B. Die Literaturdenkmäler. § 82. Notker in. von St. Gallen.
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dysiacis 1 ) (der zweite Vers stimmt nahezu überein mit Vers 12 des für Ekke-hard IV. verfaßten Distichons, Z. f. d. A. 14, 48, und, etwas entfernter, mitVers 6 des Epitaphs Ekkehards auf Notker und die Schulmänner, ebda S. 50).Das Distichon ist vielleicht von Ekkehard verfaßt. 2 )
Aus der gelehrten Tätigkeit Ekkehards IV. können wir Schlüsse ziehenauf die reiche Anregung, die von seinem Lehrer Notker ausgegangen seinmuß. Ihm verdankte er seine umfassende, wissenschaftliche Bildung; be-sonders lernte er von ihm die lateinische Schuldichtung sowie die kritischeund glossatorische Behandlung von Texten. Einige deutsche Glossen vonEkkehards eigener Hand finden sich in St. Galler Schriften, besonders inseinem Über Benedictionum. 3 ) Für diese philologische Unterrichtsmethode hater selbst unmittelbare Anhaltspunkte gegeben. Es wurden Übungsstücke inlateinischen Versen gemacht über Themata, die vom Lehrer gestellt waren,Dictamen diei debitum oder Dictamen magistro. Am Schlüsse des LiberBenedictionum schreibt er am Rand Dictamen debitum magistro und daraufweiter, er habe dieses Dictamen und andere, die vom Lehrer zu schreibenaufgegeben worden seien, unter dessen Papieren gefunden und habe siein dies Buch eingetragen, um die Jünglinge zu ebensolchem anzuspornen.Sein Lehrer, der diese Schulgedichte unter seinen Papieren aufbewahrthatte, war kein anderer als Notker; denn er nennt ihn bei solchen Schul-arbeiten im Liber Benedictionum zweimal mit Namen: Dictamen diei Not-kero magistro bezw. Item debitum diei magistro Notkero, ja er redetihn einmal in demselben Liber Benedictionum unmittelbar an Doctor (6Notker) quod canto, ludeum narrasse memento. — Textkritischen EinflußNotkers können wir beobachten an einer fehlerhaften Handschrift des Orosius,die Ekkehard auf seine Anregung verbesserte: domnus Notkerus abradi etutiliora iussit in locis asscribi; und an einer korrigierten Stelle bemerkter, daß Notker selbst diese Zeilen geschrieben habe: Has duas lineasamandas domnus Notkerus scripsit, uiuat anima eins in domino.
Notkers Sprache 4 ) stellt den alemannischen Dialekt um das Jahr 1000dar. Die Orthographie ist mit äußerster Sorgfalt behandelt und in ein die
*) Hattemer 2,13; Piper, Die SchriftenNotkers II, 644.
2 ) Dümmler a.a.O. S.28 Anm.2; Kelle,LG. 1, 271; Scherrer, Verzeichnis der Hand-schriften der Stiftsbibliothek von St. GallenS 9
' a ) Kelle 1, 217 f. 271 f. u. 387 f. 410, wodie Verweise auf die betr. Stellen der Ahd.Gl. Bd. II zitiert sind; über Ekkehards glossa-torische und textkritische Tätigkeit (lateinischeGlossen) s. Dümmler, Z. f. d. A. 14,2 u. 18 ff.;Kelle 1,268—271.210 und Die St. GallerDeutschen Schriften usw. S. 31 f. (235 f.).
*) Flexion. J. Kelle, Das Verbum undNomen in Notkers: a) Boethius, Wiener SB.109 (1885), 229—316; b) Capeila, Z.f.d.A.30, 295—345; c) Aristoteles, Z. f. d. Phil. 18,
342—369; d) De syllogismis, de partibuslogicae, de rhetorica arte, de musica, Z. f. d.Phil. 20,129—150; J. Kelle, Untersuchungenzur Ueberlieferung - Uebersetzung - Gram-matik der Psalmen Notkers, Schriften zur ger-manischen Philologie hgb. von Max Roe-diger, 3. Heft, Berlin 1889; Edith Eliza-beth Wardale, Darstellung des Lautstandesin den Psalmen Notkers nach der S. GallerHs. (englisch), Diss. Zürich (1893); F. Trae-GER, Studien zur Sprache von Notkers ,Boe-tius' (Vokalismus), Münchner Diss. und Lands-huter Gymnasialprogramm, Landshut 1906(dazu Steinmeyer, Berliner Jahresbericht 1906S. 86); Oscar Wolfermann, Die Flexionslehrein Notkers althochdeutscher Uebersetzungvon Boethius: De consolatione philosophiae,