B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker in. von St. Gallen. 437
Zusätzen zu Ps. 21, 19 und Ps. 65 Randbemerkung zu 15; andere Rand-glossen finden sich noch zu Ps. 4, 2.10. 16, 14. 17, 6. 39,16. 50, 12. 118, 43.134,1.138,21; endlich gehört hierher das Dictamen diei scholaris cuius-dam debitum zu Canticum Deuteronomii, Piper S. 628).
In seinen Untersuchungen über die Psalmen hat Kelle die Wortformenund den Wortschatz des Textes und der Glossen gesammelt, soweit sie dasVerbum und das Adjektiv betreffen. Aber die Eigenart der Sprache derGlossen gegenüber der des Textes läßt sich aus dieser allgemeinen Statistiknicht erkennen. Vieles beruht hier auf Zufall. Wenn z. B. das Wort Engelnur in den Glossen, nicht auch im Text vorkommt (Kelle, Untersuchungenzur Überlieferung der Psalmen Notkers S. 102), so kann das für den Wort-schatz Notkers nichts beweisen, da Notker immer nur das lateinischeangelus beläßt. Die lateinischen Wörter, die der Glossator übersetzt, wareneben anders ausgewählt, gerade diejenigen, welche Notker lateinisch stehenließ, konnte er ja erst übertragen. Um die Übersetzungsart des Glossatorsgegenüber der Notkers abzuheben, muß jede einzelne Stelle untersuchtwerden. Jedenfalls müssen zunächst die von Ekkehard sicher herrührendenGlossen mit in Betracht gezogen werden, selbst auf die Gefahr hin, daßsie nichts für die Autorfrage der Psalmenglossen ergeben. Sie finden sichvereinzelt in einigen lateinischen St. Galler Handschriften. 1 ) In diesen echtenGlossen Ekkehards sind die vollen Endvokale wie bei Notker bewahrt, auchdas Anlautsgesetz ist beobachtet (meist Tenuis für Media, da die Wörterfast immer gesondert stehen, doch gegen die Regel Media in ümbe grüm-mönt Gl. II, 25, 16; cesötln brot 159, 30; heile gnädigo 327, 1; min blüomo327, 11). Die Akzentuation ist nicht ganz durchgeführt, doch ist die Unter-scheidung zwischen Zirkumflex auf Länge und Akut auf Kürze eingehalten(der Zirkumflex in hello aut bulllechomö 327, 2.3 kann richtig gesetzt seinda das o im Ausruf und Anruf gedehnt wird, vgl. felndjö, mordjÖ). DerAkut in der Interjektion 6 ist Merkzeichen für das kleine Wörtchen 2 ) undkommt bei der Interjektion 6 oft in lateinischen Handschriften vor. DerPunkt über e in kelüsten, kötäte Gl. II, 40, 8. 10 kann ebenfalls Merk-zeichen sein mit.der Absicht, anzudeuten, daß e hier in der Aussprachenicht übergangen werden soll. In allen diesen Fällen (außer dem letzten)stimmen diese echten Glossen Ekkehards, der Psalmentext Notkers und diePsalmenglossen überein, auf die Verfasserschaft des letzteren lassen sichalso keine Schlüsse ziehen. Nur in der Anwendung des schwachen i be-steht ein Unterschied: Ekkehards Glossen und die Psalmglossen haben imVerhältnis mehr schwache i ä ) als der Text Notkers.
1 ) Steinmeyer, Ahd.Gl.4,Registers.771 | 3 ) Kelle. Untersuchungen zur Ueber-unter Ekkehard IV; DOmmler, Z.f.d.A. 14,18 j lieferung der Psalmen Notkers S.38; Krus-Anm. 1; Kelle, LG. 1,272.410. ' zewski, Die St. Galler Handschrift 'S. 3 f;
2 ) Paul Sievers, Die Accente in ahd. Braune, Ahd. Gramm. § 60, 2.und as. Handschriften S. 15 u. ö.