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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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444 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

doch nicht rein mechanisch. Durch die Überlieferung hindurch gewahrenwir die Züge einer eigenartigen Persönlichkeit.

Was zuerst in die Augen springt, ist seine ungemeine Schaffenskraft.Unermüdlich in der Erfüllung seines hohen Berufs schreckte er nicht vorden umfangreichsten und schwierigsten Aufgaben zurück: noch an seinemLebensende hat er die ungeheure Arbeit an Gregors Moralia übernommenund zu Ende geführt. Den Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeitenbildeten, dem Bedürfnis der Zeit entsprechend, Rhetorik und Logik (Dia-lektik), vom Quadrivium behandelte er die Arithmetik und die Musik, undvon den sieben Künsten stieg er mit den Psalmen und dem Hiob zurTheologie auf. Aber in seinem Boethius hat er mit einer gewissen Freudean Universalgelehrsamkeit auch Abschweife auf andere Gebiete, antike Ge-schichte, Literatur und Mythologie, auf Musik und auch auf die Naturwissen-schaften, besonders die Astronomie, gemacht.

Zuweilen nimmt er in einem seiner Werke Bezug auf das andere oderbenutzt sie gegenseitig. In allen, außer den Psalmen, sind die Topica Cicerosund des Boethius Kommentar benutzt. 1 )

Das Etymologisieren spielte in der spätrömischen Gelehrsamkeitund besonders seit Isidors Etymologien, wo die Definition eines zu er-läuternden Begriffes aus der sprachlichen Gestalt des Wortes abgeleitet wird,eine große Rolle. So sind auch die Quellen Notkers voll von sprachlichenErklärungen, und mit Vorliebe nahm er derartiges in seine Schulwerke auf.Ja statt lateinischer etymologischer Auslegungen versuchte er sich auch andeutschen, z.B. Uidetur autetn esse compositum leht . et eins negatio nleht.quod integre dicitar ein eht. nnde nehein eht. Sicut et corrupte dicituriouuiht . et eins negatio niouuiht usw. Categ. I, 32 (Piper I, 397, 26 bis398, 5). 2)

In der Beziehung auf die Umgebung zeigt sich der praktische Schul-mann, der durch Hinweis auf Bekanntes den Stoff für die Schüler anschau-lich macht und ihr Gemüt zur Teilnahme anregt. So setzt er an Stellegriechischer Gesänge deutsche: däz zesingenne getan ist. also lied . nndeleicha Marc. Cap. II, 24 (Piper 1, 808, 25 f.); sogar rein persönliche Erfahrungschaltet er ein, wenn er Boeth. II, 45 (Piper I, 112, 15 ff.) berichtet, daßunter dem Abt Purchard im Kloster St. Gallen eine sphaera, Weltkugel, ge-macht worden sei, oder wenn er auf die Vita Sancti Galli metrice ver-

J ) Kelle, LG. 1,249.

2 ) Manche der von KÖGEL, LG. 2, 617angeführten Erklärungen sind nicht NotkersEigentum, sondern kommen in Isidors Etymo-logien vor: Epicuros Grece diu latine superporcos Boeth. III, 24 (Piper 1, 134, 21 f.): Is.VIII, 6, 15; Ter hlez ze romo proscriptusBoeth. I, 19 (Piper 1,34,20): Is.V, 27, 30;Telum ist kespröchen föne demo chriechisken

II, 12 (Piper I, 67, 24f.): I S. XVIII, 7,10. Er-klärung deutscher Wörter durch deutsche s.Kelle, Die S. Galler Deutschen SchriftenS. 41 (245); die Erklärung binez (Binse), weilsie immer grün ist von der Nässe, föne deronäzi Marc. Cap. II, 7 (Piper I, 787, 1 f.), gibter in Anlehnung an Isidors Etymologie vonpapyrus, Is. Etymol. XVII, 9, 96; sigo vonSignum abgeleitet (Kelle a. a. O.) ist ver-

uuörte telon. täz ch'it longum latine Boeth. ; anlaßt durch Isidor Etym. XVIII, 3,