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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker iii. von St. Gallen.

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Lehrbuch der Logik und zugleich der Rhetorik und Dialektik. Hier setztendie Kommentatoren ein und benutzten den schon kasuistischen Inhalt, umdaran ihre Erörterungen über Begriffe und Schlüsse zu knüpfen. Das be-sonders eben ist in Notkers Boethius der Fall. Es ist ein rhetorisch-dialek-tisches Lehrbuch. 1 )

Das Werk zerfällt in fünf Bücher. Die Philosophie erscheint dem vomGlück Verlassenen, laut Klagenden. Sie erforscht den Zustand seines Ge-müts: er glaubt, daß die Gottheit die Quelle von Allem ist, und die gött-liche Vernunft, nicht der Zufall regiert die Welt; aber nicht kennt er Gottauch als Zweck und Endziel (Buch I). Sie durchschaut das Wesen seinerKrankheit: es ist die Sehnsucht nach verlorenem Glück. Hier nun kannsie mit ihrer Heilung einsetzen. Sie tut es, indem sie ihn über das Wesender Glückseligkeit belehrt. Zuerst behandelt sie das Thema negativ: dasunstäte irdische Glück, die Lust, das Genießen, Ehre, Macht, Ruhm, Körper-kraft, all dies ist nicht die wahre Glückseligkeit (Buch II und erster Teilvon Buch III). Dann gibt sie die positive Bestimmung und offenbart ihmdas wahre Glück: das ist das Gute, Gott. Gott aber ist auch das Ziel allerDinge (Buch III zweiter Teil). Die Guten sind glücklich, die Bösen elend.Aber die Menschen urteilen anders, denn sie kennen nicht die Weltordnung:Gott ordnet alles zum Guten (Buch IV). Es gibt keinen Zufall. Es gibteinen freien Willen, der Sterbliche hat ungehemmte Freiheit der Ent-schließungen, bestehen aber bleibt doch die Allwissenheit und VorsehungGottes (Buch V).

Die Tröstung also, die die Philosophie verleiht, ist die Erkenntnis 'derwahren Werte des Lebens. Es sind die gleichen, wie sie die Kirchenväterlehren, nur in anderer Vorstellungsform, in klassischer Allegorie. Eingestreutsind Gedichte, Metra, von äußerst kunstreichem Versbau.

Der Stil. Notkers Boethius ist, wie fast alle seine Werke, in Misch-prosa geschrieben, in den deutschen Text sind lateinische Wörter und Sätzedes lateinischen Originals eingeschaltet. Die lateinisch-deutsche Mischprosaist ein echter Ausdruck der Klosterbildung. Lateinische Wissenschaftswörter,technische Bezeichungen der Vorlage für religiöse, philosophische, historischeBegriffe wurden nicht übersetzt, sondern einfach lateinisch beibehalten. Dasist der gelehrteJargon" der Geistlichkeit. 8 ) Die Mönche waren zwei-sprachig, sie hatten das Deutsche, die Sprache des Volkes, die Lingua theo-

!) Deutsche Uebersetzung inmhd. Zeit:A. Bömer, Z. f. d. A. 50,149158.

2 ) Scherer, Leben Willirams, WienerSB. 53 (1866), 293 f.; über Mischprosa s.ferner: Konrad Schiffmann, Notkers Misch-prosa in seinem Kommentar zu den PsalmenXXX und CCIV inkl., 6. Jahresbericht desGymnasiums inUrfahr, 1903, S. 1543; PaulHoffmann, Die Mischprosa Notkers desDeutschen, Palaesüa 58, Berlin 1910 (vgl.

R. v. Kralik, Deutsche Lit.Zeitung 1910,2206ff. 2470); J. Seemüller, Die Hand-schriften und Quellen Willirams, QF.24, Straß-burg 1877, S. 96. 104 f.; derselbe, Williramsdeutsche Paraphrase des Hohen Liedes,QF. 28, Straßburg 1878, S. IX; Fr. Jung-hans, Die Mischprosa Willirams, Diss. Berlin1893 (rez. von J. Seemüller, Z. f. d. A. 39,Anz. 21,225228).

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