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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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424 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

den ersten Worten der Einleitung selbst mit: Remigius leret unsih tisenauctorem in älenämen uuesen geheißenen martianum usw. (Piper I, 687, 5 f.).Remigius wieder stützt sich auf die Kommentare seiner irischen Lehrer, desJohannes Scotus Eriugena und des Dunchad. Hier können wir NotkersÜbersetzungsmethode gut beurteilen: er hat seine Vorlage eingehend be-nutzt, viele der kommentierenden Zusätze stammen großenteils aus ihr,,aber er hat keineswegs den ganzen, sehr umfangreichen Kommentar desRemigius ausgeschrieben, sondern prüfende Auswahl getroffen, auch oftgegensätzliche Behauptungen aufgestellt. Wir lernen auch hier Notker alseinen selbständig denkenden Gelehrten kennen. Wie im Boethius, so istauch hier das schwierige, geschraubte Latein der Vorlage durch Änderungder Wortstellung dem Lesenden und Lernenden genießbarer gemacht. 1 ) Dielateinischen Termini sind wie im Boethius selten in dem Grundtext, öfter inden kommentierenden Teilen belassen.

Von der Person des Marcianus Capella*) ist fast nichts bekannt. Erwar Afrikaner aus Karthago, Neuplatoniker, Heide, und schrieb sein Werkum 410430. Es ist eine Enzyklopädie der sieben freien Künste, verbrämtdurch eine Allegorie, nach der es den Titel trägt 'Hochzeit der Philologieund des Merkur'. Buch I und II, gerade die, welche allein wir in NotkersBearbeitung besitzen, enthalten die mythisch-allegorische Einkleidung.

Merkur, der sich vermählen will, befragt auf Rat der Virtus den Apollo,der ihm vorschlägt, die Philosophie, die gelehrteste Jungfrau, zur Frau zunehmen. Merkur, Apollo und Virtus ziehen zum Palast Jupiters in denHimmel, um diesem den Wunsch Merkurs vorzutragen. Die Versammlung derGötter erteilt die Zustimmung zu der Vermählung (Buch I). Die Braut wirdvon ihrer Mutter Phronesis geschmückt, von den neun Musen gefeiert, vonden vier Kardinaltugenden begrüßt, von den drei Grazien mit Anmut begabtund in Jupiters Palast zum Himmel geleitet. Die Götter sind versammelt.Sie erhält die Hochzeitsgeschenke. Unter diesen sind sieben Mägde, dassind die sieben freien Künste (Buch II). Jedes der folgenden sieben Bücher(III IX), die aber in unserer Handschrift nicht mehr überliefert sind, istnun einer der Wissenschaften gewidmet und zwar in der Reihenfolge desTriviums und Quadriviums. Eingestreut sind Gedichte in verschiedenenRhythmen und auch alle Bücher, außer Buch VIII, beginnen mit solchen.Die Nuptiae sind von Anfang an als Lehrbuch der sieben Künste angelegt,die ja auch in Buch III IX im einzelnen, abgesehen von der sich zwischen-durch schlingenden Allegorie, schulmäßig behandelt werden. Durch diesenZweck unterscheidet sich das Werk des Marcianus Capeila von Boethius'logiae et Mercurii zum Kommentar des Re- [ Register S. 749; Teuffel a. a. O., Register

migius Antissiodorensis, Forschungen undFunde, hgb. von Franz Jostes, Bd. 111 H. 2,Münster 1911.

J ) W. Manthey, Syntaktische Beobach-tungen, s. oben.

2 ) Ueber Marcianus Capella: Manitius 1,

unter Martianus Capella S. 569; Ueberweg-Heinze 2 9 , Register S. 390; Prantl, Ge-schichte der Logik a. a. O. Ausgabe: MartianvsCapella Franciscvs Eyssenhardt recensvit,Lipsiae (Teubner) 1866.