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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
Entstehung
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Einleitung

kirchlicher Handlung (Messe) und nach Ablegung des Rittereides, mit demder Aufzunehmende die Ritterpflichten beschwor: die Armen und Bedrängten,Witwen und Waisen zu schützen, die Kirche und ihre Diener zu vertei-digen, für das Vaterland einzutreten, erhielt er das Schwert, das Wahr-zeichen der Ritterschaft; 1 denn nur der Ritter durfte ein Schwert führen. DerTitelHerr" kam ursprünglich nur dem Freien (dem Adel) zu, aber durchErteilung der Ritterwürde wurde er auch auf die unfreien Dienstmannenübertragen.

Aus der Verbindung des Rittertums mit der Kirche gingen die geist-lichen Ritterorden hervor, eine Vereinigung von Rittertum und Mönch-tum mit der Ritterpflicht der Verteidigung des heil. Landes gegen die Un-gläubigen und den Mönchsgelübden Armut, Keuschheit, Gehorsam, zugleichmit der Aufgabe christlicher Liebestätigkeit, besonders in der Krankenpflege:der Templerorden und der Johanniterorden, beide von franz. Rittern inJerusalem um 1220 gestiftet.

§ 4. Entstehung der höfischen Bildung und Geistesart

Mit dem neuen Geist, der in den Kreuzzügen erwachte, kamen neue geistigeFormen und Zwecke zur Geltung. In sich selbst hat das Rittertum eine Wandlungvollzogen; die Gottesstreiter setzten sich für ein ideales Ziel ein und gelangtendamit zu einem höheren sittlichen Selbstbewußtsein. Im kriegerischen undfriedlichen Verkehr mit den sarazenischen Feinden hatte der abendländischeRitter eine ganz anders geartete, aber ebenbürtige Kultur kennen gelernt,eine auf hoher gesellschaftlicher und sittlicher Stufe stehende Ritterschaft.

Es entwickelte sich ein internationales Rittertum, mit gleichartigenStandesanschauungen und Lebensformen. Indessen ist nicht zu übersehen,daß auch schon vor den Kreuzzügen lebhafte und folgenreiche Beziehungenzwischen Okzident und Orient bestanden. Die Blicke der Christen warenimmer auf die Grabstätte des Herrn gerichtet, und die Wunderfabeln, dievon jenen fernen Gegenden berichtet wurden, schon in der Alexandersage,beschäftigten lebhaft die für das Abenteuerliche und Märchenhafte so em-pfängliche Phantasie des Abendländers. Eine Fülle von Romanstoffen undErzählungsmotiven strömte aus dem ungemessenen Fabulierungsschatze desMorgenlandes den Literaturen des Westens zu. Aber auch in den Wissen-schaften, in der Naturkunde und Philosophie, lernte das christliche MA. vomOsten, von den Arabern, die zugleich in Spanien als unmittelbare NachbarnSüdfrankreichs in ununterbrochenem, kriegerischen oder friedlichen, Aus-tausch mit den Christen standen.

1 A. Schultz, Höf. Leben II, 181 ff.; Wilh.Erben, Schwertleite u. Ritterschlag, 1919;Petersen S. 159ff.; Ehrismann, ZfdA. 56,144. Vgl. Gotfrids Tristan 45455066; dieSchwertleite Tr.s geht ohne religiöse Hand-lung rein weltlich vor sich. Die Pflichten, dieMarke ihm auferlegt 502043 sind ein weltl.Ritter- u. Tugendspiegel. Der Ritterschlag

war franz. Sitte u. kam erst im 14. Jh. inDeutschland auf, Petersen S. 155ff.; Vogt,LG. S. 165 Anm. 1. Das Ideal eines Rittersim Sinne der Kirche ist der christlicheRitter, sein Vorbild ist gegeben Ephes. 6,1117; vgl. LG. I Reg. S. 466, II, 1 Reg. S. 350.Unter vielen andern Beispielen s. Alanus,Migne 210, 18587.