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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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448 ". Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

höchsten Wahrheiten menschlicher Erkenntnis in deutschen Versen zu ver-künden.

Notker konnte nur für die Schule schreiben, da wo seine Methodepraktisch ausgeübt wurde. Den schon Wissenden brauchte er nichts zugeben, sie verstanden die lateinischen Urtexte und Kommentare. Er wollteeine deutsche Schulsprache schaffen, nicht eine deutsche Gelehrtensprache.

Damit ist er auch ganz der Repräsentant seiner Zeit.

Karl der Große knüpfte wieder an die römische Kultur an, seine Ge-lehrten setzten die Wissenschaft der Kirchenväter und Kirchenlehrer fort.Alcuin und Hrabanus, wie abhängig sie auch von jenen waren, faßten dochdas hauptsächliche Wissen der Zeit in eigenen Werken zusammen. Es war,so beschränkt sie auch sein mochte, eine Gelehrtentätigkeit. Aber an ihreStelle trat im zehnten Jahrhundert die Kommentarwissenschaft, die Schul-gelehrsamkeit. Unter Karl dem Großen konnte mit der Übersetzung vonIsidors Werke De fide catholica der Versuch gemacht werden, ein schwie-riges wissenschaftliches Thema ganz in deutscher Sprache darzulegen: jetztlas man die Texte mit Kommentaren, die Wissenschaft war Schulwissen-schaft, d. h. Erklärung, und dazu gehörte das Lateinische notwendig, eskonnte hier nicht entbehrt werden.

Doch gerade damit hat Notker der deutschen Sprache, der theodiscaängua, . das hohe Recht eingeräumt, die Vermittlerin dieser Wissenschaft zusein; aber man muß festhalten: er hat sie nur als Mittel gebraucht für seinegelehrten Zwecke. Den Plan, mit der Verwendung der deutschen Spracheauch eine deutsche Wissenschaft zu schaffen, den hatte er nicht und konnteihn nicht haben. Eine nationale Wissenschaft gab es nicht. Eine deutscheTheologie als Äußerung deutschen Geisteslebens hat wiederum erst dieMystik erreicht, jene innigste Offenbarung des deutschen Glaubens. MeisterEckhart hat, wie außer ihm nur Wolfram von Eschenbach, die Worte ge-funden, das Sehnen der deutschen Volksseele zu sagen.

Aber Notker steht in seiner Zeit doch einzig da in seiner Liebe zurdeutschen, zur Volkssprache. Denn, wenn sie ihm in der Hauptsache auchnur ein praktisches Lehrmittel war, es war doch nüchterne Erwägung nichtallein das Bestimmende, in ihm sprach stark mit das Heimatsgefühl. Daherdas liebevolle Verständnis für das Wesen des deutschen Sprachgeistes. Undso machte er auch den feinen Unterschied: die wissenschaftlichen Partien,die kommentarischen, faßte er in der lateinisch-deutschen Gelehrtenspracheab, die erzählenden Teile aber und wohl auch die poetischen lateinischenStücke übertrug er in reines Deutsch. Der Wissenschaft die Klostersprache,dem allgemein Menschlichen die Sprache des Volkes. Hier war das Deutschenicht nur allein Mittel zum Zweck der Verständlichkeit

Karls des Großen Kultur war gegründet auf geistliche und weltlicheElemente, Christentum und Klassizismus im Verein sollten die Bildung imFrankenreiche darstellen. Diese humanistische Epoche wurde abgelöst durch