§ 10. Die bildende Kunst. Die Musik
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erhebt sich ein solches Gedicht weit über den Standpunkt einer bloßenÜbersetzung.
§ 10. Die bildende Kunst. 1 Die Musik
Das gleiche historische Gesetz der geistigen Kraftsteigerung, das mit denKreuzzügen die Blütezeit der mittelalterl. Kultur bedingte und der Literaturneue Bahnen mit großen Ausmaßen wies, mußte auch in den bildendenKünsten eine neue Formensprache hervorrufen. Der romanische Stil setztein seinen Grundzügen die klassische und frühchristliche Tradition fort, mitder Gotik erreicht das MA. einen eigenen, seiner Wesensart kongenialen Aus-druck. Im gotischen Stil objektiviert sich der Formgeist der Blütezeit desMA.s. Der Ursprung des neuen Stils liegt in den Kreuzzügen. Die reichePracht der byzantinisch-arabischen Architektur eröffnete dem staunendenAuge des Abendländers eine ungewohnte und eigenartige Formenfülle undgab Anregung zu neuen Problemen. Auch in der Entwicklung der bildendenKünste wie bei der Dichtung ging Frankreich voran. Um 1150 zeigensich in der Gegend von Paris und von dort aus weitergreifend die erstencharakteristischen Spuren der Gotik, um 1200 in Deutschland, wo sie um1250 den romanischen Stil endgültig verdrängte und bis zur Renaissance,um 1500, die Herrschaft behielt.
1 Die malterl. Kunst als Weltdeutung; bes.M. Dvorak Kunstgesch.als Geistesgesch. 1924.—Lit. spez.für das deutscheMA.: A. Essen-wein, Kulturhistor. Bilderati. 2, MA., 1883;Könnecke, Bilderatlas u. Literaturatlas; Alw.Schultz, Höf. Leben; R. Kautzsch, Ein-leitende Erörterungen zu e. Gesch. d. dt. Hss.-illustration im späteren MA., 1894; Ders., E.Beitr. z. Gesch. d. dt. Malerei in d. 1. Hälfted. XIV. Jh.s, 1907; Petzet u. Glauning, Dt.Schrifttafeln d. IX—XVI. Jh.s aus Hss.d. K. Hof-u.Staatsbibl.München, 1910ff.; G Leidinger,Miniaturen aus Hss. d. K. Hof- u. Staatsbibl.München, 1911 ff.; W. Worringer, Die ad.Buchillustration, 1912; F.X. Kraus, DieMinia-turen der Manesseschen Liederhs., 1887; Ad.v. Oechelhäuser, Der Bilderkreis z. W.Gast,1890; K. v. Amira, Die Dresdener Bilderhs.d. Sachsenspiegels, 1902; Ders., Die Hand-gebärden in d. Bilderhs. d. Sachsenspiegels,Abhandl. d. bayer. Ak. d. Wiss. 1905,Bd.23,II; Ders., Die große Bilderhs. von Wolf-rams Willehalm, Münch. SB. 1903, III u. ebda1917, VI; Alb. Ilg, Beitr. z. Gesch. d. Kunstu. Kunsttechnik aus mhd. Dichtungen, 1896;Fr. Panzer, Dichtung u. bildende Kunstd. dt. MA. in ihren Wechselbeziehungen, N.Jahrb. 7, 135 ff. (mit Lit.); Ders., Der roman.Bilderfries am südl. Choreingang d. FreiburgerMünsters u.seine Deutung,FreiburgerMünster-blätter 2. Jahrg. LH.; Ders., Das germ. Tier-ornament u. d. Stil der Stabreimepik, Germa-nia, Korrespondenzbl. d. Röm.-Germ. Komm,d. dt. Archäol. Instituts 1921 H.2; Fr. v. d.Leyen, Dt. Dichtg. u. bildende Kunst im MA.,
Deutsche Literaturgeschichte III 3
Abhandl. f. Franz Muncker, 1916 (mit Lit.), 1 ff.;Fr. v. d. Leyen u. Ad. Spamer, Die ad. Wand-teppiche im Regensburger Rathause, 1910;M. Hauptmann, Der Wandel d. Bildvorstel-lungen in d. dt. Dichtg. u. bildenden Kunstim roman. Zeitalter, Festschr. f.Wölfflin, 1924;S. Singer, Stil u. Weltanschauung d. altgerm.Poesie, Festschr. Walzel, 1924; J. Schwiete-ring, Zur Gesch. v. Speer u. Schwert im 12. Jh.,Mitteil, aus d. Mus. f. Hamb. Gesch. Nr. 3(mit Lit. üb. Waffengesch.); Ders., Beitr. z.Gesch. d. Schwerlmarkierg., Zs. f. histor. Waf-fenkunde 8 H.8, 244—56. — Wackernagel,LG. 2 , S. 134.142 f.; Lamprecht, Dt. Gesch.3 2 ,240 ff. 4, 276 ff. 285 ff.; Ders., Einführg. i. d.histor. Denken, 1.2. Aufl. 1912.13; Michael,Gesch. d. dt.Volkes, Bd. 5; K. Francke, Kultur-werte 1 S. 101 ff.; Max Herrmann, Forsch, z.dt.Theatergesch. d. MA.s u. d. Renaiss., 1913;K. Burdach, Dt. Renaiss., Dt. Abende aaO. —Ueb. symbolische Gebärdensprache: Zappert,Ueb. d. Ausdruck d. geist. Schmerzes im MA.,Denkschriften d. Wien. Ak. V; Erh. Lom-matzsch, System d. Gebärden, dargestelltaufGrund d. m.alterl. Lit. Frankreichs, I, Berl.Diss. 1900; Ders., Darst. v. Trauer u. Schmerzin d. afrz. Lit., ZfromPhil.43,19—67, mit reicherLit; Burdach, Ackermann S. 165. Beson-ders hervorgehoben zu werden verdient dievon Fr. v. d. Leyen herausgegebene Samm-lung „Bücher d. Mittelalters" (seit 1925), inder die Texte durch künstlerisch ausgeführte,farbige und nicht kolorierte, m.alterl. Illustra-tionen veranschaulicht sind. — Siehe auchunten bei Eilhart, Wolfram, Bliggers Umhang.