Einleitung
Eindringen seiner Werke, die nun die Grundlage für die theologischenStudien bildeten, wurden die wissenschaftlichen Kenntnisse gefördert, dasabstrakte, logische Denken und die dialektische Fertigkeit, besonders aberauch die ideelle Behandlung des religiösen Stoffes wurden noch mehr ver-feinert. Er galt als der Meister der Philosophie, er war der Philosophschlechtweg. Das grandiose auf ihm fußende, Gott und Welt umspannendeWissenschaftsgebäude der Theologie errichtete Thomas v. Aquino, be-sonders durch seine Summa totius Theologiae. Sein System beginnt mitder Denklehre (Logik mit Erkenntnislehre und Wissenschaftslehre), gehtweiter zur Lehre vom Sein, der Ontologie mit der Kosmologie und Teleo-logie, steigt auf zur Theologie mit dem Wissen von Gott und derTrinität,vom Geisterreich, dann vom Menschen (Psychologie, Soziologie, Verfassungund Recht, Ethik) und schließt mit den Mysterien des christlichen Heils(der Gottmensch als Bringer des Heils, die Sakramente als Mittel des Heils,die Diener des Heils [die Hierarchie]) und den letzten Dingen. Mit dieserZusammenfassung alles Wissenswerten hat die mittelalterl. Wissenschaft ihrehöchste Vollendung erreicht.
Bevor man aber zur Theologie gelangt, ist die Vorschule der Kenntnissedurchzumachen, das sind die Septem artes liberales, die sieben freienKünste. Sie sind die Propädeutik zu der höheren Wissenschaft der Theologie.Dieses Schulsystem war von den griechischen Sophisten begründet wordenund ging mit dem römischen Erziehungswesen in das MA. über. 1 Die Septemartes (ars = Wissenschaft) zerfallen in zwei Gruppen, das Trivium und dasQuadrivium (von via, Weg, hergenommen, weil durch sie der Weg zur vollenKenntnis der philosophischen Wahrheit bereitet wird). 2
Das Trivium umfaßt die philolog.-philosophischen Wissenschaften: Gram-matik (mater studiorum); Rhetorik, die Kunst, die Hörer durch Beredsam-keit zu überzeugen (worin auch die Stilistik, die Lehre von der gewandtenund schönen Ausdrucksweise, einbegriffen ist und womit ein Abschnitt überRechtskunde verbunden sein kann); Dialektik (Logica, Logik), die Kunst,das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, für die Philosophie bzw. Theo-logie besonders wichtig. 3 Das Quadrivium enthält die mathematischenFächer: Arithmetik, Geometrie (Geographie, mit der Erdkunde zusammendie Naturkunde), Musik, Astronomie.
Im früheren MA. waren die Klöster und Domschulen die Pflegestätten des
1 Martin Grabmann, Die Gesch. d. scho-bst. Methode, 2 Bde., 1909.1911; L. Baur,Dominicus Gundissalinus, De divisione philo-sophiae, 1903; Franz Anton Specht, Gesch.d. Unterrichtswesens in Deutschi, von d. älte-sten Zeiten bis z. Mitte d. 13. Jh.s, 1885; P. H.Denifle, Die Universitäten desMA.s bis 1400,1885 ff.; G. Kaufmann, Gesch. d. dt. Universi-täten, 1888 ff.; F. Paulsen, Gesch. d. gelehr-ten Unterrichts auf d. dt. Schulen u. Univers,vom Ausg. d. MA.s bis zur Gegenwart, 3. Aufl.
1918. —Norden, Die antike Kunsprosa, 1898,2,659 ff.; Ehrismann, Festschr. f. Braune, 1920,S 215 ff
» Hugo v. S. Victor, Erudit. didasc. III, 3,Migne 176, 768. Mit dem Studium der freienKünste sollen wir dem Herrn dienen: Con-radi Hirsaugiensis Dialogus super auctoressive Didascalon ed. Schepps, 1889, S. 75.
3 Burdach, Ackermann aus Böhmen S.332.335.