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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Einleitung

schaffen und Wirkungen, das Verhalten der Liebenden wurden eingehenderörtert, man vertiefte sich in die Psychologie des Minnephänomens, dieReflexion über die Minne brachte eine scholastisch spitzfindige Minne-theorie und Minnedoktrin hervor, 1 wofür besonders Ovid (Ars amandi,Heroiden) Lehrmeister war, und Minnelehren wurden zu einer besonderenGattung der Literatur. Die Minne, die so Wunderbares aus dem Menschenmacht, ist eine Leidenschaft,Amor est passio", und darum kann sie auch sehrverderblich wirken, wie eine verheerende Krankheit kann sie dem Menschenalle Willenskraft lähmen und somit sein persönliches Verantwortlichkeits-gefühl untergraben.

Zwei köstliche, lebenerhöhende Güter sind es besonders, welche diehöfische Doktrin als Geschenke der Minne preist, die frötide und der höhemuot. Beide sind im Grunde zwei Stufen des gleichen Gefühlswertes. 2 Fronde,die Lebensfreude, das Lebenselixir des gesellschaftlichen Treibens, ist Pflichtjedes Teilnehmers, denn Unterhaltung und Spiel, Fest und Tanz verlangenvergnügte Stimmung, Traurigkeit wäre der Tod des geselligen Lebens. Soist die Frauenminne die Quelle des schönsten Lebensgenusses, der höchstenGlückseligkeit (scelde). Der höhe muot hat ein stärkeres Ethos als die frou.de,es ist die von sittlichem Selbstbewußtsein erhöhte Lebensstimmung, einevon freudiger Lebensbejahung getragene innere Stärke, zu hohem Dasein

1 Minnetheorie: Weinhold, Die deutschenFrauen in d. MA., \\ 1882, 21692; Alw.Schultz, Hof. Leben, passim; Wilmanns,Leben Walthers v. d. Vogelw. 1 S. 156208.328-408, ed. Michels S.23489. 455537;Heinzel, Kl. Sehr. S. 32 ff.; W. Hertz, Ueb.d. ritterl. Frauendienst, in: Aus Dichtung u.Sage, Vortr. u. Aufs., 1907; Schönbach, An-fänge d. Minnesangs, bes. S. 110; Ders., Beitr.z. d. ältesten Minnesängern, Wiener SB. 141(1899) passim; Burdach, Reinmar u.Walth.pass.; Ders.,WaltherS.25.103.13247; Ders.,Ueb. d. Ursprung d. m.alterl. Minnesangs;Singer, Wolframs Stil S.23f. 2831; Ehris-mann, Das ritterl. Tugendsystem, ZfdA. 56,137 ff.; Kluckhohn, ZfdA.52,135ff.; Panzer,ZfdPh. 31, 524 ff.; Dexel, Ueb. gesellschaftl.Anschauungen ... in d.mhd.höf.u. Volksepen,Greifsw. Diss. 1909; Pestalozzi, SeelischeProbleme d. Hochmittelalters, N. Jahrb. 1918,Bd. 41, 192ff.; Friedr. Neumann, Walther v.d. Vogelw. u. d. Reich, Dt. Vierteljahrsschr. 1,503 ff. Wechssler, Kulturprobl. pass.;Ders., ZffrzSpr. 24 (1902), 159-90; Ferd.Michel, Heinr. v. Morungen u. die Trubadur,QF. 38 (1880); Anna Lüderitz, Die Liebes-theorie d. Provencalen bei d. Minnesingern d.Stauferzeit, 1904 (dazuWECHSSLER,ZfdPh.40,478 ff.; R.Götte, Liebesleben u.Liebesdienstin d. Liebesdichtungd. MA.s, ZfKulturgesch. I ;R.BECKER.D.m.alterl.MinnedienstinDeutschl.,1895; Elisabet Kaiser, D. Frauendienst immhd. Nationalepos, Germ. Abh. 52 (1921);

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