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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 11. Herzog Ernst 41

C. 56996022 Schluß. Die Versöhnung. Mit des Kaisers Erlaubnis kehren Ernst undWetzel in die Heimat zurück. In der Weihnachtsmesse fallen die beiden Geächteten inBüßergewand dem Kaiser zu Füßen und erlangen, wenn auch nach anfänglichem Wider-streben, seine Gnade.

Die Sage. Die beiden Teile haben verschiedenen Ursprung. DeutscherGeschichte entstammt der erste, enthaltend die Schicksale des ungerechtverfolgten Königssohns in der Heimat; der zweite Teil, sein abenteuerlicherWanderzug, beruht auf orientalischer Fabulistik. Wirklichkeit und Phantastiksind zu dem Lebensbild eines mittelalterl. Helden des Kreuzzugsjahrhundertsverwoben, jener welterweiternden Epoche, in der dem Abendland sich diewunderbaren Pforten des Morgenlandes erschlossen. Der 1. Teil, ein Ge-schichtsroman, hat zum Inhalt den Familienzwist eines königlichen Hauses,im 2., einem abenteuerlichen Reiseroman, 1 tritt der Held in die Diensteeiner weltgeschichtlichen Idee und der heimische Horizont dehnt sich auszu einer fabelhaften Ethnographie des fernsten Ostens. Der deutsche Fürstwandelt die Wege des großen Alexander, als ein ins Elend verstoßenerVerbannter, nicht als Welteroberer, aber kämpfend für eine Idee, die dieWelt erobern sollte.

Die Erzählung des 1. Teiles, eine Empörergeschichte, ist aus zwei zeit-verschiedenen Ereignissen zusammengeflossen.

Liudolf, 2 Sohn Ottos d. Großen, von ihm mit dem Herzogtum Schwabenbelehnt, erhob sich gegen seinen königlichen Vater, weil dieser die mäch-tige, ihm übelwollende Partei seines Oheims Heinrich, des Herzogs vonBaiern, und seiner Stiefmutter Adelheid (die erste Gemahlin Ottos war dieangelsächsische Prinzessin Eadgith) 3 begünstigte (953). Trotz seiner Miß-erfolge lehnte er eine Aussöhnung ab, weil er die Bedingung, seine Freundeauszuliefern, verschmähte. Nach hartnäckiger Verteidigung wird Regensburgvon Otto eingenommen, Liudolf erwirkt, im Büßergewand seinem Vater zuFüßen fallend, Verzeihung (954). Schon wenige Jahre darauf, 957, stirbter auf einem Kriegszug in Oberitalien. 4 Tragischer verlief der AufstandHerzog Ernsts (II.) von Schwaben gegen seinen Stiefvater, den KönigKonrad II. 5 Ernst war der Sohn der Herzogin Gisela aus der Ehe mit

Diss. 1914 S.39-63; Uhland aaO.; HauptS.229; E. DüMMLER.ZfdA. 14, 26576. 559f.;Bartsch S. LXXXVCVil; Karl Wehrhan,Die deutschen Sagen d. MA.s I, 1913, Lit. üb.Otto d. Gr. S. 194 f. Eine verlorene franz.Quelle nimmt Singer, Üb. Wolframs StilS.124 an.

s Schon früh wurde deren Name verwechseltmit dem ihrer Schwester Eadgif, in EkkehardsIV. Casus S. Galli 10, 86 Otigeba, mhd. Otte-gebe, vgl. Bartsch S. XCVII, wo weitere Zitate.

4 Schon vor dem Zwist, 951, hatte Liudolfeinen ersten Zug nach Italien unternommen.

5 Histor. Hauptquelle: Wiponis opera, ed.Pertz, Mon. Germ. Script. XI, 24375,Schul-ausg.: Script, rer. Germ, in usum schol., 3.Ausg.von H. Bresslau, übers.: von Wattenbach,

1 DieOdyssee eines deutschen Fürsten",Scherer, LG. S. 95; vgl. v. d. Hagen S. V (s.auch die Fahrten Brandans, LG. II, 1,1657).

2 Histor. Hauptquelle: Widukinds Sachsen-chronik ed. Waitz, Mon. Germ. Script. III, 40867, Schulausg.: Script, rer. Germ, in usumschol., 4. Ausg. von K. A. Kehr, übers, vonWattenbach, Geschichtsschreiber d. dt. Vorz.X. Jh. Bd. 33, 2. Aufl. 1891; Giesebrecht 1,381414. 4513 (s. Reg. S. 914) u. 8227;Köpke u. Dönniges, Jahrb. d. dt. Reiches unterOtto I., 2 Bde., 1838.39; Köpke u. DOmmler,Otto d. Gr., 1876; Köpke, Ottonische Stud. I,1867; W.A.Fischer, Otto u.Ludolf, 1903; H.Bloch, N. Arch. f. alt. dt. Gesch. 38,97141,bes. S. 124ff.; Carl Hainer, Das ep. Eiern, b.d. Geschichtsschreib. d. früheren MA.s, Gieß.