416 U- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Vakanzgedicht Ekkehards, in welchem er den Lehrer im Interesse der Schülerbittet, den Tag nach Dreikönig freizugeben (Dümmler, Z.f. d.A. 14,17 u.44f.).Das Ungewöhnliche, das er in dem Briefe an Hugo an seinen Arbeiten sobetont, liegt darin, daß er in der Schule die deutsche Sprache neben derlateinischen anwendete, während doch zu seiner Zeit die lateinische alleinin der Klosterschule herrschte. Damit ist er der Schöpfer einer neuenSchulmethode.
In jenem Briefe gibt Notker die aufgezählten Schriften als seine eigenenArbeiten an. Trotzdem hat die Ansicht Wackernagels (Verdienste derSchweizer S. 26) weite Verbreitung gefunden, die Werke seien nicht nur vondem Meister allein, sondern unter Mitwirkung seiner Schüler verfaßt worden. 1 )Aber es ist nunmehr endgültig erwiesen, daß Notker selbst die ganze großeArbeit allein geleistet hat. Die Sprache ist überall die gleiche, ebenso dieMethode, desgleichen die Zitierung alter Autoren, die Vorliebe für Etymo-logien, die durchgehende Benutzung der Topica des Cicero bezw. desKommentars von Boethius.
Verloren sind leider für uns: Boethius De sancta Trinitate, Cato, VirgilsBucolica und Terenz' Andria, die Principia Arithmeticae und endlich derHiob. Einige der lateinischen Originale dieser Übersetzungen waren einstin der Klosterbibliothek in St. Gallen, wie aus deren Katalogen, dem Bre-viarium librorum des 9. Jahrhunderts und dem Katalog von 1461, zu er-sehen ist. 2 )
Bei der folgenden Besprechung der einzelnen Werke ist die Reiheeingehalten, in der sie Notker in seinem Briefe genannt hat.
Gruppe a.
1. Boethius de consolatione Philosophiae. 3 )
') Die Behauptung wurde zuerst vonW. Wackernagel in seiner Schrift Die Ver-dienste der Schweizer um die deutsche Lite-ratur, Basel 1833, S. 26 aufgestellt und wieder-holt in seinem Ad. Lesebuch, 1. Aufl. (1835)S. XIII, dazu J. Grimm in seiner Besprechung,Gott. gel. Anz. 1835,907 f. und Kl. Sehr. 5,187 ff.Die einheitliche Verfasserschaft Notkers istbewiesen durch Kelle, der die ,Uebersetzer-schule' widerlegt hat in seiner LG. 1, 243 bis245. 262. 402.408, in den oben unter .SpracheNotkers' angeführten Abhandlungen (Verbumund Nomen im Boethius, Marc. Capella,Aristoteles, Syllogismen) und in seinen fol-genden Werken: Die philosophischen Kunst-ausdrücke in Notkers Werken, Abhandlungender Münchner Akademie 18 (1886) 1. Abth.,Die rhetorischen Kunstausdrücke in NotkersWerken, Fortsetzung der Abhandlung DiePhilosoph. Kunstausdrücke in Notkers Werken,ebda21 (1899) 3. Abth., Die S. Galler DeutschenSchriften und Notker Labeo, mit 6 Tafeln,ebda 18 (1888) l.Abth.; vgl. ferner Scherer,Z.f. d.A. 21, Anz. 13, 298 f. u. MSD.II',406;
P. Sonnenburg, Bemerkungen zu Notkers Be-arbeitung des Boethius, Progr. des Kgl. Gymn.zu Bonn 1887; Wunderlich a. a. O.; Baech-told S. 73—75 u. Anmerk. S. 22; Paul Hoff-mann, Die Mischprosa Notkers S. 103 ff.;Weinberg a.a.O.; Ochs a.a.O.
2 ) Die Nachweise s. bei Kelle, LG. 1,234 ff. und hier im folgenden bei jedem ein-zelnen Werke.
3 ) Ausgaben. E. G. Graff, Ahd. Ueber-setzung und Erläuterung der von Boethiusverfaßten 5 Bücher De consolatione philo-sophiae, Berlin 1837; Hattemer 3, 7—372,dazu Steinmeyer, Z. f. d. A. 17, 452—464.504, Piper, Z. f. d. Phil. 13,305—316; Piper,Die Schriften Notkers I, 3—363, LesartenS. XCVIII—CX. — Sprache s. oben S.409LAnm. und bes. Kelle, Verbum und Nomen;Traeger, Studien; Fenselau, Quantität; O.Fleischer, Accentuationssystem; Wolfer-mann, Flexionslehre; Dahm, Präfix gi-\Wunderlich, Syntax; Löhner, Wortstellung;Sonnenburg, Bemerkungen z. Boeth.