B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker in. von St. Gallen. 423
einen Kommentar, der aber verloren ist (Manitius 1, 511). Die Vermutungwird gerechtfertigt sein, daß auch hier Notker unter dem Einfluß des Re-migius stand.
Notker erwähnt Terenz im Boethius gleich nach dem Cato: Aber teren-tius comicus ter nelerta nieht tie mores . uutolih sie uuesen salin . nübe■er änteröta. uuto corrupti sie sin an dien menniskön . Pe diu chdd er.Descripsi mores hominum . iuuenumque . senumque. Täz chtt . ih änterötadero menniskön site (Piper I, 101, 29—102, 1). Also auch Terenz gehört wieCato zu den Ethikern, jedoch lehrt er, wie man es nicht machen soll. EineStelle aus der Andria (1,1,11) ist zitiert im Boethius Buch IV Cap.39 alsBeispiel für lateinisch liberalitas: Also terentius chit . seruiebas libera-liter . Dä3 cheden uuir . Du dtenotöst uuilleuualtigo (Piper I, 273, 29—31).
Unter den Komödien des Terenz war besonders die Andria in denSchulen als rhetorisches Hilfsmittel gebraucht. Von ihr heißt es in demProlog des Eugraphius: Ac prima (comoedia) nobis ea sit, quae et puerissemper est tradita (Eugraphius ed. Wessner a. a. O. Z. 6 f.).
Gruppe c.1. Marcianus Capella, De nuptiis Philologiae et Mercurii. 1 )
Hs.: St. Gallen 872, 11. Jh., enthält auf S. 4—170 Buch I und II deslateinischen Werkes mit der Übersetzung Notkers. „Der Codex ist bis S. 80ein Rescriptus, ... die ausgelöschte, wenig ältere Schrift, enthielt einengrammat. Traktat" 2 ); mit S. 92 wechseln die Schriftzüge. Die Handschrift istin dem Katalog von 1461 verzeichnet: Liber Marciani felicis Cappelle .Idem barbarice (Weidmann S. 422; Kelle, LG. 1,236. — Die Akzentuationist hier nicht so sorgfältig wie im Boethius.
Die Handschrift enthält also nur die beiden ersten Bücher des Mar-cianus Capella. Ob Notker bloß diesen Teil übersetzt hat oder noch mehr,das ganze Werk, ist nicht sicher. Nach den Worten seines Briefes an Hugovon Sitten, transtuli nuptias philologiae, muß man auf Übersetzung desGanzen schließen.
Bei diesem Werke Notkers sind wir in der Lage, bestimmt zu wissen,daß er den Kommentar des Remigius») benutzt hat, denn er teilt dies in
Terenzkommentar: Cum omnes poetae vir-tutem oratoriam semper versibus exequan-tur, tum magis duo viri apud Latinos, Vir-gilius et Terentius (Aeli Donati CommentumTerenti ed. P. Wessner, Teubner 1908, Vol. IIIpars prior, Eugraphii commentum continens,S. 3).
J ) Ausgaben von Notkers MarcianusCapella: E. Q.Graff, Althochdeutsche Ueber-setzung und Erläuterung der von MartianusCapella verfaßten zwei Bücher De nuptiis,Berlin 1837; Hattemer 3, 257—372, dazuSteinmeyer, Z. f. d. A. 17,450.464—474.504.18,160, und Piper, Z. f.d. Phil. 13,316—322;Piper, Die Schriften Notkers I. 685—847, Les-
arten I S. CLXXVI—CLXXXXII. — Spraches. oben S. 409 f. und bes. Kelle, Verbum undNomen; Manthey, Syntaktische Beobach-tungen; Feigl, Stellung der Satzglieder.
2 ) Scherrer, Verzeichnis S. 302; Hat-temer 3,259—262; Piper I S. LXXXIXf.
3 ) Zum Kommentar des Remigius s.Manitius I, 513—515 und Register S. 749;Eyssenhardts Ausgabe des Marc. Cap. Einl.S. III u. XXVIII ff. Der Kommentar ist nochnicht gedruckt, eine ausführliche Vergleichungzwischen Notkers Uebersetzung mit demKommentar unter Benutzung von zwei Münch-ner Hss. desselben gibt Karl Schulte,Das Verhältnis von Notkers Nuptiae Philo-