40 Die erzählende Dichtung
der märchenhaften Reise nach dem Orient noch die Geistesrichtung derEpik des früheren 12. Jh.s. — Landschaftlich und im künstlerischen Aus-druck gehören Herzog Ernst, Floyris, Tristrant zu einer Gruppe zusammen,als Fortsetzungen und Weiterbildungen der rheinischen Tradition, der GrafRudolf ist das erste mhd. epische Gedicht aus Thüringen.Inhalt (nach der Hs. B). 1 Das Gedicht zerfällt in zwei Teile:AI—1998, dazu der Schluß 5734—6022, der historische Roman.
a) Prolog, Anrede an das Publikum 1—30 (Aufforderung u. Inhaltsangabe 1—4; Empfeh-lung 5—7; zwei Arten des Publikums: Bauernadel 8—20, Kriegeradel 21—30).
b) Hauptteil 31—1998. Inhaltsangabe des ersten Teils 31—56. I. Die Vorgeschichte57—645, Ernsts Jugend (57—158):- sein Vater ist früh gestorben, seine Mutter läßt ihm eine treff-liche Erziehung zuteil werden (Fürstenspiegel), sein treuer Dienstmann Graf Wetzel. — Ottound Adelheid (159—645): Kaiser Ottos Charakter und Taten (Fürstenspiegel, 175—233); seineerste Frau Ottegebe von England ist gestorben (234—56); Entschluß zur Wiedervermählung,Fürstenrat (257—316), Werbung an Adelheid, ihre Zusage nach Beratung mit ihrem Sohn Ernst(317—448); Hochzeit zu Mainz (449—510); einträchtiges Eheleben, Ernst steht beim Kaiserin hoher Gunst (511 — 645). — II. Die Feindschaft zwischen Otto und Ernst 646—910. Verleumdung Ernsts durch den Pfalzgrafen Heinrich (646—852); der Kaiser verwüstetErnsts Herzogtum Baiern (853—910); Ernst sucht Frieden, die Fürbitte der Kaiserin und derFürsten hat aber keinen Erfolg (911—1242); Ernsts Rache: er dringt mit Wetzel in OttosKemenate in der Burg zu Speyer, erschlägt den Pfalzgrafen und bedroht den Kaiser (1243—1350); des Kaisers Rache: über Ernst wird die Acht ausgesprochen; fünf Jahre lang wehrt ersich in Baiern tapfer gegen die Übermacht (1351—1738). — III. Der tragisehe Abschluß1739—1998. Ernsts Widerstand ist gebrochen, er rüstet sich mit seinen Getreuen und fremdZuströmenden zur Kreuzfahrt.
B. 1999—5698 der abenteuerliche Reiseroman. I. Die Ausfahrt nach demOrient, 1999—2176, über Konstantinopel nach Syrien. — II. Die Reiseabenteuer 2177—5332. 1. Das Land Grippia und die Kranichschnäbler (Menschen mit Kranichköpfenund -schnäbeln) 2204—3882. In einem herrlichen, aber menschenleeren Schlosse laben siesich an reichbesetzter Tafel, bald aber werden sie von den zurückkehrenden Bewohnern,den Kranichschnäblern, überrascht. Ihr König führt die Tochter des Königs von India ge-fangen mit sich, um sie zu heiraten. Ernst und Wetzel wollen die Trauernde befreien, aberdie Kranichmenschen erstechen sie mit ihren Schnäbeln. Unter harten Kämpfen entkommensie den Schnäblern. 2. Am Magnetberg (der auf 30 Meilen in der Runde alle Schiffe ansich zieht) zerbrechen viele ihrer Schiffe 3883—4113. 3. Die Greifen. Durch List ge-langen sie von dem unwirtlichen Berg los, indem sie sich in Meerrinderhäute nähen undsich von Greifen, die sie ihren Jungen zur Speise bringen wollen, in ihr Nest tragen lassen,von wo aus sie sich in einen Wald schleichen 4114—334. 4. Auf einem Floß durchfahrensie eine das Gebirg durchziehende Wasserhöhle, wo der Herzog einen prächtigen Edelsteinlosbricht, der später als „Waise" in des Reiches Krone leuchtete 4335—476. 5. In Ari-maspi werden sie von den Bewohnern, den Zyklopen (Einsterne), gut aufgenommen 4477—666. 6. Im Dienste des Königs von Arimaspi besiegen sie dessen Feinde, die Plattfüße4667—812 und 7. die Langohren 4813—90. 8. Die benachbarten Prechami (Pygmäen)beschützen sie gegen die gewalttätigen Kraniche 4891—5012. 9. Auch das Volk Canaan,die Giganten, zwingt Ernst, ihre Absicht, von den Leuten Arimaspi Tribut zu erheben, auf-zugeben 5013-332. — III. Abschluß der Orientreise 5333—698. Sechs Jahre hattennun Ernst und Wetzel bei den Freunden in Arimaspi verbracht, dann aber fahren sie aufeinem ans Land verschlagenen Handelsschiff nach Jerusalem, wo sie ein Jahr lang gegendie Heiden kämpfen.
1 UHLANDaaO.; Haupt S. 270 ff.; Bartsch S. VI— XXV.