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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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397
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ß. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 80. Ruodlieb. 397

(denn in Liedern werden die alten Heldensagen verbreitet und im Ge-dächtnis erhalten). Und zwar waren alle wesentlichen Züge der Handlungdes Waltharius schon in jenem Liede enthalten. 1 )

Auch dieses vorauszusetzende alemannische epische Lied hatte nichtmehr die ursprüngliche Sagengestalt bewahrt, denn es endete, wie der Wal-tharius, gut. Der Schluß der alten Sage aber war tragisch, denn der Kon-flikt im Freundeskampf mußte mit dem Tode von einem der beiden oderbeider enden (Rüedeger und Gernot). Die Hineinziehung des Freundes-motivs war überhaupt schon in jenem Liede eine Neuerung gegen dieursprüngliche Hildesage.

§ 80. Ruodlieb.

Piper, Alt. d. Lit. S. 302317; Hof. Epik 3,709; Kelle, LG. 1, 277283.414f.; Kögel,LG. 2,342412, Grundr. 2 S. 136138; Steinmeyer, Ergebnisse S. 233; Paul von Winter-feld, Stilfragen S. 911; Derselbe, Deutsche Dichter des lat. Mittelalters hgb. von H.ReichS. HOff. 287361 (Übersetzung). 491503. Gesamtausgabe: J. A. Schmeller in Grimmund Schmeller, Lat. Gedichte S. 127240; jetzige Ilauptausgabe: Friedrich Seiler, Ruod-lieb, der älteste Roman des Mittelalters, nebst Epigrammen, mit Einleitung, Anmerkungenund Glossar, Halle 1882, dazu Ludwig Laistner, Z. f. d. A. 27, Anz. 9,70106. Facsimilebei Chroust, Monumenta palaeographica, Ser. II, 19C8. Übersetzungen: Moriz Heyne,Rudlieb, Übertragung des ältesten deutschen Heldenromans, Leipzig 1897; v. Winter-feld, s. oben.

Hss. 2 ) Das Gedicht ist nur in Bruchstücken überliefert, welche zweiHandschriften angehören: M, Kgl. Bibliothek zu München, Clm. 19486, ausTegernsee, 36 Pergamentblätter 8°, aus der ersten Hälfte des 11. Jhs. DieHs. ist vom Dichter selbst geschrieben, wie aus den sorgfältigen Korrek-turen zu schließen ist 3 ) (vgl. Otfrid, oben S. 171 f.). Die älteste Nachrichtüber den Ruodlieb rührt von B. J. Docen her, der in seinen Miscellaneen 1,69 (1807) eines der Fragmente (Nr. XVIII bei Seiler) erwähnt. Im ganzenwurden von ihm und nach seinem Tode (1829) von Schmeller 34 Oktav-blätter bezw. Stücke von solchen losgelöst von Holzdeckeln TegernseerHandschriften. Dazu kamen 1840 noch zwei Blätter aus Dachau bei Mün-chen. 4 ) Die Pergamenthandschrift also, die einmal zur Gewinnung vonEinbandmaterial zerschnitten wurde, stammt aus dem Kloster Tegernsee.

F, Pergamentdoppelblatt im Stift St. Florian vom Ende des 11. Jhs.,1830 daselbst gefunden, ca. 24 Verse davon stehen auch in M (Seiler XI,31, S. 276).«)

und danach ein Schema aufstellt, so würdedas alte Waltherlied etwa folgenden Auf-bau haben, wobei vorausgesetzt ist, daßes ebenfalls aus einer in sich abgeschlos-senen Szene bestand: 1. Einleitung: Wal-ther trifft mit Hildegund auf die Franken;2. Hauptteil: Walther kämpft mit GünthersVassalien, dann mit Günther und mit Hagen.Im Dialog zwischen Walther und Hagen wirdvon Walther die Vorgeschichte an Attilas Hofeund seine Flucht mit Hiltgunt erzählt, dar-

auf folgen Hagens Seelenkonflikt und dieKlage, mit seinem Blutsfreunde kämpfen zumüssen; 3. Schluß mit versöhnendem Aus-gang.

') Strecker, Z.f. d. A. 42,339 ff.; Wil-helm Meyer, ebda 43,118 ff.

2 ) Seiler, Ausgabe S. 115.

3 ) Laistner. Anz. f. d. A. 9,73.

4 ) Schmeller, Z. f. d. A. 1,401423.

5 ) Die Reihenfolge der Bruchstücke bei-der Hss. ist von Laistner, Z. f. d. A. 27, Anz.