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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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394
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394 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

liehe Walkürennatur, an die Kampfjungfrau, die die auf der Walstatt Ge-fallenen in ihre Hut nimmt.

Die Fassungen der Walthersage scheiden sich in drei Gruppen:

1. Die alemannische Fassung, die vertreten ist durch den lateinischenWaltharius und die angelsächsischen Waldere-Fragmente. 1 ) Das sind zweiBruchstücke in 63 Stabreimversen: A. Eine Person 2 ) ermutigt Waldere vordem Beginn des Zweikampfs mit GüShere, der hier historisch richtig Königder Burgunder ist. B. Reizrede zwischen GüShere und Waldere vor demZweikampf. Hier ficht nur Günther allein gegen Walther, nicht im Vereinmit Hagen. Kenntnis dieser alemanischen Fassung setzt der Biterolf voraus. 3 )

2. Die niederdeutsche Fassung. Sie ist enthalten in der nordischenThidrekssaga Kap. 241244, 4 ) wo Walther nicht mit den ihm entgegen-tretenden Franken, sondern mit den ihn verfolgenden Hunnen kämpft, beidenen hier auch Hagen sich befindet. Den Kampf mit den Hunnen hattewohl auch das mittelhochdeutsche Gedicht von Walther und Hildegunde, 6 )in den erhaltenen Strophen kommen keine kriegerischen Ereignisse vor.Das Epos von Biterolf weiß von den Kämpfen Walthers mit Hunnen undFranken.

3. Die polnische Fassung, 6 ) zuerst in der lateinischen Chronik desBoguphalus (14. Jh.), von da in andere polnische Chroniken übergegangen.Walther ist hier zu einem polnischen Ritter geworden, der seine Burg inder Nähe von Krakau hat. Er dient am fränkischen Hofe. Dort bezauberter durch, seinen süßen Gesang die Königstochter Helgunda, um die einalemannischer Königssohn freit, der am fränkischen Hofe erzogen wurde,zur Liebe; dann ficht er einen Zweikampf mit dem Nebenbuhler aus undentflieht mit Helgunda. Hier also ist der Gegner wieder eine andere Personals in den beiden ersten Fassungen, ein Nebenbuhler.

Noch ist der Bericht der Novaleser Chronik von dem Ausgang Wal-thers anzuführen. Hier besteht aber nur Namensgleichheit. Tatsächlich handelt

') WOlcker, Grundriß zur Geschichteder ags. Literatur §296299; Grein-WOl-cker 1, 1, 713 u. I, 2, 407 f.; Heinzel, Überdie Walthersage S. 1 ff.; P. J. Cosijn, De Wal-dere-Fragmenten, Verslagen en mededee-lingen der Akademie van weetenschappen,afdeeling letterkunde, 3de reeks deel 12,Amsterdam 1895; C. Kraus, Z. f. d. Österreich.Gymnasien 47 (1896), 328 ff.; Althof, Obereinige Stellen im Waltharius und die ags.Waldere Fragmente, Programm, Weimar 1899;F. Holthausen, Die altenglischen Waldere-bruchstücke, neu herausgegeben, mit 4 Auto-typien, Göteborg 1899; Althof, AusgabeI.Teil S. 19f.

2 ) Der Name kommt in den Bruchstückennicht vor. Es ist wohl Hiltgunt, die dannhier noch den Charakter einer germanischen,walkürenhaften Kampfjungfrau trägt.

3 ) Die Stellen im Biterolf s. DeutschesHeldenbuch I, Register S.305; Kelle, LG. 1,390.

4 ) A. Rassmann, Die deutsche Helden-sage Bd. 2, Hannover 1858, 286 ff.

5 ) Das mhd. Epos (etwa 1230) ist nur inzwei Bruchstücken erhalten: Grazer Bruch-stück, Müllenhoff, Z. f. d. A. 12,280ff.;WienerBruchstück, Massmann, Z.f.d.A. 2,216222;Heinzel, Walthersage S. 13 ff.; W. Eckerth,Das Waltherlied, 2. Aufl., Halle 1909 (freieDichtung auf Grundlage der mhd. Bruch-stücke; Zeugnisse für die Walthersage); s.Bd. II dieser Lit.Gesch.

6 ) Heinzel, Walthersage S. 88 ff.; O.Knoop, Die deutsche Walthersage und diepolnische Sage von Walther und Helgunde,Posen 1887, dazu v. Antoniewicz, Z. f. d. A.32, Anz. 14, 241247.