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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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380 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

jenen Jahrhunderten. Sie ist ein Erzeugnis volkstümlichen, barbarischenChristentums, und knüpft an eine alte, jedenfalls schon in der Heidenzeitverehrte wundertätige Quelle an.

4. Die Passio Sancti Pelagii führt fast unmittelbar in die Lebens-zeit der Dichterin (qui nostris temporibus in Corduba marürlo est coro-natus). Mit vierzehn Jahren erlitt Pelagius, der Sohn eines christlichenFürsten in Galicien, den Märtyrertod, da er, gefangen von den Saracenen,nicht den Gelüsten seines Herrschers dienen will. Diese Verse sind mitbesonderer Wärme geschrieben, die holdselige Jünglingsgestalt dieses jugend-lichen miles Christi hat die Dichterin mit Zauber ergriffen. Hier zeigt sichdas Weib in der Nonne.

5. 6. Enger zusammen gehören die fünfte und sechste Legende, derFall und die Bekehrung des Vicedoms Theophilus, Lapsus et con-versio Teophili vicedomini, 1 ) und die Bekehrung des Sklaven desProterius durch den heiligen Basilius. Der Mönch und der Sklave,jeder schließt ein Bündnis mit dem Teufel zur Erlangung irdischer Güter;jener aus Ehrgeiz, um Abt zu werden, dieser aus Liebesglut zur Tochterseines Herrn; beide werden durch das göttliche Erbarmen gerettet, jenerdurch die Fürsprache der Jungfrau Maria, dieser durch die Vermittlungdes heiligen Bischofs Basilius. Die Legende von Theophilus ist die ältesteGestalt der Faustsage, vom Teufelsbündler, der in maßloser Selbstüber-hebung von Gott abfällt und den Pakt mit dem Bösen schließt, um mitdessen Hilfe seine ehrgeizigen Pläne durchzuführen.

7. Die siebte Legende, die Passio Sancti Dionisii, tritt wiedernäher zu der von St. Gangolph, insofern beide Heilige des Frankenreichs sind.

8. Die Passio der heiligen Agnes, einer der gefeiertsten Märtyrerinnen,verherrlicht die jungfräuliche Keuschheit, wie die von Pelagius die männ-liche. Im Gegensatz zu beiden steht die ehebrecherische Gattin in derGangolphlegende.

II. Viel origineller als die Legenden sind Hrotswiths Dramen bezw.Dialoge, die das zweite Buch ausmachen. Es sind die ältesten dramati-schen Versuche des Mittelalters. Die Dichterin selbst nennt das Buch derDramen: Liber secundus dramatlca serie contextus^) = in dramatischerReihenfolge, das ist in dialogischer Form abgefaßt. Die BezeichnungKo-mödien" ist erst durch den ersten Herausgeber Konrad Celtes in Gebrauchgekommen, kann aber gelten, insofern diese Dramen einen glücklichenAusgang haben, das ist im Sinne des Mönchstums: die Erlösung vonder Welt.

Diese Dramen stehen einzig in der Literatur da und wurden auch zuihrer Zeit nicht beachtet, nirgends werden sie genannt, erst von dem

*) W. Meyer, Radewins Gedicht über i und Gesammelte Abhandlungen 1, 59ff.Theophilus, Münchner SB. 1873, I, S. 49 ff. | 2 ) v. Winterfeld S. 105.