B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker iii. von St. Gallen. 435
erestun transgressione F. d. adämis überstephido 84, 2 (S. 350); des iun-geren sünes iacobis 45, 12 (S. 177); in iacobin iacobis süne 77, 21(S. 315); in israhel an israhelis chint (ebda); filii heli des euuartensüne 77, 64 (S. 322); questiones sind nicht nur fräga, sondern uuisfräga54,22 (S. 210); lumen de lumine wird gesteigert klänzlieht föne gelänze-liehte 35,10 (S. 126); precium suutn da.j iro heiliga uuerigelt 93, 2 (S. 394);impietas daz ärgesta übil 87, 7 (S. 362). Ein Beispiel für die verständnis-volle Berücksichtigung des Zusammenhangs, in dem ein zu erklärendes Wortsteht, gibt die Stelle 21,18 (S. 69): hier stehen sich gegenüber carnem mitdien ougon und nals uerbum mit dien herzon, carnem wird ziemlich wört-lich mit lichamin glossiert, aber uerbum mit Göteheit, Göteheit ist ausdem Sinn des folgenden Gegensatzes herausgenommen: Sie bechandonmih hominem. nals deum, wo hominem mit mennischen, deum mit Gotglossiert ist. Manchmal stehen in den Glossen selbst noch erläuterndeSynonyma und Zusätze: discipulorum iungeron i . iudas 3, 1 (S. 7); derpauper ist spiritu arm in muöte . i. toümote Diapsalma 9 (S. 29); casti-tatis reinltchamin ioh selretni 78,5 (S. 326); regeneratio uuidirburt. i. toufi77, 4 (S. 312); genus organi ein slahta örginsangis . so also seitspil ist91,2 (S. 388); unz an mare magnum (unz an) michelin seh . ih meinoden mittemere 79, 10 (S. 330).
Das ist nicht eine gewöhnliche Glossierungsart, wo übliche, traditionelleÜbersetzungen handwerksmäßig über die lateinischen Wörter geschriebenwerden, sondern die Glossen sind individuell gewählt. Auch wird nicht eineeinmal geprägte Übersetzungsformel ständig beibehalten, sondern der Ver-fasser wechselt mit den Ausdrücken, oft zum Zwecke feinerer Bedeutungs-schattierung. Leicht findet er Synonyma. Besonders liebt er es, Eigen-namen zu übersetzen — dafür gab es Schemata —, um zugleich das innereWesen der betreffenden Personen oder Dinge charakteristisch hervortretenzu lassen. So bezeugen deutlich die manchfaltigen Bezeichnungen fürecclesia sein Bestreben, in das Verständnis des Psalmtextes tiefer ein-zudringen. Nur selten kommt für ecclesia die Wiedergabe durch chilichavor, und zwar da, wo ecclesia das Gotteshaus bedeutet (S. 432. 462), häufigdagegen cristanheit oder samenunga etc. als Gemeinschaft der Christen,dabei auch die allegorische Vorstellung, die in Augustins Kommentar durch-geht, von der Kirche als der Braut Christi: prüt, kotes prüt, prütsamenunga.
Die Glossen rühren nicht von Notker her, denn Flexion und Wort-geschlecht, Wortbildung und Wortvorrat weichen mehrfach von seinem indem Psalmtext niedergelegten Sprachgebrauch ab. 1 )
Man hat sie Ekkehard IV zugeschrieben. Und wohl nicht mit Un-recht. 2 ) Ein Schweizer aus dem Thurgau war der Glossator jedenfalls, denn
') Kelle, Untersuchungen zur Ueber-lieferung der Psalmen Notkers S. 42 ff.; LG.1,268—273.4101; Henrici, Z. f. d. A. 22,
227 ff.
■') Hattemer 2.16.536; Dümmler, Z. f.d. A. 14, 28; Ernst Henrici a. a. O.
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