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I. Die vorliterarische Zeit.
Auffassung die germanischen Personennamen. So ist das Weib in den Helden-liedern der Edda. Aber stark umgebildet wurde diese männliche, heroischeFigur durch das Christentum. Im Beowulf wird die Hausfrau geschildert,die Wahrerin des Friedens, die die Männer zur Freude ermuntert, sie ist diewillkommene Schatzspenderin und beim Gelage kredenzt sie eigenhändigden Metkrug. Doch wirkt die dämonische Auffassung der Frau noch nachim Nibelungenlied in der Walkürengestalt der Brünhild und in der Racheder Kriemhild, der välandinne.
Die Liebe als eine zarte Herzensempfindung, die unbewußt die Seelenaneinander zieht, ist noch nicht episches Motiv. Liebesszenen gab es nicht,höchstens kurze Andeutungen von Gattentreue, Totenklagen und Rachepläne,wenn der geliebte Held gefallen. Die Stelle der Liebesromane vertreten Braut-werbungs- oder Brautraubgeschichten, die ein Nachhall der alten Sitte derRaubehe sind, oder Märchen von der aus der Gefangenschaft befreiten Jungfrau.
Die Stimmung der Dichtkunst ist also ganz und gar heroisch, nichtsentimental. Aber sie ist nicht gefühllos. Eine feine Empfindung geht durchfür die großen Stimmungsgegensätze im menschlichen Herzen, für Freudeund Leid. Beide zusammen bewegen das Leben, auf Freude muß Leidfolgen. So verhängt es das Geschick. Es herrscht über alles, über Gut undBöse, über Freud und Leid, und am Ende beschert es den Tod. Tragischist der Ausgang der uns erhaltenen Stoffe der germanischen Epik.
B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit.
K. Mullenhoff, De antiquissima Qermanorum poesi chorica, Kiel 1847; Gervinusl 5 ,13—99; Wackernagel l 2 ,1—37; Scherer, LG. S. 12—31; Kögel, LG. 1,3—175; Grundr. 2S.29—62; Kelle, LG. 1, 3—49. 289—309; Heusler, Hoops' Reallexikon 1,439—462; Brandl,Pauls Grundriß 2 2 , 941 ff.
1. Lied.
§ 6. Belege. Got. 1 ) Hup in awilittp n. yägig, evxagioua Danksagung,dazu verb. awiliudön evyaQiaretv, yäoiv e%etv, do^d'Qeiv danken, preisen; UupönipäMeiv lobsingen, liupareis cböog Sänger.
An. liöä n. bedeutet die Strophe, liöäa singen (ebenso kvecta).
Ags. leoct n. cantus, canticum, Carmen, poema (leoct jalan, äjalan oderleoct sinjan, äsinjan ein Lied singen), leoälan singen, dazu eine große Zahlvon Substantivzusammensetzungen, 2 ) aus denen sich bestimmte Gattungenvon angelsächsischen Liedern erschließen lassen: jMleoct, hildeleoct, wijle'oct,fyrdleoct Kampflied; sijeleoct Sieglied; 3 ) jryreleoct, hearmleoct, sorhleoct,
') Über das Wort und die Bedeutung'Lied': Wackernagel 1 2 ,9.50.82—84, s. fernerRegister S. 488; Kögel, LG. 1,6 f., Grundr. 2S.34L; Piper, Spielmannsdichtung 1, 41—43.
2 ) Bosworth-Toller, An Anglo-SaxonDictionary S. 634 b (unter leop sind die Kom-posita aufgezählt, deren zweites Glied leopist, S. 634 b u. 635 a diejenigen behandelt, bei
denen leop das erste Glied bildet; salan ebdaS. 359; sinjan S. 876 f.).
3 ) dryhtleoä Elene 342 Scharlied, Lied,das in der Gefolgschar, also besonders in derFürstenhalle beim Gelage vom Scop (gleoman,Harfner) gesungen wurde? scopleoä Lied einesVolkssängers.