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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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X Vorwort

historisch-genetischen Prinzip, in ihm entfaltet sich das Grundproblem, Dar-stellung des Rittertums. Eine Einteilung nach irgendwelchen Neben-problemen würde gegebene literarische Tatsachen zerreißen und den Ge-samtcharakter der Gruppe verwischen. Problemgeschichte im Sinne vonErgründung bestimmter ideeller Gehalte kann erst auf Grund empirischerFeststellung des literarischen Tatsachenverlaufs und dann innerhalb einzelnerMonographien herausgearbeitet werden.

Ist als Leitidee in diesem Bande Darstellung und Deutung des Ritter-tums festgelegt, so wird damit zugleich die stark soziologische Orien-tierung der gesamten ritterlichen Dichtung angezeigt, denn Gegenstand,Ziel, der Hörerkreis und die literarischen Erzeuger bewegen sich im Interesse-gebiet jenes Standes. Sie ist Standesdichtung. Wie stark individuali-sierend auch die Handlung in der Person des Helden gipfelt, diese erhebtsich doch auf dem Untergrund des gesellschaftlich gedachten Lebens, soin den Artus- und Tristanromanen. Eine solche Einreihung in eine be-stimmte Stufe des Gemeinschaftslebens ist zugleich ein Abbild der feudalenSchichtung der Zeit. Der Wirklichkeitsgehalt freilich ist in diesen roman-tischen Phantasien durch eine dichte Decke von Wunderbarkeiten verhüllt,aber vieles Kulturgeschichtliche schimmert doch durch und in den Legendentritt der Schauplatz greifbar hervor.

Die methodischen Grundsätze, die bei der Abfassung dieser Literatur-geschichte maßgebend waren, sind im vorhergehenden Bande (Vorwort zuTeil II, 1) niedergelegt. Sie betreffen die altdeutsche, nicht die neuhoch-deutsche Literatur. Bei der untersuchenden Tätigkeit hat voranzugehen diesorgfältige Sammlung des Tatsachenmaterials, der einzelnen Bausteine imGefüge des zu bearbeitenden Gegenstandes. Auf Grund solcher analytischerBeschreibung kann die zusammenfassende Auslegung erfolgen, die Synthese,die die äußere stoffliche Vielheit zur inneren Einheit verbindet, indem siedie geistigen Grundbedingungen und Zusammenhänge erkennt. Von derDarstellung zur Deutung, vom Wissen zum Verstehen geht diese Forschungs-weise. Auf dieIntuition" aber sollte sich nur berufen, wer sich die Mühegenommen hat, etwas zu lernen. 1

1 Die sorgsamste analytische Arbeit mußder nur mit größter Behutsamkeit zu voll-ziehenden Synthese vorangehen: R. Unger,Literaturgesch. als Problemgeschichte (1924)S. 29; .weitumspannende Synthesen könnennur an mühevoll gewonnene Analysen an-geknüpft werden", H. Schneider, Gesch. d.dt. Lit. I (1925) S. XI. In diesem Sinne sprechensich alle wissenschaftlich berufenen Alt- u.Neuliterarhistoriker aus, vgl. G. Baesecke,Wissenschaftl.Forschungsberichte(1919)S. lf.u. Dt. Vierteljahrsschr. 2 (1924) S. 770776(daselbst Hinweiseauf Troeltsch und Harnack);O. Behaghel, Germ.Roman. Monatsschr. 14(1926) S. 385390; H. Brinkmann, Dt.Viertel-

jahrsschr. 3 (1925) S.615f.; K. Burdach, Eu-phorion 26 (1925) S. 321341 u. VorspielBd.I T.I S. VIII f.; P. Merker, Neue Auf-gaben der dt. Literaturgesch. (1921) S. 33;Günther Müller , Dt. Vierteljahrsschr. 2,681 ff. u. 5 (1926) S. 106ff.; J. Petersen, DieWesensbestimmung d. dt. Romantik (1926)pass., bes. S. 110112; G. Roethe, Weged. dt. Philologie, Berl. Rektoratsrede 1923;H. Schneider aaO. S. IXXIII; J. Schwiete-ring, Besprechg. v. Schneider, Anz. f. dt.Altert. 46 (1927); s. bes. auch der HistorikerWalter Stach,Der mittelalterl. Mensch",Arch. f.Kulturgesch. 16,240. Arbeiten üb.Methodik d. Lit. Wissenschaft s. Teil II Bd. 1 S.V,