§11. Herzog Ernst
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Viertel des Umfangs gedehnt haben. 1 In den nach bestimmten technischenGrundsätzen vorgenommenen Erweiterungen besonders liegt die eigenartigeinnere Stilisierung von B.
Reden werden weiter ausgeführt: die Ansprache Ernsts an seine Freunde 1793—806 isteine schwächliche Verlängerung von 1758—65, wobei der Reim 1759 f. (= A IV, 2) mit1799 f. wiederholt ist (s. auch 1805). Gleich darauf, 1810—25, wird Ernsts Entschluß zur Fahrtnach dem heiligen Grab (= A IV, 37—40) in eine Aufforderungsrede zum Kreuzzug aus-gesponnen. Die Beschreibung von Ernsts Gemütszustand All, 20—4 wird durch einenEntschlußmonolog ersetzt (B 1245—49). Schilderungen werden länger ausgedehnt: Kämpfe3596—604 = A V, 3—9 und 3610—40 = AV, 18—27; der Glanz der Burg Grippia wirdstärker aufgetragen. Die religiöse Färbung und die Kreuzzugsidee ist wohl überhaupt erstvon B in die Sage hineingebracht worden (wofür eben die Kreuzzugsrede 1810—25 alsBeweis gelten kann).
Durch solche Umwandlungen ist der Verlauf der Erzählung in B nochmehr verlangsamt worden, zugleich hat der ursprüngliche Text von A anEinheitlichkeit verloren, somit bedeutet die Bearbeitung B an vielen Stelleneine Verringerung des Originals.
Der sprachliche Stil hat keine wesentlichen Änderungen erfahren, dervolkstümliche Charakter im Wortschatz ist bewahrt geblieben, auch formel-hafte Wendungen sind zur Erleichterung des Versebildens reichlich gebraucht.Im einzelnen 2 ist bei der Gesamterneuerung zuweilen ein in der höfischenKunstsprache üblicher Ausdruck mit aufgenommen worden, denn der Be-arbeiter war mit der höfisch-ritterlichen Epik bekannt, vor allem aber trittder Einfluß von Wolframs Parzival und Ulrichs Lanzelet an verschiedenenStellen deutlich zutage. Nicht als ob der Verfasser sich Wolframs Stil zumMuster genommen oder seiner Sprache eine Wolframsche Färbung gegebenhätte, vielmehr hat er nur vereinzelt einige seiner Ausdrucksformen ver-wendet. 3 Stärker hat er Ulrichs Lanzelet benutzt. 4
Da die Bearbeitung B den Einfluß Wolframs v. Eschenbach und Ulrichsv. Zazikhoven verrät, so wird ihre Abfassung um 1210 oder 1220 an-zusetzen sein. 5 Der Bearbeiter war ein Rheinfranke. Dieses geht aus
1 Der Umfang der erhaltenen Teile von A(Prag. Bruchstücke) gegenüber den entspre-chenden Partien von B ist aus folgender Tabellezu ersehen: AI: 65 Verse — B:92V; All:63 V— B:71 V; A III: 61V — B: 76 V;A IV: 66 V — B:89V; AV:70V — B:94V
2 Ueber die Anredeweise im H. Ernst s.ZfdWortforsch. 2, 156—9.
3 Aufgezählt von Jänicke S. 158 ff. (dazukommt noch mit güetlichem säe 337, nachhabeschen säen 3006, swcere und niht zeringe 2614); Voss S. 8 ff. 20 f.; AhlgrimmS.71ff. Die einzigen stofflichen Entlehnungenaus Wolfram sind 2597= Parz.81,22 (BartschAnm. S. 152) und vielleicht 2630 = Parz.563,1 f.; beide in der Schilderung der Burg Grip-pia; die übrigen sind formale Reminiszenzen.
4 Bei der Beschreibung der Burg Grippiaschwebt ihm Iweretes hüs, diu fiche DödöneLanz. 4091—161 vor, auch, aber schwächer,
Lanzelets wunderbares Zelt 4746—926, undbesonders der ersten dieser beiden prunk-haften Schilderungen entnimmt er verschie-deneWendungen wörtlich zur Ausschmückungjenes Glanzstückes seines Gedichtes, das580 Verse, 2212—792 B, umfaßt. An zwei Stel-len dieses umfangreichen Abschnittes sind jeneVerse Ulrichs v.Zazikhoven benutzt: beiderBurgmauer 2214—28 und, in geringerem Maße,bei der Kemenate mit dem spanbette 2570 ff.5 Bartsch hatte das Jahr 1190 angenommen(S. XXXVI), Jänicke hat den höfischen Einflußund damit die spätere Entstehung von B nach-gewiesen; vgl. Jänicke, Beitr.2,580 ff. — Diemundartl. Reime des rheinfrk. Bearbeiters Bsprechen nicht gegen die höfische Zeit, daauch sonst md. Dichter der Blütezeit solchezuließen, z.B. Herbort v.Fritzlar, Otte, Eber-nand v. Erfurt.