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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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18
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18 Einleitung

Tölpel) durch Fehlen der Verschiebung des p zu f (mhd. wäfen, dörfer),ors = ras durch die Metathese des r als niederrhein. Lehngut. 1 Vlcemennannte man im 13. Jh. Nachäffung niederfränk. Sprache, die RitterschaftFlanderns und Brabantsgalt als die feinste. Viele mhd. höf. Bezeichnungen sindÜbersetzungen aus dem Französischen, so hövesch 2 = courtois, von cours =hof (daneben hübesch, unser nhd. hübsch); die genannten wäpen = Wappenneben wäfen Waffe nach frz. armes in den beiden Bedeutungen; dörper =vilain Bauer, von vile {ville) Dorf, dörperie = vilenie Unhöflichkeit, Grob-heit; auch ist ritter wohl Nachbildung von Chevalier.*

Am Mittelrhein stand die Spielmannsdichtung in Blüte (Rother, Oswald,Orendel, Salman, s. LG. II, 1), von Mittelfranken aus ging auch die höf.Dichtung. 4 Es ist eine umfangreichere mfrk. Epik vorauszusetzen, der TriererFloyris, Herz. Ernst, Morant und Galie weisen dorthin, ihren Einfluß bezeugtder Tristrant des nd. Ritters Eilhart v. Oberg, der seine Sprache nach demMfrk. temperierte. Und Veldeke, der Begründer der klass. mhd. höf. Dicht-kunst, war Niederrheiner. Die Geschichte seiner Eneide zeigt geradezu denWeg, den die Verbreitung der höf. Literatur einschlug: das Werk ist demThüringer Hof gewidmet. Und zur Hofkultur gehörte diese Dichtung, an denHöfen fand sie ihre Pflege und damit die Möglichkeit ihres Gedeihens.Hier hatten die höfischen Dichter ihr Publikum, mit dem sie in unmittelbaremVerkehr standen, dessen Urteil ihnen maßgebend war und von dessen Bei-fall die Aufnahme ihrer Werke abhing. Berühmt und gefeiert durch ihreGastlichkeit für die Kunst waren besonders die Höfe von Thüringen undWien, 6 jener mehr dem Roman (Veldeke, Herbort, Albr. v. Halberstadt,Wolfram, doch auch Walther v. d. Vogelweide), dieser mehr dem Minnesang(Reinmar, Walther) zugewendet.

Häufig erstatten die Verfasser höfischer Erzählungen ihren Gönnern Dankdurch Nennung und Preis ihres Namens (Gönnerformel), meist im Prologoder Epilog, zuweilen auch im Innern des Gedichtes. 6

Die Literatur des Spielmanns der früheren Zeit war ungeschrieben, dashöfische Epos dagegen wurde schriftlich aufgezeichnet, es war Buch-Schrift-tum. Aus der Handschrift wurde ein solches Werk vor den Hörern vor-

1 Behaghel, Gesch. d. dt. Sprache 4 (PaulsGrdr. 3), 1916, S.71; Singer, Die mhd.Schriftsprache, Basel 1900, S. 5.

2 DWb.4, 2, 1685 f. 1851 ff.

3 Wackernagel, LG. 2 , S. 127 Anm. 4;Kluge, Dt. Sprachgesch. S. 274 ff.; Schröder,Anz. 23, 158; Zwierzina, Festg. f. HeinzelS. 449; Junk, Beitr. 27, 466; Schirokauer,ebda 47, 51 ff.

4 W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 216f.; John Meier,Studien z. Sprach- u. Litt.gesch. d. Rheinlande,Beitr. 16, 64114; Kurt Wagner, Eilhartv. Oberg, S.8*ff.; s. u. Veldeke, Eilhart.

5 Landgraf Hermann V.Thüringen 11901217(118290 Pfalzgraf; er war 1162 als jungerMann am Hofe Ludwigs VII. v. Frankreich),

Ludwig d. Heilige 121627 ;0 esterreich :Her-zogLeopold V. v. Oesterreich 117794, Fried-rich I. 119498, Leopold VI. d. Glorreiche11981230, Friedrich II. d. Streitbare 123046. Die deutschen Kaiser u. d. dt. Literatur:Wackernagel, LG. I 2 , 139 Anm. 58 ff.;Roethe, Kaiser-Geburtstagsrede, Göttingen1893.

6 Vgl. Schwietering, Demutsformel S.l ff.Widmungen an Höhergestellte od. an Freundezu richten ist ein in der kirchlichen Literaturalter Brauch. Meist werden diese als Ver-anlasser des Werkes gepriesen, was jedoch oftmehr stilistische Formel und nicht wörtlich zunehmen ist. Zu der früheren Lit. s. Heliand,Otfrid, Rolandslied.