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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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401
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B. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 80. Ruodlieb. 401

Ruodliebs illustriert werden. Aber nur drei der Lehren sind zu erzählendemStoff verarbeitet:Trau keinem Roten",Du sollst nicht durch ein Saat-feld reiten",Kehre nicht bei einem alten Manne ein, der eine junge Frauhat"; die zweite und dritte Parabel sind in die Geschichte des Roten ein-geschaltet. Die Technik, Lehren zum Dispositionsmittel für den folgendenInhalt zu machen, sie als Rahmenerzählung zu benutzen, ist ebenfalls ver-breitet (Parzival als reiner Tor den Lehren der Mutter folgend). 1 ) Ob derDichter nur für jene drei ersten Lehren Beispiele gegeben oder ob er allezwölf, auch noch die andern neun also, parabolisch eingekleidet hat, istnicht sicher zu entscheiden, da das Gedicht ja lückenhaft ist. Die Ge-schichte des Roten beruht, wenigstens in der gegebenen Form, großenteilsauf eigener Erfindung des Dichters. Den Grundgedanken hat er aber viel-leicht anderswoher bezogen.

Nachdem die durch die Lehren bedingten Ereignisse abgeschlossensind, wird der Roman durch Erzählung weiterer Reiseerlebnisse fortgesponnen.Alte Sagenzüge sind hier nicht benutzt. Stark tritt jetzt die Person desNeffen hervor.

C. Den Mittelpunkt bildet hier die verfehlte Brautwerbung, sie ist garnicht typisch sagenhaft dargestellt, sondern ganz modern gewendet.

D. Eine andere Welt setzt ein, aus der Wirklichkeit oder aus dem Mög-lichen tritt man in das Reich der Phantasie. Es ist echte Heldensage: 2 )der Schatz, der den Zwergen abgekämpft, die Braut, die durch Heldentumerrungen wird. Leider ist gerade dieser zweite, sagenhafte Abschnitt desGedichtes nur so trümmerhaft erhalten, daß man die ursprüngliche Gestaltder Sage nicht mehr genau erkennen kann. Sicher aber ist, daß Ruodliebder Name eines in der deutschen Sage bekannten Helden war. Genanntwird er im Gedichte erst V, 223, ist aber hier von einem Korrektor ein-geschrieben worden. Vom Dichter selbst wird der Held erst von XII (SeilerX), 75 an mit Namen bezeichnet. 3 ) Er kommt außerdem noch vor im Ecken-liede (Deutsches Heldenbuch 5,234, 82). Daselbst ist er König und Besitzerdes Schwertes Eckesahs, sein Sohn ist Herbort, der mit diesem Schwertden gefährlichen Riesen Hugebold erschlägt (die Herbortsage; Herbort auchim Biterolf, Deutsches Heldenbuch 1, Register S. 301). Auch die Thidreks-saga kennt den Helden und sein gutes Schwert. Er heißt hier Rozeleif unddiese Form kommt dem ursprünglichen Namen näher, denn der ist Hruod-leib. Einen altdeutschen Namen Ruodlieb gibt es nicht, das -lieb in demNamen unseres Helden ist nur eine Umdeutung aus -leib. Eingeleitetwird der sagenhafte Schluß durch zwei Träume der Mutter, die wohl, wie

>) Seiler S.45; Laistner, Anz. f. d. A. 9, j man. Heldensage S. 631.720; Panzer, Hilde

79 ff.; Singer, Festgabe für Heinzel S. 355 i Gudrun S. 412ff. 430; Laistner, Anz. 9,72;

bis360. i derselbe,Z.f.d.A.29,16f.;KöGEL,LG.2,399

2 )Schmeller, AusgabeS.219223; Sei- , bis 403.

LER, AusgabeS.7880; W.Grimm, D.Helden- j 3 ) Laistner, Anz. f. d. A.9,72; derselbe,

sage, Register unter Ruodlieb; Symons, Ger- | Z. f. d. A. 29,15 f.

. Deutsche Literaturgeschichte. I. 26