398 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Das Gedicht wurde dem Mönch Froumund von Tegernsee zugeschrieben, 1 )von dem eine Handschrift mit Briefen und Gedichten, eigenen und fremden(Codex epistolaris Froumundi, von ca. 980—1020), außerdem noch ver-schiedene andere Abschriften erhalten sind. Aber Froumund kann nicht derVerfasser des Ruodlieb sein, da seine Sprache und seine Verse zu stark ab-weichen. Allerdings aber ist Tegernsee die Heimat des Gedichtes, denn dahinweisen die Blätter von M. Die Abfassungszeit ist auf 1030—1050 anzusetzen.Man hat ein spezielles Ereignis zur näheren Bestimmung beigezogen: dasBruchstück V erzählt von der Zusammenkunft zweier Könige, die Friedenschließen, auf der Brücke des Grenzflusses (Seiler S. 74 ff.). Die Situationhat Ähnlichkeit mit der Begegnung Kaiser Heinrichs II. und König Robertsvon Frankreich an der Maas im Jahr 1023. Dann wäre das Gedicht nachdiesem Jahre verfaßt worden.
Der Titel, Ruodlieb, ist dem Gedichte von dem ersten Herausgeber,Schmeller, nach dem Helden des Gedichtes verliehen worden.
Inhalt. A. Ruodlieb in der Fremde.
Bruchst. I. Ein junger Ritter aus edlem Geschlecht steht als Ministerialin Diensten eines Fürstenhauses, wird aber schlecht belohnt und sucht sichdeshalb sein Glück in der Welt. Er nimmt Abschied von der Mutter unddem Gesinde. Unterwegs trifft er den Jäger des Königs, mit dem er Freund-schaft schließt (v. 72) und der ihn an den Hof bringt (v. 122).
II. Der Ritter macht sich bei Hof beliebt durch Künste im Fischfangund in der Jagd.
III. Es besteht Krieg zwischen dem großen König, dem Herrn desRitters, und seinem Nachbarn, dem kleinen König. Ein Grenzgraf desletzteren fällt räuberisch ins Land und wird gefangen genommen.
IV. Der Gesandte des großen Königs verhandelt mit dem kleinen Königüber den Frieden. Zurückgekehrt erstattet er ihm Bericht: er ist gut auf-genommen worden, besonders verweilt er bei der Erzählung von demSchachspiel (185—230), zu dem ihn zuerst der Kanzler, dann der kleineKönig selbst aufgefordert hatte.
9, 70 ff. und Die Lücken im Ruodlieb, Z. f. I MSD. II 3 , 153 Den Beweis, daß Froumundd.A.29,1—25 gegen Seiler, Ausgabe S. 15 | nicht der Verfasser war, lieferte Seiler in seinerbis21, richtig angeordnet worden; dazu Sei- Ausgabe S. 160—171 aus der Verskunst und
ler, Die Anordnung der Ruodliebfragmente,Z. f. d. A. 27, 332—338 (Der alte Ruodliebus,ebda 338—342). Ihr folgt M. Heyne in seinerUebersetzung, dagegen sind die Fragm. IXbis XV bei Seiler, der in seiner Ausgabe fastdurchweg Schmeller folgt, sich aber Z. f. d.Phil. 31, 422 ff. Laistner angeschlossen hat, infolgende Reihe zu bringen: XII. XIII, IX. X.XI, XV, XIV.
*) Von Schmeller, Ausgabe S. 224—227.Einsprache erhoben W.Grimm, Zur Geschichtedes Reims S. 142—149 u. Kl. Sehr. 4,278 bis285, und Müllenoff in den Denkmälern,
der Sprache. — Froumund war Mönch inTegernsee um die Wende des 10. und 11. Jahr-hunderts und lebte bis ca. 1020. Sein Haupt-werk ist ein Briefbuch, Codex epistolaris (Clrn.19412). Ueber Froumund s. Wattenbachl 7 , 452 f.; F. Seiler, Froumunds Briefcodexund die Gedichte desselben, Z. f. d. Phil. 14,385—442; G. SCHEPSS, Zu Froumunds Brief-codex und zu Ruodlieb, ebda 15, 419—433;J. Kempf, Froumund von Tegernsee, Progr.des Kgl. Ludwigs-Gymnasiums in München,1900, dazu Strecker, Z. f. d. A. 47, Anz. 29,147—149; Manitius, 1 510f. 598. 615f.