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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

Der Verfasser von A gehörte nicht zu den niederen Spielleuten, er konntelateinisch, der zweite Teil des Gedichtes ruht auf lateinischer Grundlage,er war also ein Kleriker, wenn auch vielleicht ein vagierender. In den hohenKreisen Baierns war das Gedicht beliebt, wie die Notiz in dem Briefe desGrafen von Andechs zeigt. Wie der König Rother ist auch der Herzog Ernstvon einem rheinischen Dichter in Baiern verfaßt worden.

Bdie ältere, rheinfränkische Bearbeitung von A 1Sie ist in zwei Handschriften erhalten: a Papierhs. des Germ. Museums zu Nürnberg.Das Gedicht (Disz ist hertzog Ernst von Beyern") ist 1441 geschrieben (Schriptum etcompletum est per me Heinricum de Steynfurt clericum Osnabrugensem . . .). In dem sonstnormalen Mittelhochdeutsch finden sich mitteldeutsche, aber nicht ausgesprochen mittel-fränkische Spuren, die wohl noch aus der alten rheinischen Überlieferung stammen. Einigelateinische Endungen hat der gelehrte Schreiber der Hs. mit unterlaufen lassen: ketnenata2570, dromedarum 5641, Cristus für Cristes 5848. b Wien Nr. 3028, Papierhs. 15. Jh.» DerDialekt ist ausgesprochen baierisch-österreichisch. Von den beiden Hss. ist a die bei weitemvorzüglichere, sie hat nicht nur den lesbareren, sondern auch den ursprünglicheren Text,während b durch willkürliche und oft ganz sinnlose Aenderungen, durch Auslassungen undZusammenziehungen, auch Erneuerung veralteter Worte das ursprüngliche Gedicht sehr ent-stellt hat. 3

B ist eine Umarbeitung des altertümlichen Originalgedichtes A in die neue,seit Heinrich von Veldeke und Hartmann von Aue geltende regelmäßigereKunstform. Der Bearbeiter hält sich stellenweise eng an die Vorlage A, ge-stattet sich aber doch auch dazwischen wieder weitgehende Freiheiten. Dieveralteten und mundartl. Reime sind meistens weggeschafft und zwar, fallsdie betreffende Stelle nicht geradezu völlig umgearbeitet wurde, durch be-stimmte technische Mittel: durch Änderung eines oder der beiden Reim-wörter oder durch Einschiebung eines rein reimenden Verspaares.* Der alteTextbestand hat mancherlei Wandlungen erlitten durch Auslassungen, Um-stellungen, mehr aber noch durch Erweiterungen: B mag A etwa um ein

1 Haupt S. 253 ff.; Bartsch S. XXVXXXVI;Voss S. 116; Ahlgrimm S. 714. 95f.;Fuckel S.3584; Sonneborn S. 711; dieältere Lit. bei Piper S. 117 Anm. zu Z.21.

2 Docens Mus.f. ad. Lit. u. Kunst 2, 25465;Hoffmanns Verzeichn. S.33.

3 Bartsch, Anm. S. 12686; doch jetzt:Reitzenstein, Gott. Diss. 1922, Maschinendr.u.Auszug, u.ZfdA.52(1925), 18184: b ver-dient immerhin Beachtung, weil sie e. gute alteVorlage hat. Versbau u. Reim in den Ab-weichungen von C widersprechen der Technikdes in A zum Vergleich stehenden Original-gedichts und tragen das Gepräge der rohen u.verwilderten Art d. spätmhd. Zeit. Die Ansichtvon Voß (S.8ff.), der Bartsch zu widerlegensucht und dem Ahlgrimm (S. 2 ff.) u. Sonne-born (S. 7 f.) zustimmen, b gebe nicht einegekürzte Bearbeitung, sondern habe die ein-fachere, ältere Gestalt der Vorlage besser be-

wahrt als a, wird durch die Art der Abwei-chungen auf Schritt u. Tritt widerlegt. DieAenderungen von b sind jedoch nicht bloßals Nachlässigkeiten oder als private Lieb-habereien des Schreibers aufzufassen, sondernsie entspringen im Grunde großenteils einemandern, freilich gesunkenen, Formsinn. Diedreihebigen Reimpaarverse gehören hierher.Auch des Dichters österreichischer LandsmannOttokar hat in seiner Reimchronik diese mehrder rhythmischen Prosa sich nähernde Art.In diesem Sinne kann man b eine spätmhd.Bearbeitung nennen. Doch hat b eine gute alteVorlage: Reitzenstein, a. a. O. Ueb. e. ver-lorene Hs. Germ.24,1621.4 Ueber die Metrik von A und B s. BartschS. Vf. XXVXXXVI, auch S. 126 ff.; Bae-Secke, Münch. Oswald S.208L 378 u. Reg.S.441.