B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker iii. von St. Gallen.
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Trostbuch, denn dieses hat die ethische Tendenz der Vereinigung desMenschlichen mit dem Göttlichen, und der starke wissenschaftliche Ein-schlag in der Consolatio liegt im Stoff selbst, weil eben die Philosophiees ist, welche jene Einheit herstellt. Zu einem Lehrmittel der Rhetorik undDialektik ist des Boethius Werk erst durch die Schulmänner und Kommen-tatoren des früheren Mittelalters gemacht worden.
Für die Schulgelehrsamkeit des Triviums und Quadriviums war Mar-cianus Capella das wichtigste Handbuch und wurde oft kommentiert (s. Mani-tius, Register S. 749). In den Schulen konnte es wegen des schwierigenLateins allerdings erst bei vorgerückten Studien gebraucht werden. 1 )
In der dritten Gruppe des Notkerschen Briefes folgen nun zwei logisch-dialektische Schriften des Aristoteles:
2 und 3. Die Kategorien und die Hermeneutik(De interpretatione, IIeqi egjurjveiag). 2 )
Hss.: A. St. Gallen 818,3) 296 S. fol., 11. Jh., enthält S.3—143 die Kate-gorien, S. 143—246 die Hermeneutik, dann folgen Ciceros Topica S. 247bis 287 und De optimo genere oratorum S. 288—295. Dieselbe Handschriftist im Katolog von 1461 verzeichnet mit den Worten Translacio Notkeri inPeriermenios Aristotelis (Weidmann S. 417).
B. St. Gallen 825, die gleiche Handschrift, welche den Boethius enthält,auf welchen die Kategorien folgen (S. 275—338).
Die beiden Handschriften A und B gehen unabhängig voneinander voneinem gemeinsamen Original ab. B ist von A stark verschieden.
Beide griechische Abhandlungen des Aristoteles sind von Boethiusins Lateinische übersetzt und mit Kommentar versehen worden; diese latei-nischen Kommentare des Boethius hat dann Notker ins Deutsche über-tragen. Die Kommentare des Boethius tragen den Titel Commentariorum incategorias Aristotelis libri IV (verfaßt 510); bezw. In librum Aristotelis deinterpretatione editionis secundae id est maiorum commentariorum (nach 510),das ist der größere Kommentar des Boethius zur Hermeneutik, der fürwissenschaftlich Vorgeschrittenere bestimmt war (2. Ausgabe), während derkleinere, elementarer gehaltene Kommentar für Anfänger geschrieben war(1. Ausgabe). Der lateinische Text der Kategorien und der Hermeneutik,der Notker zur Vorlage gedient hat, ist noch vorhanden, und zwar in denSt. Galler Hss. 817 und 830, die beide aus dem 11. Jh. stammen und indem Katalog von 1461 aufgezeichnet sind. In Nr. 817 steht der Text der
1 ) Specht S. 84 u. Register S. 404.
2 ) Ausgaben. E. Q. Graff, Ahd. Ueber-setzung und Erläuterung der aristotelischenAbhandlungen: nazTjyogtai und jtsgi kg/Lit]vsiag.
Abhandlungen der Berliner Akademie 1835S. 267 ff. und Sonderabdruck 1837; Hat-temer 3, 373—526, dazu Steinmeyer, Z. f.d. A. 17,450 f. 474—503. 18,160, und Piper,ZA. d. Phil. 13,322—337; Piper, Die Schriften
Notkers 1, 365-588, Lesarten I S. CX—CXLIu. CXLI—CXLVII. — Sprache s. oben S. 409 f.und bes. Kelle, Verbum und Nomen. — Kelle,Die philosophischen Kunstausdrücke usw.und Die rhetorischen Kunstausdrücke usw.;R. Schmidt, Die Kategorien des Aristotelesin S. Gallen, Erlangen 1874.
3 ) Scherrer, Verzeichnis S. 276; Hat-temer 3,375f.; Piper I S.V.