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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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420 n. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

disca (von ahd. thioda 'Volk' abgeleitet) als Muttersprache und lerntenLateinisch, die llngua latina, die Gelehrtensprache. Im Unterricht der Schule,wenigstens auf den untern Stufen, mußte das Deutsche noch mitgeführtwerden, das später in den höheren Klassen aufgegeben wurde. Auch mitdem Glossierungsprinzip berührt sich die Mischsprache. Die deutschenGlossen hatten ja den Zweck, das Verständnis der lateinischen Grundlagezu erleichtern, man war also gewöhnt, Lateinisch und Deutsch unmittelbar bei-einander im Texte zu haben. Das Klosteridiom der Mischsprache wurde dannauch geschrieben, es wird zu einer literarischen, zu einer Schriftsprache. Einebesondere Regel aber gab es für diese Kunstsprache nicht. Die Grundlagefür die lateinischen Sprachbestandteile bildeten immer die wissenschaftlichenBegriffe, aber diese brauchten nicht in jedem Falle lateinisch ausgedrückt zuwerden, und andererseits hinwieder konnten andere Satzteile des Originalsaußer den termini technici lateinisch beibehalten werden. Aber die Kernworteder lateinischen Einmischungen waren und blieben doch immer die Wissen-schaftsbegriffe, und das waren zum größten -Teil Substantiva. 1 ) Diese Ge-lehrtensprache also konnte, da es eine bindende Regel nicht gab, von demEinzelnen eigenartig geformt, sie konnte individuell stilisiert werden. Es konnteeine Kunstsprache erwachsen, in der die lateinischen Elemente in bewußterAbsicht als künstlerische Stilmittel angebracht wurden. In Notkers Boethiusist die Mischsprache fast nur in den rhetorischen und dialektischen Ein-schaltungen angewendet, selten nur sind einzelne lateinische Wörter in demursprünglichen Boethiustext angebracht. Es gehen also zwei Stilarten durch-einander: 1. Die Wiedergabe des Grundtextes mit nur wenigen lateinischenWörtern; die Darstellung des ursprünglichen Verfassers, des Boethius, sollallein zur Geltung kommen, die Erzählung vom Leid und der Heilungwirkt also für sich. 2. In diese erzählenden Partien sind eingeschaltet dielehrhaften, die rhetorischen und dialektischen, die historischen und natur-wissenschaftlichen Erläuterungen und Erklärungen. In diesem gelehrten

J ) Wenn Notker das Deutsche als Mittelzum Verständnis des lateinischen Textes ein-führte, so tat er dies nicht wegen der schwie-rigen Fremdworte und Fremdbegrifte, denn dieließ er mit Absicht meist lateinisch bestehen,da sie ja, wenn verdeutscht, noch schwererbegreiflich sein mußten. Die Erleichterungliegt vielmehr in der besseren Faßlichkeitdes ganzen Satzes, des Gesamtinhalts. Mandarf aber in der Annahme absichtlicherStilisierung nicht zu weit gehen und beijedem lateinischen Ausdruck einen beson-deren Zweck von Seiten der Autoren voraus-setzen. DerGeistlichenjargon" mußte dochden Verfassern aus dem täglichen Verkehrund aus dem Schulgebrauch ganz geläufigsein, sie wendeten ihn denn dann auch wohlim schriftlichen Ausdruck meist gewohn-heitsmäßig an. Bestimmte Kategorien hat

Schiffmann a. a. O. für die Psalmenüber-setzung aufgestellt. Nur auf exaktem Wegedurch Sammlung aller lateinischen Worte,durch genaue Beobachtung der Stellen, wodie wissenschaftlichen Begriffe lateinisch,aber auch wo sie deutsch ausgedrückt sind,kann die Mischprosa ergründet werden.Dazu sind die verwandten Erscheinungenbeizuziehen: das Gedicht De Heinrico, derLiebesgruß im Ruodlieb, die lateinisch-deut-schen und lateinisch-provenzalischen Ge-dichte der Carmina Burana; auch die Satireder Humanisten (z. B. De Generibus Ebrio-sorum) und selbst die maccaronische Poesiehaben ihre Quelle in dieser Theologen-sprache. LieberBarbarolexis" s. bes. EmilHenrici, Sprachmischung in älterer DichtungDeutschlands, Berlin 1913.