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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 1. Die geistigen Grundbedingungen 7

wissenschaftlichen Unterrichts, mit dem Aufblühen der Scholastik aber ge-wannen einzelne hervorragende Gelehrte und Lehrer, vor allem in Frank-reich, so großes Ansehen, daß zahlreiche Schüler aus den verschiedenenchristlichen Ländern zu ihnen strömten und ihre Lehrstätten zu Mittelpunktenwissenschaftlicher Studien wurden. Ein reges Streben erfüllte die Herzen derwissensdurstigen Jugend in jener geistig bewegten Zeit. Diese freie, von dereinzelnen Persönlichkeit abhängende Lehrweise erhielt um 1200 eine ge-regeltere Form durch die Errichtung von Universitäten. 1

Die christliche Frömmigkeit. Mit dem Imperialismus entfernte sichdas Papsttum immer mehr von der Idee eines christlichen Gottesstaates undwurde allzusehr Weltstaat mit weltlichen Interessen. Das religiöse Bedürfniseiner gemütstiefen Seele konnte in der herrschenden kirchlichen Strömungkeine Befriedigung finden. Und doch erfüllte die Herzen vieler Tausenderin dieser durch die Kreuzzüge religiös gespannten Zeit ein starker Drang,den rechten Weg zu Gott zu finden. Zu allen Zeiten fand die Sehnsuchtnach dem Einssein mit dem Ewigen ihre unmittelbarste Erfüllung in dermystischen Versenkung in die Gottestiefe. Diese aber kann rein persönlichesErlebnis des vom Schauen des großen Geheimnisses Beglückten bleiben,ein bloß kontemplativer Zustand; oder der vom Enthusiasmus Ergriffene wirktvermöge seiner impulsiven Natur suggestiv auf seine Umgebung. Eine solchemagische Kraft ging von Bernhard v. Clairvaux aus. In der Christusmystik,in dem Schmerzensbild des Gekreuzigten verkörperte sich sein religiöses Er-lebnis und in den bittern Leiden Jesu fanden die Heilsuchenden das erlösendeSymbol. Zu einer erotischen Schwärmerei verstieg sich das Kernmotiv derMystik, das vom Seelenbräutigam, die Allegorie des Hohen Liedes (s. St.Trutperter HL., LG. II, 1, 29 ff.).

Die steigende Macht- und Prachtentfaltung des'Papsttums stand in allzugrellem Gegensatz gegen die Dürftigkeit im irdischen Wandel des Gottes-sohns. Die Verweltlichung der Kirche rief nach dem gesetzmäßigen Verlaufder menschlichen Dinge den Umschwung zum Gegenpol hervor. Im Mönch-tum erstarkte wieder die asketische Idee, und es entstanden die Bettelorden:die Franziskaner (fratres minores, Minoriten), gegründet von Franciscusv. Assisi (f 1226, Bestätigung des Ordens durch den Papst 1223), und dieDominikaner, gestiftet von dem Spanier Dominicus (f 1221, der Orden 1216bestätigt). Armut in der Nachfolge des armen Lebens Christi war das Idealdes heil. Franciscus und er verwirklichte es in seinem eigenen Leben, inDemut, freudiger Entsagung und wahrhafter innerer Heiligung. Diese Orden,

1 Universitas magistrorum et scholarium,die Einheit, Korporation, der Lehrer u. Studen-ten unter bestimmten Statuten. Die ältestenUniversitäten hatten zunächst nur eine Fakul-tät: Bologna e. berühmte juristische, Paris e.theologische, Salerno e. medizinische. DurchErweiterung entstand die Volluniversität, dasStudium generale, mit den 3 oberen Fakul-

täten Theologie, Jurisprudenz, Medizin, undder niederem Vorschule, der Artistenfakultätmit den Septem artes, in der das Trivium dergeisteswissenschaftl. Abteilung, das Quadri-vium der naturwissenschaitl. entspricht, ausdenen allgemein noch heutzutage bis vor kur-zem die philos. Fakultät zusammengesetzt war.