B. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 80. Ruodlieb. 399
V. Zusammenkunft der Könige auf der Brücke des Grenzstroms. DieGeschenke des großen Königs werden ausführlich aufgezählt: besonderssind es wertvolle und kunstgelehrige, ausländische Tiere (v. 76—219). — DerRitter erhält einen Brief von seinen Lehensherren und von seiner Muttermit der Bitte, in die Heimat zurückzukehren (v. 223—263). Er erbittet vomKönig Urlaub. Dieser läßt zwei unscheinbare Brote anfertigen, die jedochim Innern in silbernen Schalen Gold und Kleinodien bergen (v. 308—391).Auf Befragen des Königs, ob er als Belohnung Schätze oder Weisheit wähle(v. 423), erbittet der Jüngling das letztere. Der König erteilt ihm daraufzwölf Lehren (v. 451—526) und schenkt ihm zum Schluß noch die zweischatzgefüllten Brote dazu.
B. Ruodliebs Heimkehr.
Unterwegs begegnet der Ritter einem Manne mit roten Haaren(v. 585). Abends kommen sie in eine Dorfgemarkung, der Rote reitetdurch die Saaten.
VI. Einen Hirt befragen sie um Herberge, der nennt ihnen zwei derreichsten Bauern: einen braven jungen, der eine ältere Witwe geheiratethatte (v. 21—116), und einen alten, der eine junge Buhlerin zurFrau genommen (v. 118—123).
VII. Ruodlieb kehrt bei dem guten Ehepaar ein (v. 1—25), der Rotebeim bösen und fängt Liebeleien mit der jungen Frau an (v. 26—129).
VIII. Der Rote hat den Alten erschlagen. Am andern Morgen wird ervor den Dorfrichter geführt [und zum Tod verurteilt]. Die buhlerische Fraubereut ihre Schuld in leidenschaftlichen Selbstanklagen und tut Buße ihrLeben lang.
IX (Seiler XII). Ruodlieb trifft auf der Heimreise seinen Neffen undbewegt ihn, mit ihm nach Hause zurückzukehren.
X (Seiler XIII). Sie kommen auf ein Schloß und werden von derHerrin (der Herr ist tot) freundlich aufgenommen. Vergnügungen: derFischfang, bei welchem Ruodlieb als Fischer durch das Kraut Buglossa (v. 19)eine Menge Fische anlockt; die Mahlzeit; der Hund des Neffen entdeckteinen der Diener als Dieb (v. 66—104).
XI (Seiler IX). Fütterung der Stare; Harfenspiel Ruodliebs (v.25—57);der Neffe und das Edelfräulein tanzen, sie entbrennen in Liebe (v. 58 ff)..
XII (Seiler X). Gespräch zwischen Ruodlieb und der Schloßherrin; sieist Gevatterin seiner Mutter.
C. Ruodlieb wieder in der Heimat.
Ruodlieb und der Neffe reisen ab. Sie nahen der heimatlichen Burg.Ein Knabe, der in den Wipfeln eines Kirschbaums sitzt, erspäht die Kom-menden am Waldessaum; eine Dohle, die die von dem Knaben oft wieder-holten Worte hört „Herr Ruodlieb, eile und komm", behält sie im Ge-dächtnis, fliegt in die Burg zurück und verkündigt sie der Mutter.
XIII (Seiler XI). Bewirtung der Heimgekehrten durch die Mutter. Ruod-