B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker in. von St. Gallen. 421
Apparat, da ist die wirkliche Mischsprache am Platze, da sind auch dieBegriffe und ihre logischen Erläuterungen lateinisch ausgedrückt.
Stellenweise hat Notker die in die Consolatio eingelegten lateinischenGedichte, die Metra des Boethius, durch assonierende Reimpaare oderwenigstens durch vierhebige Verse wiederzugeben versucht: 1 ) keteta denuuäld kän . ünde die ähä gestän Boeth. III, 122 (Piper 1,222,28f.); Ünde diuhinda bdldo gieng mit tien leuuön . nöh häso hünt neförhta . stille uuör-tenen föne sänge (Piper I, 223,1—3); ünde in der vuüoft scünta . der lüzzelgemähta . ünde in des vuxbes minna lerta . diu imo den uuüoft rähta . däzsang er . ünde röz . ünz is hella erdröz (Piper I, 223,17—19). Die lateini-schen Verse des Originals schon entsprechen hier in der Zahl der Hebungendeutschen Vierhebungsversen, denn es sind trochäische katalektische Dimeter,aber im lateinischen Text bei Notker sind die schwierig zu übersetzendenlateinischen Verse des leichtern Verständnisses wegen in lateinische Prosaaufgelöst. 2 )
2. *De Sancta Trinitate») (verloren).
Es ist die Abhandlung des Boethius darunter zu verstehen (s. obenS. 412), aber nicht die ursprüngliche Gestalt, sondern der Kommentar desRemigius. 4 ) In dem St. Galler Katalog vom Jahr 1461 (Weidmann S. 413)sind drei Exemplare des lateinischen Traktates verzeichnet, von denen nochzwei vorhanden sind. 6 )
*Gruppe b,die verlorenen Übersetzungen dreier poetischer Werke (metrice scripta). Eswaren Lehr- und Musterbücher für den Unterricht in der Rhetorik, alsoauch für die Poetik und Stilistik.
1. *Disticha Catonis (verloren). 6 )Eine Handschrift der lateinischen Disticha Catonis war im 9. Jahr-hundert in der Bibliothek des Klosters St. Gallen vorhanden, laut dem Bre-viarium librorum (Hattemer 1,421; Weidmann S.394; Kelle, LG. 1,235 f. 396).Notker selbst spricht vom Cato im Buch II Cap. 40 seines Boethius, dasüberschrieben ist De partibus philosophiae (Piper I S. 100). Die Stelle lautetTespedeh öuh cato metrice zescribenne. an sinemo libello . däz tir änauähet. Sideus est animus. nobis ut carmina dicunt(101,26 —28). Er führt ihn an unter
*) Kelle, LG. 1, 250 f.; Kögel, LG. 1,618 f.
2 ) Im Bau stimmen diese Verse Notkerssowie der im Cato mit den Beispielen in derRhetorik ziemlich überein (s. oben S. 236 ff.).Es ist der alte dipodische Vers. Die deutschenVerse im Boethius haben einen etwas freierenRhythmus. Aber innerhalb der sonst pro-saischen Uebersetzung des Boethius achteteNotker wohl überhaupt nicht so streng aufden Bau dieser Verse. Besonders bemerkens-wert ist, daß alle Verse Notkers nur in deut-scher Sprache ohne lateinische Worte ab-gefaßt sind.
«) Die verlorenen Werke Notkers sindhier und im folgenden durch ein * bezeichnet.
4 ) Siehe dazu Manitius 1,36.518.
ä ) Scherrer Nr. 134 (11. Jh.) und 768(12. Jh.). Diese beiden enthalten das alteWerk des Boethius, nicht den Kommentardes Remigius; Kelle, LG. 1,234f.
6 ) Zarncke, Der deutsche Cato S. 187 f.;Kelle, Die S. Galler Deutschen SchriftenS.47(251)f, Zu der Uebersetzung des Cato,der Bucolica und der Andria s. Max Herr-mann, Mitteilungen der Gesellschaft für Er-ziehungs- und Schulgeschichte 3, 7 f.