386 H- DlE Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
das Werk, das nicht die Herrlichkeit Gottes besinge, sondern die Abenteuereines Ritters (vgl. Ecbasis Captivi v. 39 f.) und mehr zum Ergötzen dieneals zum Gebet.
Erchanbald war Bischof von Straßburg 965—991 (Ekkehard IV., CasusS. Galli IX, 78), unter Gerold vermutet man wohl mit Recht den von Ekke-hard IV. genannten Geraldus, langjährigen Lehrer an der Klosterschule vonSt. Gallen (gestorben zwischen 970 und 975), für den wahrscheinlich Ekke-hard I. eben das Gedicht als Schularbeit geliefert hat (Casus S. Galli IX, 74.79. X, 89. 91. XI, 103. XIV, 124. 125). An dem Text hatte Geraldus, außeretwa notwendigen Stilkorrekturen, wohl keinen Anteil. 1 )
Zehn Handschriften, deren vorzüglichste die Brüsseler ist (aus demKloster Gembloux im Lütticher Bistum, 11. oder 12. Jh.), bezw. Bruchstücke,aus dem 11., 12., 13. und sogar 15. Jahrhundert, sind uns noch erhalten,eine Reihe anderer, auf welche Spuren hindeuten, sind verloren. Das Ge-dicht muß also weit verbreitet und noch bis ans Ende des Mittelalters sehrbeliebt gewesen sein. Hierfür spricht auch die Tatsache, daß es Ekkehard IV.einer Korrektur unterzog und daß eine Handschrift, die Innsbrucker Frag-mente (11. Jh.), noch am Anfang und in der Mitte des 12. Jahrhundertsmit lateinischen und deutschen Glossen versehen wurde. 2 ) In die Nova-leser Chronik (Mitte des 11. Jhs.) wurde ein Auszug aus dem Lied mit zahl-reichen Zitaten aus den ersten ca. 580 Versen eingetragen. — Das Hand-schriftenverhältnis ist sehr verwickelt. 3 ) Drei Handschriften enthalten denProlog des Geraldus.
Der Inhalt des Gedichtes zerfällt nach dem Schauplatz der Handlungin zwei Teile:
A. Bei den Hunnen, v. 1—418. — v. 1—10. Einleitung, die historischeGrundlage: in Pannonien wohnt das tapfere Volk der Hunnen, sie dehnenihre Macht bis an den Ozean aus.
v. 11—95. Attilas Heerfahrt nach Westen. Seiner Macht beugen sichdrei Reiche, sie erkaufen den Frieden durch Geiseln und Tribut: zuerstdie Franken am Rhein, ihr König Gibich sendet den jungen Hagen (v. 11bis 33); dann westlich und südlich davon die Burgunden, deren KönigHenrich sein eigenes Kind, seine Tochter Hiltgunt, vergeiselt (v.34—74); end-lich weiter westlich Aquitanien, wo Alphere herrscht, der seinen Sohn Waltherhingibt. Walther und Hiltgunt aber waren von Kind an verlobt (v.75—95).
') Strecker, Probleme S. 574—580; | gefördert Wilhelm Meyer, Philologische Be-
Althof, Gerald und Erchambold, Jahrbücher ! merkungen zum Waltharius. Münchner SB.
der Kgl. Akademie gemeinnütziger Wissen- ; 1873, 358—398; ferner Wilhelm Meyer,
schaffen zu Erfurt, Neue Folge 30 (1904), j Z. f. d. A. 43,129 ff.; P. v. Win TER FELD, Zur
631—652 und Sonderabdruck, Erfurt 1904. I Beurteilung der Handschriften des Waltharius,
2 ) Schönbach, Z. f. d. A. 33, 340f.; vgl. j Neues Archiv für ältere deutsche Geschichts-Ahd. Gl. 4, 372. künde 22, 554 ff.; derselbe, Z. f. d. A. 45, Anz.
3 ) Althof, Ausgabe I. Teil S. 33—41; , 27,10—18; Althof, Z. f. d.Phil. 33,349—368.Sprenger, Neue Jahrb. f. d. klass. Altertum ' 437—455.
1899,578-580. Die Textkritik hat besonders