuerung in einerAbhängigkeit von Wolframs Stil zu erkennen. Auf Schritt und Tritt begegnenWolframsche Motive, Wendungen, Sätze. Doch artet diese Nachahmung nichtin übertriebene Manier, Dunkelheit, Schwulst aus, wie dies bei mehrerenEpigonen Wolframs der Fall ist.
Auch D geht unmittelbar aus dem ursprünglichen Gedichte A hervor. DerWortlaut des alten Textes ist gänzlich verändert, auch der Inhalt wurde stellen-weise sehr frei behandelt. Dem epischen Verlauf ist durch Hervorkehren desreligiösen Interesses und durch Einfügung moralisierender Gemeinsprücheein lehrhafter Zug beigemischt.
Der Verfasser ist nicht genannt. 6 Entstehungsort und-zeit des Ge-dichtes sind umstritten, es mag in das Ende des 13. Jh.s fallen (nach 1275?).Das Verhältnis der unreinen Reime deutet auf mitteldeutschen Ursprung. 7
FucKELaaO.; Sonneborn S. 11—17; Ernst
1 W. Grimm, ZGdR., Kl. Sehr. 4, Reg. S. 331;Bartsch S. XXXIII—XXXV; Schröder, Gott.Nachr. 1918, 386. 408. Die Bindungen vong zu b, d : g, g : v sind nicht eigentlichmundartliche Reime, sondern leichte Asso-nanzen, vgl. auch im alten Gedicht A 1, 12.60.IV, 54. V, 38.58. — Zwierzina, ZfdA. 44, Reg.S.348. 45, Reg. S. 343.
1 Am Schluß, V. 6003 ff., gibt der Verf. vonB an, der Kaiser habe die Erlebnisse Ernstsaufschreiben lassen. Nach der Bearbeitung D(s. unten) soll dieses lat. Buch im Dom zuBamberg aufbewahrt sein (s. oben).
» Hgb. von v. d. Hagen u. Büsching, Dt.Ged., dazu die Besprechung von J. GrimmaaO. (vgl. auch ZfdA. 5,497); Haupt S. 257 f.,Bartsch S.LIV—LXV u. Anm. S. 126—186;Pfeiffer, Germ. 1, 461; Zarncke, Beitr. 2,580 ff.; Toischer, Ulrichs v. Eschenbach Ale-xandreis S. 395; Zingerle aaO. S.65; Stein-meyer, Anz. 15, 220—22; Voss, Ahlgrimm,
Meyer, Die gereimten dt. Liebesbriefe, Marbg.Diss. 1898 S. 56ff.
4 Vgl. Jacobs u. Uckert, Beitr. z. alt. Litt.2, 263 ff.
5 Carl Bone, ZfdA. 47, 426—30.
6 Aus der Erwähnung Veldekes 2475 f. hatman früher diesen für den Verf. von D gehalten.
7 Aus den — nicht selten — unreinen Rei-men ist ein festes Gebiet nicht zu bestimmen,denn jene Formen ergeben kein einheitlichesDialektbild, die md. Eigenheiten überwiegendie geringeren baier.-österreichischen. DiesesVerhältnis mag daher rühren, daß der Dichteraus verschiedenen Dialekten schöpfte, ähnlichwie bei gemischtsprachigen Urkunden der Dia-lekt des Ausstellers nach dem des Empfängers„gebogen" wurde. Er wird ein Mitteldeutscher,am ehesten ein Rheinfranke, oder ein Ost-mitteldeutscher gewesen sein (die Annahme,die Heimat von Ernst D sei Ostfranken, Nürn-