426 U- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Kategorien auf S. 6—38, der Kommentar auf S. 44—202, der Text der Her-meneutik S. 203—220, der Kommentar dazu S. 221—339; in Nr. 830: diegrößere Ausgabe der Hermeneutik auf S.3—264 (ScherrerS. 275 f. und 281 f.;Weidmann S.421 G 23 u. B 23).
Die Kategorien des Aristoteles sind die acht (oder zehn) Haupt-gattungen, in welchen unsere Begriffe (das Denkbare) zusammengefaßt sind,Begriffsgruppen. Im allgemeinen kann man den Inhalt der vier Bücher,wie sie bei Notker vorliegen, folgendermaßen bestimmen: B. I, Piper S. 367bis 398: Substanz; B. II, S. 398—448: Quantität; B. III, S. 449—468: Quali-tät; B.IV, S. 468—491: Relation, Zeit (De priore, simul), Tätigkeit (motus),S. 491-495.
Da das Grundgesetz des Aristoteles lautet: die Sprache ist der Ausdruckdes (gemeinsamen) Denkens, so ist der Begriff das ausgesprochene Wort; derSatz das ausgesprochene Urteil; die Verbindung von Sätzen, die im Verhältnisvon Voraussetzungen (Prämissen) und Folgerungen stehen, ist der Schluß.
Die Hermeneutik behandelt dieses Verhältnis von Wort — Satz — lo-gischer Satzverbindung zu Begriff — Urteil — Schluß. Des Boethius Kom-mentar der Hermeneutik, De interpretatione, ist in sechs Bücher geteilt.B. I bespricht Nomen, Verbum; B. II: Oratio (enuntiatio, dictio), Nomenund Verbum; B. III: Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft; B. IV. V. VI ent-halten die Urteile.
4. *Principia arithmeticae (verloren).Mit dieser mathematischen Abhandlung ist Notker auf das Gebiet desQuadriviums übergegangen. Welches lateinische Kompendium er hier be-arbeitet hat, ist aus der kurzen Angabe in dem Briefe an den Bischof Hugonicht zu ersehen. In dem ältesten Bücherverzeichnis der Bibliothek vonSt. Gallen, dem Breviarium des 9. Jahrhunderts, ist eine Arithmetica Boetinotiert (Weidmann S. 365) und im Katalog von 1461 ein Tractatus de artecalculatoria (ebda S. 417, F 15). Man denkt am ehesten, daß Notker auchhier dem Boethius gefolgt ist und also dessen Institutio arithmetica benutzthat. Aber in seinem Briefe nennt er hier den Namen des Verfassers seinerQuelle nicht, was er sonst immer tut. 1 )
Gruppe d.1. Der Psalter.2)Hss.: R. St. Gallen 21,3) fol. 578 S., 12. Jh., enthält auf S.8—574 Not-
') Kelle, Die S. Galler Deutschen Schrif-ten Notkers S. 46 (250), LG. I, 235. UeberMathematik im früheren Mittelalter s. MoritzCantor, Vo'rlesungen über Gesch. der Mathe-matik, Bd. 2,2. Aufl., Leipzig 1894, S. 769—857.
a ) Ausgaben. J. Schilter, Thesaurusantiqu. teut. 1726, tom. I pars 1 pag. 1 ff.;Hattemer 2,10—532, dazu Steinmeyer, Z.f. d. A. 21, Anz. 3,138—164, und Piper, Z. f. d.Phil. 11, 275—285; Piper, Die Schriften Not-
kers Bd. II; Facsimile aus dem Seeoner Blattin München, Cgm. 188 (Hs. U 1 ), bei Petzet u.Glauning Nr. XIV. — Sprache s. oben S. 409f.u. bes. Kelle, Untersuchungen zur Ueberliefe-rung; Wardale, Darstellung des Lautstandes;Kruszewski. Die St. Galler Hs. ... hinsicht-lich des Anlautsgesetzes; Mischprosa s.obenS. 419 (Schiffmann, Paul Hoffmann).
s ) Scherrer, Verzeichnis S. 8—11 (Ab-schrift des 17. Jhs., Cod. 1286, ebda S.443);