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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker in. von St. Gallen.

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Die Überlieferung von Notkers Psalmen ist manchfaltig, aber sie kommtdem Urtext nicht so nahe, wie dies bei den andern Werken Notkers derFall ist, denn von diesen besitzen wir gute Handschriften, während dieHaupthandschrift der Psalmen, die St. Galler Hs. R, ziemlich jünger ist alsdas Notkersche Original und fehlerhafter als die sonstigen HandschriftenNotkerscher Werke.

Das Handschriftenverhältnis !) läßt sich in folgendem Schema darstellen:Original Notkers

Alte, sorgfältige Abschrift,

vielleicht = S, woraus

vielleicht W 1 ein

Bruchstück ist

Überarbeitung

Abschriften zweiter Linie

R* W 2

a ist besser als b

IPU 2

(schwächere) X A Y (stärkere)

Als Quelle 2 ) für die Erklärung seiner Psalmen gibt Notker selbst inseinem Briefe an den Bischof Hugo Augustinus an, damit sind gemeintdie für die Psalmenauslegung im Mittelalter maßgebenden Homilien Augu-stinsEnarrationes in Psalmos" (Exemplare davon werden im St. GallerKatalog von 1461 erwähnt, Weidmann S. 405). Auch im Text zitiert er Augu-stinus einige Male (an sieben Stellen). Aber nicht das ganze umfangreichePsalmenwerk Augustins gibt er wieder, er bringt nur einen Auszug: kaumden zwanzigsten Teil hat er übernommen, oft mit Änderung der Gedanken-folge im Inhalt, aber sonst in starker Abhängigkeit. Weggelassen ist vor allemdas Predigtmäßige, das von Augustin unmittelbar für die Hörer Berechnete.Stark ist auch die Expositio in Psalmos Cassiodors benutzt (im St. GallerBreviarium des 9. Jhs. und im Katalog von 1461 sind Exemplare ver-zeichnet, Weidmann S. 381.413 PllRH). Er nennt ihn zweimal. Ausihm zieht er hauptsächlich die wissenschaftlichen Bemerkungen über Gram-matik, Rhetorik, Naturgeschichte. Den Hieronymus zitiert er ebenfallszweimal, und er muß wohl dessen verlorenen Psalmenkommentarbenutzt haben (Jeronimus super [in] psalterium im Katalog von 1461, Weid-mann S. 407 S 5.408 BD 7; ein Psalterium Optimum glossatum in GrimaldsBibliothek ebda S. 397). Von Eigenem hat Notker nicht viel hinzugetan,

Notkerhandschrift des 14. Jhs., Diss. Greifs-wald 1900. dazu Steinmeyer, Berliner Jahres-bericht 19£ S. 77.

*) Heinzel, Z. f. d. A. 21,160177.

2 ) Ernst Henrici, Die Quellen von Not-kers Psalmen, QF. 29, Straßburg 1878, dazuSteinmeyer, Z. f. d. A. 23, Anz. 5, 216221;j Seiler, Z. f. d. Phil. 10, 228238.