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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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436
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436 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

in Ps. 106, 2 (459, 19) steht über Prouincia ist diu läntscaft. regio ist diugebiürda die Glossierung: . s . sicut alemannia über Prouincia, . s . sicuttiüregöuue (Thurgau) über regio.

Gegen Ekkehards Urheberschaft führt Kelle (LG. 1,271 f. 410 und ,DieS. Galler Deutschen Schriften' S. 71 (275) ff.) an, er sei ein Vorkämpfer derHerrschaft des Lateinischen in der Schule gewesen und habe die deutscheSprache als barbarisch verachtet. Aber die Schriftsteller des 10. und 11. Jahr-hunderts legen ihre Äußerungen nicht auf die Wagschale. Sie durch-brachen zu oft ihre Grundsätze. Vielfach war es ihnen nur um rhetorischePhrasen zu tun. Ekkehard hat Widerlegungen der lateinischen Grammatik,Rhetorik und Dialektik vom Standpunkt der Kirche aus geschrieben (Dümm-ler, Z. f. d. A. 14,62 ff.), bei der Grammatik verlangt er ausdrücklich eineeinfache Sprache ohne Fesseln der Regeln und ohne erhabene rhetorischeFloskeln, und doch schreibt er selbst den allerverschrobensten Stil und gibtbombastische Regeln für die Schmückung des Ausdrucks (ebda S. 33 ff.).Wenn er auch die deutsche Sprache für minderwertig erklärt, so hebt erdoch andrerseits in dem Nachruf auf seinen Lehrer Notker (Kelle, LG. 1,394;Baechtold, Anmerk. S. 17 f.) gleich am Anfang hervor, daß dieser mehrere Bücherdeutsch erklärt habe aus Liebe zu seinen Schülern (Z. 1) und damit sich alle,welche deutsch {barbaricam [linguam]) lesen können, an seinem Psalterergötzen (Z. 15). Unmittelbare Beweise, daß Ekkehard die Erklärung durchdeutsche Worte nicht verschmähte, sind ja seine eigenen deutschen Glossen,die er in verschiedenen lateinischen Handschriften angebracht hat. Er kannalso wohl dem Beispiel seines Lehrers gefolgt sein und für die Schuleund zwar in Hinsicht auf die früheren Klassen denn die Psalmen wurdenschon in dem elementaren Unterricht behandelt jene deutschen Inter-linearversionen in Notkers Text eingefügt haben. Sicher von ihm rührenandere Zufügungen in den Psalmen her, so die Überschrift (Incipit trans-latio barbarica usw., Piper II, 3,1 f.), die zwei Schlußverse der Hs. R, und"die leoninischen Hexameter im Psalm 9 (Piper S. 22), *) die die Namen dervorher glossierten Personen enthalten; ferner die in den Text eingeschobenepolemische Stelle Ps. 21,19 (Piper S. 70) gegen die lothringischen kirch-lichen Neuerungen durch die Schüler des Abtes Poppo von Stablo (Poppowar Abt dieses lothringischen Klosters 10201048, der mit ihm hier ge-nannte Richarth ist der Abt Richard von S. Vannes inVerdun, f 1046), 2 )und die Erläuterungen in Ps. 65 der Interlinearzusatz uuälaha de stabulov65, 12 sowie die zwei Randbemerkungen zu 65, 12 und 15 (Piper S. 248.249), denn sie stimmen zu der in seiner Chronik ausgesprochenen Ab-wehr der strengen Reform (besonders die Äußerung über die Mönchs-kleidung in den Casus S. Galli X, 87 kehrt ebenso wieder in den Psalmen-

*) Henrici, Quellen von Notkers Psalmen | 2 ) Kelle, LG. 1,267.269.409.410; Kelle,

S. 26. | Die S. Galler Deutschen Schriften S. 68 (272)«