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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
Entstehung
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§ 11. Herzog Ernst 49

eines Briefes, 1 den der Graf Berthold von Andechs an den Abt Ruprechtvon Tegernsee 2 richtete, worin er diesen bittet, ihm ein deutsches Buchüber den Herzog Ernst auf kurze Zeit zur Abschrift zu überlassen. Ruprechtstarb am 22. Mai 1186. Für die Jahre 11701180 als Entstehungszeitvon A paßt auch der Vers- und Reimgebrauch.

A ist nur in Bruchstücken zweier Handschriften erhalten: 1. Prager Bruchstücke, 5 Blättereiner Perghs., Anf. 13. Jh., zusammen 390 V. Bl. 1 u. 2 abgedr. in Hoffmanns Fundgr. 1,22830; B1.3,4 u. 5 abgedr. von Pfeiffer, Germ. 6, 3507; alle 5 Bl. bei Bartsch S. 312. 2. Marburger Bruchst., 2 Perg.streifen, Ende 12. Jh., 66 V., herausg. von Bartsch, Germ.19,195 f. Die Mundart der Prager Blätter ist mittelfränk., 3 mit Übergleiten zu hd. Formen(ausl. t in dat, it, allit, neben z). Die Marburger Bruchstücke haben rheinfränk. Dialekt{td in hetde 37), es fehlen ausgesprochen mittelfränk. Merkmale, es heißt nur daz, iz, er, der*

Die Heimat des ältesten Gedichtes, A, ist Mittelfranken.

Die Reime sind noch großenteils unrein, doch überwiegen die genauenBindungen. Schwere Assonanzen sind selten. Auch der Bau der Verse, diemeist einen mittleren Umfang haben, ist frei von gröberen Unregelmäßig-keiten. 6

A ist für die höheren, für Adelskreise bestimmt. 6 Es ist ein heroisches,kein spielmännisches Epos. Der Ton ist einfach, würdig. Die Sprache istsorgfältiger, nicht handwerksmäßig mechanisiert, die typischen, formelhaftenBestandteile sind mit Maß verwendet und überwuchern nicht die Ausdrucks-weise. Anzumerken sind: Wahrheitsbeteuerungen I, 22, Marburger Bruch-stücke Germ. 19, 196 V. 45 (66); Hyperbel V, 47; beliebt sind stehende Bei-wörter; Geistliches (H. Fischer, Münch. SB. 1914, 7. Abh. S. 9); zweigliedrigeAusdrücke, z. B. leit inde zorn I, 39, din lant ind dine bärge I, 58, fernerI, 6. 53. II, 8. 47. IV, 2. 39. .60. V, 4. 12. 13. 20. 25. 43, Germ.V. 59. 60.Verhältnismäßig großen Raum nehmen die Reden ein (I, 46 bis Schluß desFragm., II, 119. IV, 154). 7 In den Kampfschilderungen (Fragm. III, vgl.B 151086, u. Fragm. V), wo sonst Gelegenheit zu wilden, blutüberströmen-den Bildern genommen wird, zeigt sich besonders der Unterschied zwischender neuen, milderen und der älteren, rauheren Auffassungsart. Die Gesamt-darstellung ist auf eine gemäßigtere Tonart gestimmt. Wie die populär-burleske Spielmannsart im Rother verfeinert und hoffähig geworden ist, sohat sich der kräftige Reckenstil des Alexander- und Rolandsliedes im Her-zog Ernst den maßvolleren Formen der neu sich bildenden ritterlichen Hof-kunst angepaßt. Die dramatische Lebendigkeit jenes älteren Stils ist in einmehr episches, gehaltenes Tempo gedämpft.

1 Abgedr. bei Pez, Thesaurus anecdot. novis-simus VI = Cod. dipl. hist. epistolaris II, 13,s. Hoffmann, Fundgr. 1, 227; Lachmann,Ueb. Singen u. Sagen S. 116 u. Kl. Sehr. S. 472;Haupt S. 253.261 f.; Bartsch S. I ; Baesecke,Münch. Oswald S. 363 f. 378.

2 Rogo affabilitatem et pietatem tuam, sicutbene confido de te, ut annuere digneris peti-tioni meae et concedas mihi libellum teu-tonicumde herzogen Ernesten, donec

Deutsche Literaturgeschichte III 4

velocius scribatur mihi, quo perscripto con-tinuo remittatur tibi.

3 Bartsch S. IV f.

4 Ahlgrimm S. 810.

6 Bartsch S.Vf.; Schröder, Gott. Nachr.1918, 427. Amelung, ZfdPh. 3, 269 ff.

6 Vogt, ZfdPh. 22, 478.

7 Schwartzkopff, Rede u. Redescene S. 6u. Reg. S. 147.