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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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371
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B. Die Literaturdenkmäler. 3. Lateinische Denkmäler. § 75. Ecbasis captivi. 371

Stier, zieht gegen die Wohnung des Wolfes. Da erzählt dieser seinen beidenHörigen, die mit ihm in seiner Burg sind, der Otter und dem Igel, dieInnensage, B. Dies ist die Geschichte von der Heilung des kranken Löwendurch den Fuchs, der ihm rät, dem Wolf das Fell abziehen zu lassen, umsich darin zu erwärmen, was dann in der Tat den gewünschten Heilerfolghat. Dann setzt die Außenfabel wieder ein, Ab: Mittlerweile war die Scharder suchenden Feinde vor die Höhle gelangt. Das Kalb entflieht in derallgemeinen Verwirrung zu den Seinen und kehrt mit der Mutter nach Hausezurück. Der Wolf ist von dem Stier an einen Baum geheftet worden.Dieser Grundstock ist erweitert durch Aufnahme von einzelnen Motivenaus dem Physiologus und durch reiche, oft dramatisch belebte Ausmalungeinzelner Szenen. Auch manche Anspielungen auf Zeitverhältnisse sind ein-geschoben, die uns aber nicht mehr verständlich sind.

Das Gedicht besteht aus zwei Tiergeschichten. Der innere Teil ist diebekannte äsopische Fabel, ist also klassischen Ursprungs. Die Rahmen-erzählung dagegen ist eine Umbildung der biblischen Parabel vomLamm,das vom guten Hirten dem Wolf entrissen wird. Daß die Erzählung sym-bolisch aufzufassen ist, gibt die Überschrift selbst an durch die Zufügung,pertropologiam'. Im allgemeinen liegt die Allegorie schon darin, daß mensch-liches Leben im Bild von Tieren dargestellt ist. Der Schlüssel zur morali-schen Deutung aber ist die Grundanschauung des Mönchstums, di e Predigtvon der Weltentsagung. Aus dem Kloster flieht das Kalb in die Welt, esverfällt dem Wolf, das ist der Weltlus t, es wird dem Teufel entrissen vonseiner Herde, den Mönchen, und kehrt wieder in das Kloster zurück. DieWelt als das Verderben der Seele, das Klosterleben als der Weg zum Himmel-reich : es ist die Verherrlichung der Weltflucht, der A skese . Auf den Dichterselbst angewendet, bedeutet das Bild: er war durch Weltlust in der Gewaltdes Teufels, wurde aber durch Hilfe der Brüder wieder auf den Weg des-Heils gebracht. Auch die beiden in dem Gedicht erwähnten Erbauungs-schriften, die Vita Malchi des Hieronymus (v. 583) und die Reparatio lapsdes Johannes Chrysostomus (v. 220) haben die gleichen Stoffmotive undGrundgedanken. 1 )

') Voigt S. 11 ff. Der Grund, wes-halb der Dichter in claustrali carcere (v. 58)sich befindet, wird nicht angegeben. Derasellus, wie er wegen seiner Unlust zu lernengenannt wurde, ist wohl wegen Vernach-lässigung seiner Mönchspflichten bestraftworden. Voigt hält die Rahmenerzählungfür eine Allegorisierung wirklicher Erlebnissedes Dichters. Er sei, wie das Kalb, demKloster entronnen, dann wieder gefangen

sind schon im Stoff selbst begründet. Es.ist das Motiv vom entflohenen Schaf, dasvom Wolf gefangen wird, dasselbe, welchesin Alverads Eselin und, mit glücklichem Aus-gang, im Rotkäppchen des Egbert von Lüttichwiederkehrt. Die dreifache Stufe: 'Das Klo-sterleben hinaus in die Welt zurückzur Kirche' ist z. B. auch die Entwicklungs-geschichte des Qregorius in Hartmanns vonAue Legende vom guten Sünder. Nun ist

zum Kerker verurteilt worden. Da dieser I in der Ecbasis allerdings ein wichtiger ZugVorgang nur eine Allegorie für den all- I geändert. Das Kalb bezw. der Mönch ent-gemeinen Satz:Weltfreude und Umkehr zur I flieht, er wird gefangen und sehnt sich nachWeltentsagung" ist, so braucht nichts Per- Freiheit. Das sieht aus wie eine Auflehnungsönliches dahinter zu liegen. Die Ereignisse | gegen die Klosterpflichten, wie die Behaup-

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