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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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242 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

phlac, daz was Friderich (Haupt 39, 29). Ob die Namenaufzählung derTeilnehmer in der Wundergeschichte zur Sitte der Volkstänze gehörte, wie esnach Neidharts Liedern wohl wahrscheinlich ist, also daß auch hier ein Zu-sammenhang zwischen den beiden bestünde, dürfte nicht ohne weiteres mitSicherheit behauptet werden, da bei dem Kölbigker Vorfall auch an dieMöglichkeit protokollarischer Aufnahme der Frevler durch die kirchliche Be-hörde gedacht werden kann. Die Namen zweier Teilnehmer, des Bovo undder Merswind, kehren in dem Liedchen selber wieder. Das gehörte wohl zumStil dieser Improvisationen: in das feste Formelgefüge wurden die Namen vonTanzgenossen je nach Bedarf eingesetzt. Neidhart, der Dichter und Bericht-erstatter der Tanzvorgänge, läßt sich selbst mitspielen und erzählt Geschichtenvon den Tanzgenossen; und im Volkslied wird der Held auch zugleich alsVerfasser genannt, so eben im Lied vom Adelger, Uhland Nr. 74 B Str. 30,oder Peter Unverdorben, Uhland Nr. 126 Str. 7. 1 )

2. Prosadenkmäler.a) Glossen und glossatorische Denkmäler.

§ 46. Die althochdeutschen Glossen.

E. G. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz, 7 Bände (Bd. 7: Register von H. F. Mass-MANN), Berlin 18341846 (der ahd. Sprachschatz ist zusammengestellt unter Beiziehung derbis dahin bekannten Glossen; Graff hat die Siglen, lat. Buchstaben, für die einzelnen Glossen-sammlungen gegeben, die großenteils noch jetzt im Gebrauch sind; das Register der be-nutzten Glossensammlungen steht Bd. I S. XXXIIILXXIII). Das grundlegende Werk, das allebis zu seiner Erscheinung erreichbaren Glossensammlungen enthält, sind: Die althochdeutschenGlossen, gesammelt und bearbeitet von Elias Steinmeyer und Eduard Sievers, 4 Bde,Leipzig 18791898 (l.Bd., 1879, Glossen zu biblischen Schriften; 2. Bd., 1882, Glossen zunichtbiblischen Schriften, bearbeitet von E. Steinmeyer; 3. Bd., 1895, Sachlich geordneteGlossare, bearbeitet von E. Steinmeyer; 4. Bd., 1898, Alphabetisch geordnete Glossare, Ades-pota, Nachträge zu Bd. 13, Handschriftenverzeichnis); A. H. Hoffmann (von Fallersleben),Althochdeutsche Glossen, Breslau 1826 (dazu J. Grimm, Gört. gel. Anz. 1826 S. 15851595 u.Kl. Sehr. 4,403408); Ad. Holtzmann, Die alten Glossare I, Germania 1,110117, II ebda 8,385414, Althochdeutsche Glossare und Glossen, ebda 11,3069; Steinmeyer, Z. f. d. A.15,1119. 16,1111; R. V. Raumer, Die Einwirkung des Christenthums auf die althoch-deutsche Sprache, Stuttgart 1845, S. 79137 (Aufzählung der bis 1845 bekannten Glossen-handschriften); Piper, Literaturgeschichte und Grammatik des Althochdeutschen und Alt-sächsischen, Paderborn 1880, S. 3569 (Aufzählung); derselbe, Alt. d. Lit. S. 6577; Kelle,LG. 1,4446.185. 306f. 370; Kögel, LG. 2,418-443.502523.584f.; Steinmeyer, Ergeb-nisse S. 205208.

Die althochdeutsche Prosa ist eine Nachbildung der lateinischen, diealthochdeutschen Prosawerke sind fast ausnahmslos Übersetzungen lateinischerOriginale. Die Übersetzungskunst begann aber auf die einfachste Weise beimeinzelnen Wort und die ältesten althochdeutschen Denkmäler sind Glossen.

Mlat. glossa, glosa bedeutet Erklärung. In der deutschen Grammatikund Literatur versteht man unter Glossen 'deutsche Übersetzungen einzelner

>) Vgl. Daur S. 109 f.