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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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429
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B. Dm Literaturdenkmäler. § 82. Notker iii. von St. Gallen. 429

bei Innsbruck und ist irn Kloster Wessobrunn abgefaßt worden. 1 ) Sie ent-hält den ersten und den dritten Teil der Psalmen, Ps. 150 und 101150,und außerdem die Wessobrunner Predigten und Wessobrunner Glaube undBeichte. 2 ) Der Dialekt istbairisch; 3 ) die Psalmen sind wohl, wie die Predigtenund Glaube und Beichte derselben Handschrift, im Kloster Wessobrunn ge-schrieben. In dem Wessobrunner Bibliothekskatalog des 12. Jahrhundertssind als Nummern 79 verzeichnet: prima, secunda, tertia pars psalterü. 4 )Ob darunter unsere nur den ersten und dritten Teil der Psalmen enthaltendeHandschrift gemeint ist, das ist allerdings sehr fraglich. Die Akzentuationund das Notkersche Anlautssystem sind aufgegeben.

Y entfernt sich noch stärker von dem Vulgattexte als X. Es ist eineUmarbeitung in einseitig theologischem Sinne, wobei das weltliche Wissender Artes ausgeschaltet wurde, das in den grammatikalischen, rhetorischen,dialektischen, historischen und mythologischen Einschaltungen niedergelegtwar, und nur das Religiöse, das zugleich das Populäre war, beibehalten ist.Aus dem humanistischen Werke Notkers ist ein rein theologisches geworden.Eine neue Zeit war in Deutschland heraufgekommen, ein neues Mönchtum, be-herrscht von der cluniacensichen Askese (s. Bd. II dieser Literaturgeschichte).Das Leben war ganz dem Dienste Gottes geweiht, die Weltverneinung verbanntealles Weltwissen. Ein Ausdruck dieser klerikalisierenden Bestrebungen in demGebiete der deutschen Literaturgeschichte ist diese Bearbeitung von NotkersPsalmen. Der Abt Wilhelm von Hirsau war der erste und gewaltigste Eiferer,der diese neue Idee der Gottesherrschaft durch die Weitabtötung unter seinenMönchen einführte (1077). Von dem einsam in dichten Wäldern gelegenenSchwarzwaldkloster verbreitete sich der Hirsauer Orden schnell und wuchszur entscheidenden Macht im Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum.Viele Klöster des Schwarzwalds (wie St. Blasien), Oberschwabens, Baierns,der Steiermark, Kärntens (darunter auch St. Paul) wurden durch die HirsauerMönche reformiert. In einem Schwarzwaldkloster ist die rein theologischgerichtete Umarbeitung von Notkers Psalmen verfaßt, die unserer Wesso-brunner Hs. Y zugrunde liegt, aus St. Blasien auch stammen die ebenfallsschon stark geänderten St. Pauler Blätter.

Die Umarbeitung von Y ist eine gründliche. Erwähnt ist schon dieAusschaltung der weltlichen Gelehrsamkeit. Auch das sprachliche Gewandist ein anderes geworden. Die lateinischen Worte sind meist durch deutscheersetzt nur bekanntere sind manchmal lateinisch stehen geblieben,

!) Siehe oben S. 316 Wessobrunner Gl. | Piper, Die Schriften Notkers III. Bd., Wesso-u. B. I und S. 335 Wesssobrunner Predigten; | brunner Psalmen, Predigten und katechetische

MSD. II 3 , 403 f. 418 f. 421. 440; Piper IS. XCVII. IIIS.H.

2 ) Ausgaben. Notkers Psalmen nach derWiener Handschrift hgb. von Richard Hein-zel und Wilhelm Scherer, Straßburg 1876,dazu Ernst Henrici, Z. f. d. A. 22, 226231;

Denkmäler.

3 ) R. Heinzel, Wortschatz und Sprach-formen der Wiener Notker-Handschrift, WienerSB. 80 (1875) S. 679744. 81 (1875) S. 203bis 350. 82 (1876) S. 523540.

*) Becker, Catalogi Nr. 113 S. 229.