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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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383
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B. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 78. Hrotsvitha. 383

setzen raubt ihm das Leben. Der Apostel Johannes erweckt beide Toten.Callimachus wird Christ, ihm öffnet sich der Weg von der Reue zurGnade.

4. Gegenüber diesem aus echt griechischer Erfindung hervorgegangenenStoffe fällt das letzte Stück dieser Reihe, das letzte in der von Hrotsvithaselbst gegebenen Anordnung, Sapientia, sehr ab. Es ist das ganz gewöhn-liche Märtyrermotiv: der Christ wird von dem heidnischen König hingerichtet,weil er den Göttern nicht opfern will. Hier sind die Märtyrerinnen dreiheilige Jungfrauen, die allegorisch die Namen der drei christlichen TugendenFides, Spes, Charitas tragen, die Töchter der Sapientia.

Die zwei Dramen der zweiten Gruppe, 4 und 5, Abraham undPaphnutius, sind Bekehrungsgeschichten von Hetären und enthalten einviel behandeltes Motiv der griechischen Legendenbildung, dessen Grund-typus die büßende Maria Magdalena ist.

III. Aus erzählenden Dichtungen besteht das dritte Buch. Es sindhistorische Epen in Hexametern: Das Heldengedicht Gesta Oddonis Limperatoris, verfaßt auf Wunsch der Äbtistin Gerberg. Nie wurde vor-dem in einem von Deutschland ausgehenden Gedichte ein deutscher Fürstso erhaben gefeiert als hier Otto, der Herrscher des römischen Reichs,der Nachfolger der Cäsaren. Das Ruhmeslied ist getragen von dem Macht-gefühl des Imperialismus, aber was ihm einen wärmeren Ton verleiht,das ist doch das Reinmenschliche, das Persönliche. Man hat darum diesesEpos eine Familiengeschichte genannt. 1 ) Die historischen Ereignisse stehenunter dem Gesichtspunkt von Vorgängen im königlichen Hause, oft sindsie verdichtet zu in sich abgeschlossenen Szenen, lebensvollen Bildern. DieFrauen werden stärker berücksichtigt als sonst von den Geschichtschreibern,von Heiraten wird gern berichtet; die Empörungen Heinrichs von Baiernund Liudolfs sind als traurige Zerwürfnisse in der Familie aufgefaßt.

Auch das zweite historische Werk ist Hofdichtung: Primordia coenobiiGandeshemensis. Es steht zu dem sächsischen Herrschergeschlecht inBeziehung, denn es behandelt Gründung (um 850) und Anfänge des KlostersGandersheim, das Liudolf, den Ahnherrn der sächsischen Liudolfinger, zumStifter hatte.

Hrotsvitha ist in der Literatur der Zeit eine hervorragende Erscheinung.Sie besaß angeborenes poetisches Talent, sie zeigt Begeisterungsfähigkeitfür ihre dichterische Aufgabe und einen gewandten Formsinn. Das meisteallerdings hat bei ihr die Schulung an der klassischen Literatur getan.

Die Verse sind großenteils leoninische und rein gereimt, reimlose Hexa-meter bezw. Pentameter kommen nur vereinzelt vor. Hrotsvitha kennt aberauch Assonanzen, und diese sind nicht selten. 2 )

') Waitz, Forschungen zur deutschen | ! ) Solche Verse sind also nicht als reimlos

Geschichte 9, 336. anzusehen, sondern zählen unter die leoni-