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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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B. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 79. Waltharius. 395

es sich um zum Teil schwankhafte Klostertraditionen über einen früherenMönch namens Walther, der als alter Ritter in die Bruderschaft eingetretenwar. Mitgewirkt hat hier die altfranzösische Chanson de geste MoniageGuillaume, die Mönchwerdung des heiligen Wilhelm.

Erwähnt wird eine Szene der Waltriersage im Nibelungenlied Str. 2281(Walther von Spanje und Hagen nach dem Zweikampfe vor dem Wasgen-steine sitzend). Das Gedicht vom übeln Weibe spielt auf die Flucht Walthersan (v. 258 ff., ed. Edw. Schröder v. 257 ff.).i) Walther und Hildegund alstypisches Liebespaar bei Walther von der Vogelweide 74, 19. 2 )

Nachdem so die verschiedenen Versionen der Walthersage dargelegtsind, ist ihre Entstehung zu betrachten. Es ist eine Vereinigung der Hilde-sage mit der Nebenbuhlersage. Mit der Hildesage gemein hat sie das Grund-motiv der Entführung sowie die Namen Hildegund (= Hilde) und Hagen.Die Hauptpersonen sind der Vater, die Tochter und der Räuber. Eine Neben-gestalt neben dem Entführer, ein Freund wie Hagen, hat in der Ökonomie derursprünglichen Entführungssage keinen Platz. Die Nebenbuhlersage 3 ) hat alsMotiv die Werbung zweier Helden um die Tochter eines Königs, von denendereine siegt und die Braut erringt. Aus der Nebenbuhlersage nun kommt es,daß in der zweiten und dritten Fassung der Walthersage zwei junge Heldenauftreten, Walther und Hagen. Denn Hagen war ursprünglich der Neben-buhler, wie der alemannische Königssohn in der polnischen Walthersage;Feind, und zwar der hervorragendste, ist er auch in der Thidrekssaga, undschließlich ebenso, trotz der Verdunklung, im Walthariuslied, und der KampfWalthers mit Hagen ist auch hier ursprünglich der des Helden mit demNebenbuhler. An die Stelle der Nebenbuhlerschaft ist aber hier die Bluts-brüderschaft getreten, und das ist leicht erklärlich, da diese ein alter Zugin der Hildesage ist und auch in einer nordischen Fassung begegnet (Sorlacjättr, Fornaldar sogur I S. 275), hier zwischen dem Vater der Braut, Hogni(Hagen), und dem Brauträuber, Hedin (Hetel).

Die erste und zweite Fassung haben ein besonderes Gepräge durchzwei Erweiterungen erhalten. Einmal sind sie geschichtlich in eine bestimmteUmgebung hinein versetzt und in Verbindung gebracht mit jener Persönlich-keit, die so viele Sagenmotive an sich zog, mit Attila-Etzel. Er wurde abernicht zum Vater der Braut umgedichtet, da sein Bild in der Sage dafür keineZüge abgab, während seine Stellung als Pflegevater ganz zu seinem Charakterpasste. Geschichtliche Erinnerungen mochten nachgewirkt haben, wenn dieSage die drei germanischen Fürstenkinder als Geiseln an seinen Hof bringtund sie dann in die Heimat zurückfliehen läßt; denn ähnliche Ereignisse

1 ) Müllenhoff, Z. f. d. A. 12,367 f.

2 ) Anderes s. bei W. Grimm, D. Helden-sage a. a. O.; Althof, Übersetzung, größereAusgabe S. 178ff.; Eckerth S.84ff.

3 ) Das Nebenbuhlermotiv ist der Sagen-kern der beiden Helgilieder in der älteren

Edda und ebenso in der Geschichte derGudrun (Herwig und Hartmuot). Einige Na-men in den Helgiliedern stimmen mit denender Hilde- bezw. Walthersage überein: Hogni Hagen, Hedin Hetel, Atli Attila; dieJungfrauen sind Walküren wie Hilde.