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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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368 Et- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

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Diese ältesten, in historischen Werken überlieferten mittelalterlichenFabeln wurden von den betreffenden Personen als warnende oder ermah-nende Beispiele für ein wahrscheinlich eintretendes Ereignis erzählt. Essind Allegorien der Wirklichkeit, gleichsam praktische Allegorien. Im Bildedes Tierlebens werden menschliche Taten verstanden. Ein mächtiger Königwill einen schwächern verderben, der Schwache wird durch die Erzählungder Fabel parabolisch gewarnt.

Den Mittelpunkt des spätem Tierepos bildet die äsopische Fabel vonder Heilung des kranken Löwen durch den Fuchs, der ihm das Fell desWolfes als wärmenden Umschlag verordnet. Die älteste Bearbeitung diesesfür die Entwicklung der Tierdichtung im Mittelalter wichtigsten Stückessind die Distichen des Paulus Diaconus, (um 782786). Die Heilunggeschieht hier durch die Haut des Bären. 1 ) Von ihm sind uns auch nochzwei andere lateinische Tierfabeln erhalten: De vitulo et ciconia und Fabulapodagrae et pulicis.*)

Während Paulus Diaconus, der sagenfreudige Geschichtschreiber derLangoba rden, seine Fabeln lediglich als Kunstwerke ohne andern Zweckals den zu ergötzen abgefaßt hat, hängt Aj£uin > , der berühmte Lehrer, seiner(einzig von ihm überlieferten) Fabel De Gallo Fabula einen moralischenSchluß an. Es ist dre äsopische Fabel vom Hahn, der durch List demRachen des Wolfes entrinnt, jedoch ist an Stelle des Wolfs der Fuchs derGeprellte. 3 )

Anspielungen auf listige Streiche des Fuchses enthält endlich ein Ge-dicht des Sedulius Scotus, De falsidico teste.*) Erwähnt wird die Fabelvom Wolf und Schaf in desselben Tiergeschichte De verbece.

In den nicht kanonischen, das ist in den nicht zu den Lehrsammlungengehörigen Fabeln, wechseln die Tiere leicht hinsichtlich der Person; sowird bei Paulus Diaconus das Fell dem Bären, nicht dem Wolf abgezogen.Die Fabel von dem Lamm, das dem Wolf begegnet, wird oft dadurch um-geändert, daß an Stelle des Lammes ein anderes Wesen tritt (Alveräd,Ecbasis captivi, De verbece, Rotkäppchen). , König is t ursprünglich derJJ2&&, der deutsche Herr der Wälder, der Bär, kommf^um erstenmal inder oben genannten Tegernseer Chronik vor. Ursprünglich hatten die Tierenur die allgemeinen Gattungsnamen; Eigennamen, jsegrim für Wojf, Rein-hart für Fuchs usw., kommen zuerst im Isengrimus (12. Jh.) vor. 5 )

Nur ein einziges Beispiel eines Tiermärchens ist uns erhalten. EjgbeilLüttich erzählt in seiner Fecunda ratis Buch. II, 472485 (Voigt

') E. Dämmler, Z. f. d. A. 12, 450. 459.16,480; L. Weiland, ebda 14, 495497; vonP. v. Winterfeld Notker Balbulus zuge-schrieben, Neues Archiv f. ältere deutscheGesehichtskunde 29, 468471.

2 ) Müllenhoff, Z. f. d. A. 13, 319321;Dümmler, Mon. Germ. Poet. lat. aevi Carol.I,

1, 64f.; J. Ulrich, Proben der latein. Novel-listik des MA. S. 4.

3 ) Dümmler, Mon. Germ. a. a. O. S. 262;J.Grimm, Reinhart Fuchs S. 420. Im 11. Jh.wiederholt, s. J. Grimm, Lat. Gedichte S. 345.

*) Voigt, Ecbasis Captivi S. 58.

5 ) Müllenhoff, Z.f. d. A. 18, 6 ff.