14 Einleitung
Die dichterischen Formen des Naturempfindens und der Landschafts-schilderung 1 hatten ihre feste Prägung schon bei den älteren Kirchenväternund Kirchenlehrern gefunden, die in ununterbrochenem Zusammenhang mitder heidnisch-antiken Literatur standen. Diese Formen begegnen, traditionellweitergepflanzt, wieder bei vielen mittelalterl. Schriftstellern und fanden dannauch in bescheidenerem Maßstab in die Epik und Lyrik der Volksliteraturen,auch im Mhd., Eingang.
Kunst und Wissenschaft des MA.s und damit die Grundlagen der Bildungsind das Erbe des klassischen Altertums, vermittelt durch die spätrömisch-frühchristliche Zeit. Sie gaben die Formen ab, in welche die neue Welt-anschauung gegossen wurde. Mit ihnen fiel ein Abglanz von den unverlier-baren Menschenwerten der klassischen Schönheit und Geistesgröße auf diein ihrem Wesen so ganz fremde mittelalterl. Welt.
§ 3. Geschichte des deutschen Ritterstandes
Riter{= ritcere), daneben ritter, ist 'Reiter', speziell der berittene Krieger, alsStandeswort für den der Ritterschaft, dem Ritterorden Angehörigen. 3 Die An-fänge dieses berittenen Kriegertums als einer besonderen Waffengattung (Heeres-gattung) waren für die Franken und Süddeutschland in der militärischen TaktikKarls d. Gr. gegeben, die später Heinrich I. zur Einrichtung einer sächsischenReiterei nachahmte. Die letzten Bedingungen für den Höherstieg des Rittertumslagen in den politischen Verhältnissen des 12. Jh.s: die imperialistische Reichs-politik Barbarossas, seine staunenswerten Kriegstaten in Italien, sein Macht-bewußtsein, seine ganze kraftvolle, ritterlich vorbildliche Persönlichkeit stei-gerten in dem deutschen Kriegerstand das Bewußtsein, in der politischen Welt-lage eine ausschlaggebende Stelle einzunehmen. Ein Bild der Machtfülledes Reichs entfaltete sich in dem glänzenden Hoffest zu Mainz, das derKaiser an Pfingsten 1184 zur Schwertleite seiner beiden ältesten Söhne,Heinrich und Friedrich, veranstaltete. Es waren historisch denkwürdige Tage,gefeiert auch von den Dichtern, deutschen und französischen. Und diesewaren nicht mehr bettelnde joculatores wie bei der Hochzeit Heinrichs III., 3sondern angesehene höfische Dichter, darunter Heinrich v. Veldeke und derfranz. Trouvere und Satiriker Guiot v. Provins.
Die den Kern des Heeres bildenden Reiter oder Ritter waren Adlige, jeden-
1 Alfr. Biese, Die Entwickelung d. Natur-gefühls im MA. u. in d. Neuzeit, 1888; W.Ganzenmüller, Das Naturgefühl im MA.,1914, dazu Borinski, DLZ.36,1729—33, Biese,Sokrates 3,468—70, H. Scholz, Preuß. Jahrb.60 (1915), 138—46; Ganzenmüller, Dieempfindsame Naturbetracht, im MA., Arch.f. Kulturgesch. 12 (1914), 195—228; Gertr.Stockmayer, Ueb. Naturgefühl in Deutschi,im 10. u. 11. Jh., 1910.
- Siehe die Lehrbücher der DeutschenRechtsgeschichte von Brunner, Schröder,Heusler, v. Amira (Pauls Grdr.); HansFehr, Das Recht im Bilde I, 1923; O.v.Zal-
linger, Rechtsgesch. d. Ritterstandes, 1879;Waitz, Dt. Verfassungsgesch.; Dahlmann-Waitz S. 121 ff. 302 ff. 391 ff. 474 ff. — Rothv. Schreckenstein, Die Ritterwürde u. d.Ritterstand, 1886; Jul. Petersen, Das Ritter-tum in d. Darstellung d. Johannes Rothe,QF. 106 (1909); Paul Kluckhohn, Mini-sterialität u. Ritterdichtung, ZfdA. 52,135—68,wo weitere Lit.; Ders., Die Ministerialität inSüddeutschland, Quellen u. Stud. z. Verfas-sungsgesch. IV H. 1; Ed. Wechssler, DasKulturproblem des Minnesangs 1, 1909,S. 151 ff.3 LG. II, 1,89.